Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vasile Lupu

Vasile Lupu, Fürst der Moldau April 1634-Juli 1653, * Arbanasi (Bulgarien) um 1593, † Konstantinopel April 1661.

Leben

V. stammte aus einer Familie griechischer oder aromunischer Herkunft südlich der Donau, die sich zunächst in der Walachei, danach in der Moldau niedergelassen hatte. Er bekleidete hohe Ämter (Großschatzmeister 1619-1620, zweiter Logothet 1625, Mundschenk 1627, Hetman 1629-1630, Statthalter der unteren Moldau 1631), bevor er von der osmanischen Pforte, gegen den Willen der moldauischen Bojaren, zum Fürsten ernannt wurde.
Zum Unterschied von Matei Basarab, seinem Zeitgenossen und Rivalen in der Walachei, stand V. in engen Beziehungen zu den führenden Kreisen der Griechen in Konstantinopel und setzte zahlreiche Griechen in leitende Ämter des moldauischen Staates ein; seine Herrschaft kennzeichnete eine wichtige Etappe in der Durchsetzung des politischen und geistigen Lebens der Moldau durch das griechische Element.
In der Hoffnung, für sich oder für seinen Sohn Ioan auch den Thron der Walachei zu erlangen, griff V. mit Zustimmung und Unterstützung der osmanischen Pforte zweimal (1637 und 1639) Matei Basarab an, dessen Versuche, sich im Bündnis mit dem Fürsten von Siebenbürgen Georg I. Rákóczi und durch Verhandlungen mit den Habsburgern von der türkischen Herrschaft zu befreien, in Konstantinopel bekannt waren; beide Angriffe scheiterten.
1642 vermittelte V. zwischen Türken und Russen und erreichte die Räumung der Festung Azov durch die Kosaken; ab 1645 näherte er sich Polen, im darauffolgenden Jahr schloß er einen Bündnisvertrag mit Georg I. Rákóczi ab, in Erwartung einer antiosmanischen Aktion der christlichen Mächte, die jedoch nicht stattfand. In den letzten Jahren seiner Herrschaftverbündetesich V. mit den Kosaken des Hetmans Bohdan Chmel'nyckyj, die sich gegen die polnische Herrschaft erhoben hatten, versuchte aber zwischen Kosaken und Polen eine Verständigung zu vermitteln. Von einer Gruppe aufständischer Bojaren, die von Georg II. Rákóczi und Matei Basarab unterstützt wurden, vom Thron gestürzt (April 1653), flüchtete  V. nach Polen. Für kurze Zeit auf den Thron zurückgekehrt (Juni-Juli 1653), versuchte er noch einmal, die Walachei zu erlangen, wurde aber von deren Fürst Matei Basarab besiegt und endgültig vom Thron gestürzt. Er flüchtete nach Konstantinopel, wurde im Yedikule eingekerkert und erst einige Monate vor seinem Tode wieder freigelassen.
V. war ein Vorkämpfer der Orthodoxie; er übte auf das Patriarchat von Konstantinopel eine wahre Schirmherrschaft aus durch die großen Subventionen, die er ihm gewährte sowie durch das Kontrollrecht, das er sich vorbehielt. Ähnliche Unterstützung gewährte V. auch anderen bedeutenden Zentren der orthodoxen Welt. 1642 fand auf seine Anregung in Jassy eine Synode statt, an der Vertreter der ukrainischen Kirche und des Patriarchats von Konstantinopel teilnahmen, und auf welcher der Text eines Bekenntnisses der Orthodoxie - der von Petru Movilă, Metropolit von Kiev, redigiert worden war - seine endgültige Form erhielt. Das Bekenntnis der Orthodoxie, eine Schrift, die die Orthodoxie vor der Offensive der rivalisierenden Konfessionen, vor allem des Kalvinismus, schützen sollte, wurde 1642 in Jassy in griechischer Sprache gedruckt.
Mit Unterstützung von Petru Movilă gründete V. in Jassy ein Fürstliches Kollegium mit griechischer und slawischer Unterrichtssprache. Ebenfalls auf Initiative von V. wurde das erste in rumänischer Sprache gedruckte Gesetzbuch redigiert, „Cartea românească de învăţătură“ (Jassy 1646), das sich zum Großteil aus der byzantinischen Gesetzgebung inspirierte. Von den Stiftungen V.s sind die Kirche „Trei Ierarhi“ (1639) und das Kloster „Golia“ in Jassy die imposantesten; letzteres wurde von seinem Sohn Stefăniţă fertiggestellt (1660).

Literatur

Iorga, Nicolae: Basile Lupu, prince de Moldavie, comme successeur des empereurs d’Orient dans la tutèle du Patriarcat de Constantinople et de l’Eglise orthodoxe (1640-1653). In: Bulletin de la section historique de l’Académie Roumaine 2 (1914) 88-123.
Babinger, Franz: Originea şi sfîrşitul lui Vasile Lupu. In: Academia Română, Memoriile secţiunii istorice, Serie III, Tom. XVII (1935/36) 63-82.
Ders.: Originea lui Vasile Lupu. In: ebd. Tom. XIX (1937) 137-147.
Istoria României. Bd 3. Bucureşti 1964, 157-178.

Verfasser

Şerban Papacostea (GND: 121331083)


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