Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Árpad

Árpad, erster Großfürst der Ungarn, † 907, Sohn des Álmos und Begründer der nach ihm genannten Dynastie (bis 1301).

Leben

Während Á.’s Kindheit mochte seinem Vater die Zusammenfassung der ungarischen Stämme in einem „ducatus“ gelungen sein (zwischen 830 und 840, nicht später als 850). Da wurde Álmos als „dux ac preceptor“ eingesetzt, seine Sippe in dieser Würde als erblich anerkannt. Der Wahl folgte der sog. „Blutsvertrag“ (vérszerződés) der 7 ungarischen Stammeshäuptlinge; dessen fünf Punkte ließen sich durch Heranziehung mongolischer Analogien bei der Wahl des Temudschin zum „Herzog der Mongolen“ als echte Überlieferung erweisen. Die Wahl des Á. zum ersten Großfürsten der Ungarn war ein späterer, anders einzuschätzender Akt. In reifem Alter, als „würdevoller, mächtiger und tapferer Mann“ wurde er „nach Sitte und Gesetz der Chasaren“ auf dem Schild in die Höhe gehoben und so zu ihrem Herrscher gewählt. „Dux Hungariae“ sagte über ihn die einheimische Überlieferung; ho megas tourkias archon, die wichtigste byzantinische Quelle, der in Purpur geborene Kaiser Konstantin VII., während Álmos nur der Titel „dominus ac consiliarius“ zukam. Das Nacheinander der beiden Wahlen zeichnet klar unterscheidbare Stufen auf dem Wege zur staatlichen Ausgestaltung des Ungarntumes ab. Es kann durch hunnische (Uldin: regulus, Rua oder Attila: rex), durch osmantürkische (Ertogrul: der Vater, in seiner Rolle Álmos entsprechend; Osman, der Sohn, der erste wirkliche Herrscher, Namensgeber für Dynastie und Volk) oder durch mongolische Analogien unterstützt werden, nur daß im letzten Falle Temudschin selbst es war, dem auch die Erhebung zum Khan, dem „Kaiser der Steppen“ zuteil wurde.
A.s Wahl bezeichnete die endgültige Ausscheidung des ungarischen Stammesverbandes aus einer politisch abhängigen Stellung im Reich der Chasaren. Vermutlich gleichzeitig, und schon unter seiner Führung, verließ das Volk die südrussischen Weideplätze - das sog. Lebedien - für die in etwa dem heutigen Bessarabien und der Moldau entsprechende neue Heimat: Etelköz (Atelkouzu). Die Ursache des Weiterwanderns dürfte der Einbruch der osttürkischen Petschenegen in die pontischen Steppen gewesen sein. Á. ließ den im schützenden Raum der Karpaten liegenden Donaubecken auskundschaften und schloß 892 einen Bund mit Kaiser Arnulf ab. Noch im selben Jahr führten die Verbündeten einen Angriff gegen das Großmährische Reich.
894 operierten die Ungarn in Pannonien. Im selben Jahr schloß Á. einen weiteren Bund, diesmal mit Ostrom gegen die Donaubulgaren, vielleicht um die Landnahme des Asparuch (679) wiederholend, im bulgarischen Bereich endgültig Fuß zu fassen. Á.s Sohn, Levente, führte den Feldzug. Er nahm vom Norden her mit den sich vom Süden her auf die Bulgaren stürzenden Byzantinern Zar Simeon in die Zange. Er siegte und eroberte die bulgarische Hauptstadt. Da schloß Simeon mit Byzanz einen Sonderfrieden, überraschte und schlug Leventes Heer, während er die Petschenegen auf die in Etelköz sitzenden Ungarn hetzte. Der Widerstand der Ungarn brach zusammen: Á. sah sich gezwungen, in Richtung des Donaubeckens auszuweichen. Er ritt mit dem Gros von Volk und Heer nach dem Westen und gewann das Donaubecken durch den Paß von Verecke. Andere Volksteile drangen durch die siebenbürgischen Pässe in die zukünftige Heimat ein. Den Rest führte Levente durch das Eiserne Tor in die Tiefebene.
Á. unterjochte, vom Nordosten her gegen Süden vordringend, die spärliche slawische und bulgarische Bevölkerung der sog. solitudines Avarorum und sicherte seine Eroberung in der gegen die Bulgaren gewonnenen Schlacht von Alpár. Damit fiel ihm der Osten des Landes, mit ihm die siebenbürgischen Salzminen, die früher im bulgarischen Besitz waren, zu. Andere Verbände drangen am Nordrand der Tiefebene nach dem Westen und erreichten dort die mährische Grenze. Die von Siebenbürgen aus sich nähernden Verbände gewannen durch das Tal der Mieresch die Tiefebene, die Theiß und endlich die Linie der mittleren Donau (896). Zwei Jahre später folgte das gemeinsame deutsch-ungarische Unternehmen gegen das Mährische Reich, das zerschlagen wurde. 899 siegten die Ungarn in Norditalien (bei der Brenta) und zerstörten, von dort zurückkehrend, das pannonische Herzogtum des Slawenfürsten Braslaw. 900 wurde die Eroberung Pannoniens vollendet. 901 und 907 griffen die Bayern erfolglos an. Inzwischen wurde das Land planmäßig, nach Stämmen und Sippen, besiedelt und organisiert.
Á. wurde unweit der römischen Ruinen von Aquincum, in der Mitte des von ihm gewonnenen und begründeten Reiches beigesetzt. Sein heiliggesprochener Ur-Urenkel, König Stephan ließ eine Kirche über die Gebeine seines Ahnherrn erbauen.

Literatur

Németh, Gyula: A honfoglaló magyarság kialakulása. Budapest 1930.
Ferdinandy, Mihály: As istenkeresők. Az Árpádház története. Budapest 1942.
Ligeti, Lajos (Hrsg.): A magyarság őstörténete. Budapest 1943.
Győrjfy, György: Krónikáink és a magyar őstörténet. Budapest 1948.
Vernadsky, George u. Michael de Ferdinandy: Studien zur ungarischen Frühgeschichte. München 1957 = Südosteuropäische Arbeiten. 47.
Győrffy, György: Tanulmányok a magyar állam eredetéről. A nemzetségtől a vármegyéig, a törzstől az országig. Kurszán és Kurszán vára. Budapest 1959. = A Magyar Néprajzi Társaság könyvtára.
Ferdinandy, Michael de: Clariores genere. In: En torno al pensar histórico. Bd 2. Rio Piedras 1961.

Verfasser

Miguel de Ferdinandy (GND: 118686771)


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