Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Alexander Leopold

Alexander Leopold, Erzherzog, Palatin von Ungarn, * Florenz 14.08.1772, † Laxenburg bei Wien 12.07.1795.

Leben

Kaiser Leopold II. ließ seinen vierten Sohn A. achtzehnjährig vom ungarischen Reichstag zum Palatin wählen (12.11.1790). Auf diese Weise wurde die Forderung der Stände Ungarns nach Besetzung des unter Maria Theresia vakant gebliebenen Amtes des höchsten Würdenträgers des Königreiches erfüllt. A., der in Florenz eine hervorragende Ausbildung erhalten hatte und gründlich für künftige staatswichtige Aufgaben vorbereitet worden war, erwies sich nach dem Zeugnis des aktenmäßigen Niederschlags seiner Amtsführung als überdurchschnittlich begabter und fleißiger Administrator. Er entwickelte zunehmend Verständnis für die Bedürfnisse, Wünsche und Empfindlichkeiten des ständischen Ungarns. Als Palatin war A. kein Statthalter, sondern gewählter oberster Wortführer des Königreichs, und er nahm sein Amt ernst. Auch wenn er sich stets der überlegenen Autorität des Vaters beugte, war er bemüht, den von ihm für berechtigt gehaltenen Verlangen oder Einwänden der ungarischen Stellen Gehör in Wien zu verschaffen.
Nach dem Tod Leopolds II. änderten sich die Beziehungen A.s zu Wien insofern, als nunmehr er dank seiner weitaus höheren Intelligenz und Entschlußbereitschaft im Verkehr mit Franz II. den Ton angab. In seinem Verhältnis zu Ungarn erlebte A. ein Damaskus, als das mit dem Namen des Mönches Ignácz Martinovics verknüpfte sogenannte ungarische Jakobinerkomplott aufgedeckt wurde. Nun fühlte er sich betrogen, in seinem Vertrauen zu Ungarn getäuscht. Der Scharfsinn, die gewaltige Arbeitskraft und die organisatorischen Talente A.s wurden jetzt in den Dienst der „Ausrottung des Übels“ gestellt. Hinter den Kulissen lenkte der Palatin die umfangreichen Ermittlungen und die Prozeßführung in der mit kalter Zielstrebigkeit verfolgten Absicht, grausam abschreckende Exempel zu statuieren, wobei er allerdings gegenüber der Flut der Konfidentenberichte und auch den an Größenwahn grenzenden falschen Selbstbezichtigungen Martinovics’ Skepsis und kritische Besonnenheit bewahrte und keinen Verdächtigen verurteilt wissen wollte, dessen Schuld in seinen Augen nicht zweifelsfrei erwiesen war. Im Schriftwechsel mit Franz II. entwarf A. in diesen Monaten ein antirevolutionäres Konzept, das dem Kaiser zum richtungsweisenden Programm für seine weitere Regierungszeit geworden zu sein scheint.
Bei einem Besuch in Laxenburg nach Abschluß der Jakobinerprozesse bereitete Alexander, der gleich seinem Vater eine besondere Vorliebe für chemische Experimente hatte, Feuerwerkskörper für ein Fest vor. Beim Hantieren mit dem explosiven Material verunglückte er wenige Wochen vor Vollendung seines 23. Lebensjahres tödlich.

Literatur

Wolfsgruber, Coelestin: Franz I., Kaiser von Österreich. Bd 1. Wien 1899.
Sándor Lipót főherceg nádor iratai. Hrsg. Elemér Mályusz. Budapest 1926.
Benda, Kálmán: A magyar jakobinusok iratai. Bd 3. Budapest 1952.

Verfasser

Denis Silagi (GND: 1032871083)


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