Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vladimir (Bulgarien)

Vladimir, bulgarischer Fürst 889-893, ältester Sohn des Fürsten Boris I.

Leben

Nach über dreißigjähriger Herrschaft überließ Boris 889 seinem ältesten Sohn V. die Regierung und begab sich in ein Kloster. Bald war jedoch zu erkennen, daß das in langen Jahren von Boris aufgebaute junge Staatswesen in ernste Gefahr geriet, durch V. wieder erschüttert zu werden. Der deutsche Chronist Regino berichtet in seinen Aufzeichnungen, daß V. lieber Jagden nachging, seine Zeit bei Gelagen und mit Ausschweifungen verbrachte und mit allen Mitteln versuchte, das kürzlich getaufte Volk zu den heidnischen Gebräuchen zurückzuführen. V. sah sich dabei von einer Anzahl von Boljaren unterstützt, die unzufrieden und Boris feindlich gesinnt waren.
Die Beziehungen zum Fränkischen Reich, die seit 870 unterbrochen waren, wurden unter V. wieder aufgenommen. Der deutsche Kaiser Arnulf von Kärnten (896-899) suchte eine Annäherung an die Bulgaren, weil er sich mit dem Großmährischen Reich in Auseinandersetzungen befand. Im September 892 kamen Gesandte nach Bulgarien, um - wie es in den Annales Fuldenses heißt - den alten Frieden zu erneuern, der zwischen Boris und Ludwig dem Deutschen geschlossen worden war, und V. zu bitten, die Ausfuhr von Salz aus Bulgarien nach Mähren nicht mehr zu erlauben. Die Gesandten kehrten im Mai 893 mit Geschenken zu Arnulf zurück, dessen Wünsche anscheinend erfüllt wurden. Als V. noch begann, die neuen Vertreter der bulgarischen Kirche zu verfolgen, sah sich Boris endgültig gezwungen, einzugreifen. Wiederum ist es Regino, der ausführlich schildert, wie Boris sein Mönchsgewand ablegte, Boljaren um sich sammelte und V. verfolgte. Er ließ ihn zur Strafe blenden und ins Gefängnis werfen. Boris berief 893 eine große Versammlung der Vertreter des Volkes nach Preslav ein, auf der er formell V. von der Herrschaft entband und seinen jüngeren Sohn Simeon zum bulgarischen Fürsten ausrief. Die Bedeutung der weitreichenden Entscheidung dokumentierte sich auch darin, daß die Volksversammlung nicht im alten, heidnischen Pliska stattfand, sondern im neuerbauten Preslav. Der Versuch V.s, die Christianisierung rückgängig zu machen und damit auch den Einfluß der slawischen Bewohner des Reiches einzudämmen, war fehlgeschlagen.

Literatur

Zlatarski: Bd I/1, 243-254.
Trifonov, Jurdan: Dostoveren li e razkazŭt za oslepjavaneto na Borisovija sin Vladimir. In: Učilišten pregled 26 (1927) 5/6, 864-890.
Mutafčiev, Petŭr: Istorija na bŭlgarskija narod. Bd 1. Sofija 1943(2), 264-266.
Latinski izvori za bŭlgarskata istorija. Fontes latini historiae Bulgaricae. Hrsg. Ivan Dujčev. Bd 2. Sofija 1960.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

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Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Vladimir (Bulgarien), in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 423 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1850, abgerufen am: (Abrufdatum)

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