Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Burián von Rajecz, Stephan Graf

Burián von Rajecz, Stephan Graf, östereichisch-ungarischer Diplomat und Staatsmann, * Stampfen (Preßburger Komitat) 16.01.1851, † Wien 20.10. 1922, aus altungarischem Adel.

Leben

B. besuchte die Konsularakademie in Wien und war anfangs im diplomatischen Dienst in Alexandrien, Bukarest, Belgrad und Sofia tätig. 1882 wurde er Leiter des Generalkonsulats in Moskau, 1887 außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister in Sofia. 1896 ging er nach Stuttgart, 1897 nach Athen.
Am 24. Juli 1903 wurde B. zum Gemeinsamen Finanzminister Österreich-Ungarns ernannt. Während seiner Amtsführung erfolgte die Annexion Bosniens und der Herzegowina, deren Verwaltung bereits seit 1878 dem Gemeinsamen Finanzminister unterstanden hatte, um eine direkte Eingliederung in einen der beiden Reichsteile zu verhindern. Eine tiefgreifende Beruhigung der Länder gelang B. nicht, obgleich ein Landtag gewählt wurde. B. wurde sogar der Vorwurf gemacht, dem serbischen Element zu weit entgegenzukommen. Er blieb bis 20. Februar 1912 im Amt. Vom 10. Juni 1913 bis 13. Januar 1915 war B. Minister am ungarischen Hoflager zu Wien.
Nach dem Rücktritt Graf Leopold Berchtolds vom Amt des Außenministers sah sich B. als dessen Nachfolger (13.01.1915-22.12.1916) vor eine Reihe schwerer Probleme gestellt, deren Lösung durch den eng gezogenen Handlungsspielraum a priori nahezu unmöglich war: insbesondere die Erhaltung der Neutralität Italiens (die sich wegen der fehlenden Bereitschaft Wiens zu territorialen Zugeständnissen nicht realisieren ließ) und Rumäniens trat deutlich hervor. Wohl gelang es, Bulgarien als Verbündeten zu gewinnen (Oktober 1915), doch litt das Bündnis mit Berlin, mitverursacht durch B.s ablehnende Haltung gegenüber dem uneingeschränkten U-Bootkrieg und sein Eintreten für eine austro-polnische Lösung, immer mehr. Als nach dem Tode des alten Kaisers dessen Nachfolger Karl an die Regierung kam, wählte er einen Mann seines Vertrauens, Graf Ottokar Czernin, zum Außenminister. B. wurde wieder das Finanzministerium übertragen (22.12.1916-16.04.1918).
Als Czernin im Gefolge der Sixtusaffäre und der unglücklichen Auseinandersetzung mit Clemenceau stürzte, übernahm B. am 16. April 1918 wieder das Amt des Außenministers. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war einerseits der innere Auflösungsprozeß der Monarchie bereits weit fortgeschritten, zum anderen gingen die alliierten und assoziierten Mächte nicht mehr grundsätzlich davon aus, daß die Donaumonarchie strukturell im wesentlichen unverändert zu erhalten wäre. B. selbst suchte weiter nach einer „ehrenvollen“ Möglichkeit, den Krieg zu beenden, was konkret für ihn die Möglichkeit eines Sonderfriedens ausschloß. Der vage Aufruf zur Beendigung der Kampfhandlungen (14.09.1918) konnte in der politischen Situation des Spätsommers und Herbstes 1918 nicht mehr ausreichen. Dennoch und ohne Erfolg harrte B. bis zum 24. Oktober als Außenminister aus. Sein Nachfolger wurde Graf Julius Andrássy, der - jedenfalls zu spät - doch noch die Abkehr vom Anti-Sonderfriedens-Dogma herbeiführte.

Literatur

Burián, Stephan Graf: Drei Jahre aus der Zeit meiner Amtsführung im Kriege. Berlin 1923.
Diószegi, István: Außenminister Graf Burián. In: Ann. Univ. Budapest., Sect. hist. 8 (1966) 161-208.

Verfasser

Georg Erich Schmid (GND: 13221637X)


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