Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Atanasie, Anghel Popa

Atanasie, Anghel Popa, der erste anerkannte rumänische unierte Bischof Siebenbürgens, * Maroscsüged, † Karlsburg 19.08.1713, aus der orthodoxen Priesterfamilie Popa.

Leben

Anghel studierte bei den Reformierten in Karlsburg, wurde Mönch unter dem Namen A. und empfing vom Metropoliten Varlaam von Karlsburg die Priesterweihe. Als der Metropolit Teofil von Karlsburg (1692-1697) - der in der Synode von 1697 den Willen der rumänischen orthodoxen Kirche Siebenbürgens zur Loslösung von der Verbindung mit der reformierten Kirche und zur Union mit der römisch-katholischen Kirche verkündet hatte -, starb, wählte die rumänische Synode den Hieromonachen A. zum Nachfolger. Von Empfehlungen der führenden Reformierten Siebenbürgens begleitet, reiste A. dann in die Walachei und bekam dort vom Metropoliten Teodosie von Bukarest am 22. Januar 1698 die Bischofsweihe. Gleichzeitig gab ihm der Jerusalemer Patriarch Dositheos eine Instruktion in 22 Punkten zur Erhaltung der Orthodoxie und zum Widerstand gegen den entstehenden rumänischen Ritus.
Nach Karlsburg zurückgekehrt, suchte A., zusammen mit den Protopopen, den Priestern und manchen Laien, die Union mit der römisch-katholischen Kirche durchzuführen und deren Anerkennung von Seiten des Wiener Hofes und des siebenbürgischen Landtags zu erlangen. Er stützte sich dabei auf die Hilfe des Jesuitenpaters Baranyi, des Kardinals Kollonits und des Status catholicus. Er hielt in Karlsburg eine Reihe von Unionssynoden ab: am 7. Oktober 1698, an welcher er ein Unionsmanifest verkündete, am 24. Mai 1699 und am 5. September 1700 als er ebenfalls ein Manifest herausgab. Dann reiste A. nach Wien (Ende 1700), um bei Leopold I. die Bestätigung der Union und seines Episkopates durchzusetzen. (Bis dahin verhielt sich der Wiener Hof zurückhaltend: er erließ am 14. April 1698 nur ein neutrales Dekret und am 16. Februar 1699 ein allgemein gehaltenes Versprechen den Völkern des Südostens.)
In Wien nahm A. mit lateinischen Theologen und Vertretern des Hofes an zwei Konferenzen unter dem Vorsitz des Kardinals Kollonits teil. Die Wiener Theologen, vom Geiste der Gegenreformation durchdrungen, sahen die Anfänge der Union nicht in den Synodalbeschlüssen, sondern in der Unterwerfung von A. unter die Bedingungen Wiens. A. wurde dort am 25. März wieder zum Bischof geweiht. Der Hof verhielt sich teils großzügig, teils mißtrauisch: er gab am 19. März 1701 zwei Diplome heraus, in denen die Rumänen als Nation angesprochen und ihnen die gleichen Rechte wie den Römisch-Katholiken versprochen wurden, und A. als unierter Bischof anerkannt, unter anderem aber auch verpflichtet wurde, einen Jesuiten als Theologen (generalis causarum auditor) hinzunehmen.
Nach seiner Rückreise wurde A. am 25. Juni 1701 in Karlsburg feierlich in sein Amt eingeführt. Er hielt gleich eine Synode ab, der dann weitere Synoden im Herbst 1701, am 8. Juni 1702, in den Jahren 1703 und 1707 zur Bestätigung der Union und für eine organisatorische Entfaltung folgten. Als die Kuruzen 1711 Siebenbürgen durchstreiften, bekannte sich A., unter Druck, zur Orthodoxie, als die Gefahr vorbei war, kehrte er wieder zur Union zurück.
A. steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen für und gegen die Union. Er wollte nämlich der Union eine Richtung geben, die den Ideen der Bukarester Führungsschicht entsprach und die heute als modern empfunden würde, doch hatte er nicht die theologische Bildung und die Charakterstärke, sie durchzusetzen, und akzeptierte die Unionsidee von Kollonits. In diesen verschiedenen Strömungen vom Anfang liegt der Keim der späteren Erfolge, aber auch der Schwierigkeiten der rumänischen unierten Kirche.

Literatur

Cipariu, Titomeiu: Acte şi fragmente latine românesci. Blasendorf 1855.
Nilles, Nicolaus: Symbolae ad illustrandam historiam Ecclesiae orientalis in terris Coronae S. Stephani. Oeniponte 1885.
Bunea, Augustin: Istorie scurtă a Bisericei române unite cu Roma. In: Şematismul Alba Iulia şi Făgăraş 1900, 15-19.
Dragomir, Silviu: Istoria desrobirei religioase a Românilor din Ardeal în secolul XVIII. Bd 1. Sibiu 1920.
Densuşianu, Nicolae: Independenţa bisericească a Mitropoliei Române de Alba Iulia. Kronstadt 1893. [Grama, Alexandru şi Augustin Bunea]: Cestiuni din dreptulu şi istoria bisericei românesci unite. 2 Bde. Blasendorf 1893.
Bârlea, Octavian: Die Union der Rumänen (1697-1701). In: Vries, Wilhelm de: Rom und die Patriarchate des Ostens. Freiburg i. Br., München (1963) 132-180, 393-424. = Orbis academicus. III/4.

Verfasser

Octavian Bârlea (GND: 1038352274)

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Empfohlene Zitierweise: Octavian Bârlea, Atanasie, Anghel Popa, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 106-108 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=488, abgerufen am: (Abrufdatum)

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