Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Andreas I.

Andreas I. (András, Endre), König von Ungarn 1046-1060, * um 1014, † Zirc im Dezember 1060, Sohn des Vazul (Vászoly), eines Neffen von Stephan I.

Leben

A. wurde, nachdem der Vater durch Blendung zur Thronfolge „unfähig“ gemacht wurde, wohl um die Nachfolge Peter Orseolos zu sichern, von Stephan I. des Landes verbannt. Über Böhmen und Polen kam er nach Kiew, wo er Anastasija, die Tochter des Großfürsten Jaroslaw, heiratete. 1046 kehrte er mit seinem Bruder Levente an der Spitze russischer Hilfstruppen heim und wurde am Fuße der Karpaten von einer Menge aufständischer Magyaren (wohl deklassierter Gemeinfreien), unter der Führung eines Vata, als Befreier empfangen. Die Prinzen mußten, um sich die Willigkeit der Aufständischen, gegen Peter zu kämpfen, zu sichern, zustimmen, daß sie zum „alten Glauben“ zurückkehrten. Der Heidenaufstand wandte sich gegen alle „neuen“ Einrichtungen, die vielleicht auch als Zeichen „fremder“ Herrschaft angesehen wurden: Klöster, Kirchen wurden geplündert, Ritter und Geistliche ermordet, auch Bischof Gerhard von Csanád, einer der Begründer der ungarischen Kirche, fiel ihnen zum Opfer. Nach dem Sieg über Peter (etwa Oktober 1046) wandte sich A. gegen die heidnische Restauration (vgl. sein fragmentarisches Dekret im Corpus Iuris Hungarici, Bd 1) und nahm das Stephansche Organisationswerk, den Kirchen- und Herrschaftsausbau, wieder auf. Um 1047 rief er seinen Bruder Béla (den späteren König Béla I.) aus Polen heim und teilte mit ihm, offenbar slawischen Vorbildern folgend, das Land: der Norden und Osten wurden zum Herzogtum. Als Kaiser Heinrich III. die Lehensabhängigkeit Ungarns wiederherzustellen versuchte, wurde das kaiserliche Heer 1051 und 1052 von den Ungarn unter der Führung Bélas wiederholt geschlagen. 1053 wurde Friede geschlossen, dem dann die Vermählung des Königssohnes Salomon mit der Kaisertochter Judith folgte. Beim Wiederaufbau der christlichen Königsherrschaft pflegte A. sowohl östliche wie westliche Kontakte. Seine Klostergründung in Tihany am Plattensee (dessen Gründungsurkunde vom Jahre 1055 die ältesten magyarischen Sprachdenkmäler enthält) dürfte Verbindungen zur cluniacensischen und lothringischen Reform aufgenommen haben: Abt Hugo von Cluny besuchte Ungarn als päpstlicher Legat, in der Hierarchie findet man Geistliche aus dem Bistum Lüttich. Die letzten Regierungsjahre waren vom Bruderzwist überschattet: um den Thron dem Sohne zu sichern, widersetzte sich A. dem in Ungarn anerkannten Senioratsprinzip, dem Nachfolgerecht Bélas. 1060 wurde das königliche Heer und dessen deutsch-tschechische Hilfstruppen von Béla geschlagen; der gefangengenommene König starb auf einer „curtis“ im Bakonywalde und wurde im Kloster Tihany begraben.

Literatur

Kümmel, Emil Friedrich: Die zwei letzten Heereszüge Kaiser Heinrichs III. nach Ungarn. (1051-1052.) Gymn. Progr. Straßnitz 1877-1879.
Schuster, Friedrich: Ungarns Beziehungen zu Deutschland 1056-1108. Gymn. Progr. Hermannstadt 1899.
Váczy, Peter: Die erste Epoche des ungarischen Königtums. Pécs 1935.
Lederer, Emma: La structure de la société hongroise du début du moyen-âge. In: Etudes historiques. Bd 1. Budapest 1960, 195-217.
Komjáthy, Miklós: Quelques problèmes concernant la charte de fondation de l'abbaye de Tihany. Ebd., 219-252.

Verfasser

János M. Bak (GND: 12185485X)


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