Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Asparuch

Asparuch, protobulgarischer Chan, Begründer des Ersten Bulgarischen Reiches, * um 640, † 701.

Leben

Die Proto- oder Urbulgaren, die ethnisch den Turkvölkern zuzurechnen sind, wanderten im 2. Jh. aus Innerasien westwärts nach Europa und siedelten sich in den Gebieten zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer an. Ihre bedeutendste Leistung war die Errichtung eines „Großbulgariens“ nördlich des Schwarzen Meeres, das nach dem Tode des gemeinsamen Anführers der einzelnen Stämme, Kubrat (um 640) aus dem Geschlecht Dulo, unter seine fünf Söhne aufgeteilt wurde. Einer von ihnen, A., wich mit seinen Reiterhorden den Chasaren nach Westen in das südliche Bessarabien aus, drang von hier ins benachbarte byzantinische Reich ein und plünderte weite Gegenden.
In den siebziger Jahren des 7. Jh.s überschritten diese Bulgaren endgültig die Donau nach Süden und ließen sich in den nördlichen Gebieten des Balkangebirges nieder, wo slawische Stämme unter byzantinischer Oberherrschaft siedelten. Der byzantinische Kaiser Konstantin IV. unternahm im Jahre 680 einen Feldzug gegen die Eindringlinge, der jedoch mit einem Mißerfolg endete. A. nützte seinen Sieg und schloß 681 mit dem Kaiser einen Friedensvertrag, der den Status quo anerkannte und die Byzantiner zu einer jährlichen Tributzahlung verpflichtete. Der Vertragsabschluß zwischen Bulgaren und Byzantinern gilt als der Beginn der balkan-bulgarischen Geschichte bzw. des bulgarisch-slawischen Staates, der im Norden an die Donau, im Osten ans Schwarze Meer, im Süden an das Balkangebirge und im Westen an den Iskŭr grenzte und dessen staatlicher Mittelpunkt Pliska wurde.
Die Beziehungen zwischen den eingedrungenen türkischen Protobulgaren und den bereits seßhaften slawischen Stämmen sind infolge der spärlichen Quellen und ihrer strittigen Interpretation nicht endgültig geklärt. Sicher scheint, daß die zahlenmäßig weit unterlegenen Protobulgaren den Slawen eine staatliche Organisation gaben, während die Slawen zum Kulturträger wurden. Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte verschmolzen die beiden verschiedenen ethnischen Gruppen miteinander, d. h. die Bulgaren gingen in der slawischen Mehrheit auf. Außer der Volksbezeichnung „Bulgaren“ blieben keine gesicherten protobulgarischen Sprachreste in der modernen bulgarischen Sprache zurück.

Literatur

Trifonov, Jurdan: Izvestieto na sirijskija prezviter Konstantin za Isperichova pobeda nad vizantijcite. In: Izv. ist. Druž. 11-12 (1932) 199-215.
Dujčev, Ivan: Protobulgares et Slaves. In: Annales de l’Institut Kondakov 10 (1938) 145-154.
Deržavin, Nikolaj S.: Proizchod na bŭlgarite i obrazuvane na pŭrvata bŭlgarska dŭržava. In: Ist. Pregled 1 (1945) 1, 6-33. Burmov, Aleksandŭr K.: Sŭzdavane na bŭlgarskata dŭržava. In: Ist. Pregled 8 (1951/2) 1, 90-99.
Cankova-Petkova, Genoveva: Beležki kŭm načalnija period o istorijata na bŭlgarskata dŭržava. In: Izv. Inst. bŭlg. Ist. 5 (1954) 319-349.
Vojnov, Michail: Za pŭrvija dopir na Asparuchovite bŭlgari sŭs slavjanite. In: Izv. Inst. bŭlg. Ist. 6 (1956) 453-480.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

GND: 11865070X


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   

Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Asparuch, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 106 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=487, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526