Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ali Pascha, Tepedelenli

Ali Pascha, Tepedelenli, Pascha von Janina, * Tepelena (Südalbanien), wahrscheinlich 1744, † Janina 5.02.1822.

Leben

Die Familie stammte der Überlieferung nach von einem Derwisch ab, der von Kütahya in die europäische Türkei eingewandert war. Sein Großvater und Vater hatten in Tepelena ihre Herrschaft etabliert; sein Vater Veli Bey wurde aber vom Adel des Ortes von dort vertrieben und starb, als A. noch ein Kind war.
A. machte sich frühzeitig als Bandenführer einen Namen; 1784 gelang es ihm, sich der Stadt Delvina zu bemächtigen. Die Pforte, die dieses Unternehmen gebilligt hatte, da Selim Pascha von Delvina Beziehungen zu den Venezianern unterhielt, ernannte ihn zum Gouverneur von Delvina und verlieh ihm den Titel miri-i miran. 1785 wurde er zum Gouverneur von Trikala (Thessalien) bestellt und mit der Sicherung der thessalisch-epirotischen Gebirgspässe betraut. Durch seine Teilnahme am Feldzug gegen Österreicher und Russen 1787 konnte er sich das Wohlwollen der Pforte sichern, was ihm zustatten kam, als er sich 1788 in den Besitz von Janina setzte. Die Pforte billigte nachträglich dieses Vorgehen und bestätigte ihn als Statthalter von Janina. Die Schwäche der osmanischen Zentralgewalt und die Rivalitäten der lokalen Machthaber geschickt ausnützend, bemächtigte er sich in der Folgezeit, bald mit List, bald mit Gewalt, ganz Südalbaniens und eines großen Teils von Griechenland. 1811, im Höhepunkt seiner Macht, beherrschten er und seine Söhne neben dem Sandschak von Janina die Bezirke Trikala (1803), Valona (1810), Gjirokastra, Tirana, Peqini, Ohrid und Elbasan (1811) - ein Gebiet mit einer Einwohnerzahl von etwa 1,5 Millionen. Erbitterten Widerstand leisteten seinem Vorgehen lediglich Himarioten und Sulioten, Bergstämme im südalbanischen Küstengebiet, die er erst nach jahrelangen Kämpfen 1798 bzw. 1804 unterwerfen konnte.
A. herrschte in diesem Gebiet wie ein halbautonomer Fürst. Er verfügte über eine eigene Armee und eine kleine Flotte und unterhielt Beziehungen zu auswärtigen Mächten: Bereits 1789 hatte er Verbindung zu den Russen aufgenommen; Franzosen und Engländer waren in Janina durch eigene Konsuln vertreten. Sein Endziel scheint die Errichtung einer selbständigen Herrschaft in Albanien und Epirus gewesen zu sein. Seine Beziehungen zur Pforte waren immer gespannt, jedoch gelang es ihm bis 1820 immer wieder, einen endgültigen Bruch zu vermeiden. 1820 wurde er von Mahmud II. aller seiner Posten enthoben und ihm befohlen, sich mit seiner Familie nach Tepelena zu begeben. Als gegen ihn Truppen unter dem Kommando von Kurşid Ahmed Pascha zusammengezogen wurden und eine türkische Flotte an der albanischen Küste erschien, schloß er ein Bündnis mit den aufständischen Griechen und suchte Revolten auf den ägäischen Inseln zu entfachen. Zwei Jahre lang gelang es ihm, sich im belagerten Janina zu halten. Ende Januar 1822 zur Kapitulation gezwungen, zog er sich in ein Kloster auf einer Insel im See von Janina zurück, wo er im Februar 1822 ermordet wurde. Auch seine Söhne nahmen wenig später ein gewaltsames Ende.
A. war trotz aller Grausamkeiten, die er den aufrührerischen christlichen Bergstämmen der Sulioten und Himarioten zufügte, ein den Christen nicht feindlich gesinnter und europäischem Denken aufgeschlossener Mann, der sich an seinem Hof mit europäischen Offizieren, griechischen Ärzten, Dichtern und Derwischen umgab. Für die Anfänge der griechischen Erhebung war sein Kampf gegen die Pforte von außerordentlicher Bedeutung.

Literatur

Ibrahim Manzour Efendi: Ali Pascha, Tyrann von Albanien. Erinnerungen an seine Regierung. Stuttgart, o. J.
Pouqueville, F. C. H. L.: Voyage en Morée, a Constantinople, en Albanie, et dans plusieurs autres parties de l'empire othoman, pendant les années 1798, 1799, 1800 et 1801. 3 Bde. Paris 1805.
Leake, William M.: Travels in northern Greece. London 1835.
Remérand, Gabriel: Ali de Tébélen, pacha de Janina (1744-1822). Paris 1928.
Arš, Grigorij L’vovič: Albanija i Epir v konce XVIII - načale XIX v. Moskau 1963 (mit Bibliographie).

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)


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