Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Tuka, Vojtech

Tuka, Vojtech, slowakischer Politiker, * Piarg (Komitat Hont, heute Stiavnické Bane, Slowakei) 4.07.1880, † (hingerichtet) Preßburg (Bratislava) 20.08.1946.

Leben

T.s Vater war Lehrer in Piarg, ab 1882 Hauptlehrer in Schemnitz (Banská Stiavnica), wo der junge T. die Volksschule wie auch das untere Gymnasium besuchte. Das Abitur erreichte er am oberen Gymnasium in Lewentz (Levice). Anschließend studierte er Rechtsund Staatswissenschaften in Berlin, Paris und Budapest, wo er 1901 promovierte. Im Staatsdienst setzte er dann sein Studium fort, und 1907 bekam er einen Lehrauftrag in Fünfkirchen (Pecs). Vier Jahre später habilitierte sich T. in Budapest mit der Abhandlung ,,A szabadság. Politikai tanulmány“ (Die Freiheit. Politische Studie, Fünfkirchen 1910). Im Jahre 1914 bekam er die Berufung auf den Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Völkerrecht der Universität zu Preßburg, den er bis zu deren Auflösung 1921 innehatte. Seinen Antrag, auf die neue tschechische Komenius-Universität in Preßburg übernommen zu werden, lehnte die Prager Regierung ab, da sich T. bereits damals öffentlich für die Autonomie der Slowakei innerhalb des tschechisch-slowakischen Staates eingesetzt hatte. Im selben Jahr veröffentlichte er im Auftrag Andrej Hlinkas einen Gesetzesentwurf über die Autonomie der Slowakei (Návrh zákona o autonomii Slovenska, Rosenberg 1921). Hlinka ernannte ihn auch zum Chefredakteur seiner Tageszeitung „Slovak“. 1922 wurde T. Parteisekretär und 1923 stellvertretender Vorsitzender der „Slowakischen Volkspartei“ (Hlinkova Slovenska L’udová Strana - HSL’S). Er entwickelte eine gewaltige innen- und außenpolitische Aktion für die Autonomie der Slowakei. In den Jahren 1923 bis 1926 gab er in Wien die „Correspondence slovaque“ heraus. Er hatte gute Verbindungen zur Budapester Regierung und nahm Fühlung mit konservativen bis rechtsradikalen Kreisen in Wien, Paris, Genf und Rom auf. Innerhalb der Volkspartei gründete T. eine bewaffnete ,Rodobrana‘ (Stammwehr), für die er die Richtlinien in seinem „Rodobranecky katechizmus“ (Stammwehr-Katechismus) bestimmte. Am 1. Januar 1928 veröffentlichte er im „Slovak“ einen Artikel, „Vacuum juris“, worin er auf Grund einer Geheimklausel der „Martiner Deklaration“ vom 30. Oktober 1918, bei Nichtverwirklichung der Autonomie innerhalb der damals festgelegten Frist von zehn Jahren, das Auftreten eines rechtlosen Zustandes im Lande behauptete. Wegen Hochverrats angeklagt, wurde er am 15. Oktober 1929 zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Nach der Autonomie-Erklärung der Slowakei (6.10. 1938) kehrte T. als Nationalmärtyrer in die slowakische Politik zurück. Er wurde am 14. März 1939 stellvertretender Ministerpräsident, am 29. Oktober 1939 Ministerpräsident und am 29. Juli 1940 auch Außenminister der Slowakischen Republik. Am 14. Januar 1940 zum ersten Rektor der Slowakischen Universität in Preßburg gewählt, veröffentlichte T. sein Hauptwerk, „Die Rechtssysteme. Grundriß einer Rechtsphilosophie“ (Berlin, Wien 1941). Er wurde zum Vertreter und Führer der rechtsradikalen pronazistischen Minderheit in der Slowakei. Gesundheitlich gebrochen zog er sich am 5. September 1944 aus dem öffentlichen Leben zurück. Nach der Neuerrichtung der Tschechoslowakischen Republik wurde er verhaftet, vom „Volksgericht“ zum Tode verurteilt und am 20. August 1946 hingerichtet.

Literatur

Jehlička, Fr[antišek]: Une étape du calvaire slovaque: Le procès Tuka. Paris 1930.
Smida, Josef: The Tuka Trial. Original Trial Reports. Bratislava 1930.
Bor, Ján E[rnest] (d. i. Žatko, Ernest): Vojtech Tuka. Úvod do života a diela. Turčiansky Svätý Martin 1940.
Ders.: Pomotané vlákna. Trnava 1942.
Sidor, Karol: Slovenská politika na pôde pražského snemu 1918-1939. Bratislava 1943, Cambridge, Ont. 1975(2).
Kramer, Juraj: Iredenta a separatizmus v slovenske) politike 1919-1938. Štúdia o ich vzt'ahu. Bratislava 1957.
Ders.: Slovenské autonomistické hnutie v rokoch 1918-1929. Bratislava 1962.
Hoensch, Jörg K[onrad]: Die Slowakei und Hitlers Ostpolitik. Hlinkas Slowakische Volkspartei zwischen Autonomie und Separation 1938/39. Köln, Graz 1965.


Treffer 
 von 1526