Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mahmud Şevket Pascha

Mahmud Şevket Pascha, osmanischer Staatsmann und Offizier, * Bagdad 1856, † Istanbul 11.06.1913, čečenischer Herkunft.

Leben

 Nach dem Grundschulbesuch in Bagdad absolvierte M. in Istanbul die Kriegsschule (mekteb-i harbiye), die er 1882 mit dem Hauptmannsrang verließ. Nach kurzem Aufenthalt in Kreta kehrte er im folgenden Jahr als Lehrer an die Kriegsschule zurück, diente dann im Gefolge der deutschen Generäle Louis Karl Adolf Franz von Kamphoevener und Colmar Freiherr von der Goltz (Goltz-Pascha) und wurde auf Empfehlung des letzteren 1886 als Mitglied einer Kommission zum Studium der Mausergewehre nach Deutschland entsandt. 1891 Oberst, hielt er sich fast zehn Jahre in Deutschland auf und nahm an vielen Manövern und Waffenerprobungen teil. 1894 ging er in gleicher Mission nach Frankreich, wurde nach seiner Rückkehr Generalmajor, 1899 stellvertretender Leiter des Untersuchungs- und Prüfungsamtes beim Kaiserlichen Arsenal, 1901 Generalleutnant und vorübergehend ohne Erfolg mit dem Bau einer Telegraphenlinie zwischen Mekka und Medina beauftragt. 1905 wurde er Vali des Wilajet Kosovo; es war die Zeit des internationalen Gendarmeriekorps in der Provinz, der wachsenden griechischen Bandentätigkeit und der Aufstandsvorbereitungen der jungtürkischen Bewegung. Nach dem Erfolg der Jungtürken und der erneuten Verkündung der Verfassung (1908) Kommandeur der 3. Armee, übernahm M. nach dem Aufstand des 13. April 1909 in Istanbul (31 Mart vak'asi) das Kommando der Operationsarmee (hareket ordusu), die zur Rettung der jungtürkischen Revolution in Rumelien aufgestellt wurde, marschierte gegen die Hauptstadt und besetzte sie am 24. April. Am 27. April wurde Abdülhamid II. abgesetzt und ins Exil nach Saloniki geschickt. Danach Inspekteur der 1., 2. und 3. Armee, wurde M. am 21. Januar 1910 im Kabinett Hakki Pascha Kriegsminister. Die anhaltenden Aufstände in Albanien und der wenig glückliche Verlauf des Krieges mit Italien (ab 29.09.1911) veranlaßten ihn am 9. Juli 1912 zum Rücktritt, was als persönliche Schwäche ausgelegt wurde und seinen Ruhm erschütterte. Im Ersten Balkankrieg lehnte er eine Ernennung zum Armeekommandeur in Elassonos (Alasonya) ab. Im Gefolge des jungtürkischen Überfalles auf die Hohe Pforte, die Ermordung von Kriegsminister Nâzim Pascha und die Absetzung des Großwesirs Kâmil Pascha (23.1. 1913) selbst zum Großwesir und Kriegsminister berufen, bemühte er sich, das Land durch die innen- und außenpolitischen Krisen (Zusammenbruch der osmanischen Macht auf dem Balkan, Londoner Friede vom 30.05.1913 mit Abtretung der europäischen Türkei bis zur Linie Enez-Midye, Ausbruch des Zweiten Balkankrieges) zu steuern, wurde indessen schon nach wenigen Monaten von Gegnern des jungtürkischen Regimes auf der Fahrt zu seiner Dienststelle erschossen.

Literatur

Inal, Mahmud Kemal: Osmanlı devrinde son sadrıazamlar. 14 Teile. Istanbul 1940/50.
Bayur, Yusuf Hikmet: Türk inkılâbı tarihi. Bd 1-2 in 5 Teilen. Ankara 1940-1952 (Bd 1 in 2 Teilen 1963-1964(2)).
Ahmad, Feroz: The Young Turks. The Committee of Union and Progress in Turkish Politics, 1908-1914. Oxford 1969.
Akşin, Sina: 31 Mart olayı. Istanbul 1972.


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