Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Varlaam

Varlaam, Metropolit der Moldau 1632-1653, * 1580, † September/Dezember 1657.

Leben

V. stammte aus bäuerlichen Verhältnissen, hieß mit weltlichem Namen Moţoc und wuchs in dem heute nicht mehr existierenden Dorfe Căpoteştii im Bezirk Putna auf. Später trat er in das Kloster Secu ein, wo er es bis zum Abt brachte. Der Kiever Metropolit Petru Movila (Mohyla) empfahl ihn schließlich dem Hospodar der Moldau Miron Barnowski (1626-1629). Im jahre 1629 unternahmV. zwecks Erwerbung einer bestimmten Ikone eine Reise nach Moskau, doch verlief diese ergebnislos. 1632 wandte er sich an den Zaren Michail Fedorovic Romanov und bat um Unterstützung zur Einrichtung einer Druckerei. Im gleichen Jahr starb der Metropolit der Moldau Athanasie und V. wurde zu dessen Nachfolger gewählt, obwohl er noch gar nicht zum Bischof geweiht war. Im Jahre 1642 nahm V. an der Synode von Jassy teil, an deren Zustandekommen er wesentlichen Anteil hatte. In der Folge widmete er sich vorwiegend kulturellen Problemen und durch seine Initiative entstand die erste Druckerei der Moldau in Jassy, deren Leiter ein Ukrainer war.
Das bedeutendste Werk V.s ist die 1643 erschienene „Cartea românească de învăţătură“ (Rumänisches Lehrbuch), das, zumeist als „Cazania“ (Predigtbuch) zitiert, das erste in der Moldau gedruckte Buch ist. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Predigten (74 Kommentare der Evangelientexte), die durch einige Heiligenviten ergänzt sind. V. erweist sich in ihnen als stark beeinflußt von neugriechischen Texten des Maximos Margunios, Ioanichie Cartanos, Damaskenos Studites u.a. Die Sprache V.s weist sehr viele volkstümliehe Elemente auf und die drei ebenfalls in diesem Werk enthaltenen Hymnen bedeuten den Beginn der Versdichtung in rumänischer Sprache. In einer Vielzahl von Exemplaren gedruckt und auch in drucktechnischer Hinsicht bemerkenswert hat V. mit seinem Predigtbuch in sehr bedeutendem Maße zur Konsolidierung der rumänischen Literatursprache beigetragen. Von den weiteren Werken V.s sind zu nennen die zusammen mit dem Logofăt Eustratie verfaßte Schrift „Şeapte taine a besearicii“ (Die sieben Sakramente der Kirche, 1644) und der Traktat „Răspunsul împotriva catihismului calvinesc“ (Erwiderung auf den kalvinischen Katechismus, 1645), in welchem er in polemischem Stil die unter den Rumänen Siebenbürgens zirkulierende kalvinische Propaganda kritisiert.
V., dessen Wirken die orthodoxe Kirche der Moldau eine Vielzahl von bedeutenden Privilegien verdankte, trat zugleich mit dem Ende der Herrschaft des Hospodars Vasile Lupu von seinem Amte zurück und soll sich, wie eine Chronik berichtet, in die Berge zurückgezogen haben.

Literatur

Dinulescu, S.: Notiţă despre viaţa şi activitatea metropolitului Moldovei Varlaam. Cernăuţi 1886.
Giurescu, Constantin C.: Istoria Românilor. Bd 3/1. Bucureşti 1942, 103-104; Bd 3/2. Bucureşti 1946, 863-864, 895-896.
300 de ani de la moartea Mitropolitului Varlaam. [Von] Augustin Z. N. Pop, T. Bodogae, I. Lupaş [u. a.] In: Mitropolia Moldovei şi Sucevei 33 (1957) 742-861.
Olteana, Pandele: Unul din izvoarele neogreceşti al „Cazaniei“ Mitropolitului Varlaam (1643): „Comoara“ lui Damaschin Studitul. In: Romanoslavica 18 (1972) 163-185.
Bajau, I.: Contribuţii mai noi cu privire la izvoarele Cazanie mitropolitului Varlaam al Moldovei. In: Studii teologice 26 (1974) 748-758.
Olteana, Pandele: Damaschin Studitul şi Mitropolitul Varlaam al Moldovei. In: Mitropolia Moldovei şi Sucevei 52 (1976) 662-676.

Verfasser

Manfred Stoy (GND: 1125126671)

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Empfohlene Zitierweise: Manfred Stoy, Varlaam, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 385-386 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1828, abgerufen am: (Abrufdatum)

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