Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Trefort, Ágoston

Trefort, Ágoston (Augustin), ungarischer Politiker und Publizist, * Homonna (Komitat Zemplin) 6.02.1817, † Budapest 27.08.1888.

Leben

T. entstammte einer bürgerlichen Familie. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften ging er auf längere Reisen durch Länder Westeuropas und durch Rußland. Solche Reisen nahmen ganz allgemein im Zeitalter der Reformen bedeutenden Einfluß auf die Denkweise der ungarischen Jugend und hatten auch auf T. eine entscheidende Wirkung ausgeübt: am Beispiel der westeuropäischen Länder wurde deutlich erkennbar, daß in Ungarn einmal die Auflösung der feudalen Bindungen dringend notwendig war, zum anderen eine Entwicklung zum Bürgertum stattfinden mußte. Die in Rußland gesammelten Erfahrungen zeigten, welch stark konservierende Wirkung von der gesellschaftlich-bürokratischen Unterdrückung durch das Zarentum ausging. In seinen volkswirtschaftlichen Studien behandelte T. Themen wie das ungarische Bankwesen, die Schlüsselfrage einer freien Entwicklung des Bauerntums, die Grundablösung, die Schwierigkeiten bei der Umwandlung vom Adelswesen zum Bürgertum, die Avitizität oder die moderne Stadtpolitik. Seiner sozial-politischen Konzeption entsprechend - welche durch die Schriften István Széchenyis angeregt wurde - sollte eine bürgerliche Entwicklung in Ungarn innerhalb des habsburgischen Reiches verwirklicht werden, wobei die einzelnen Länder österreichs sogar als Vorbild einer bereits vollzogenen Entwicklung zum Bürgertum dienen sollten. T. wurde Mitglied der Gruppe ungarischer Zentralisten. Durch die Gemeinsamkeit ihrer politischen Anschauungen eng verbunden, gewann er ein gutes persönliches Verhältnis zu József Eötvös, László Szalay, Móricz Lukács und Zsigmond Kemény. Nach Ausbruch der bürgerlichen Revolution und des Freiheitskampfes wurde er im April 1848 bei der Bildung des ersten verantwortlichen Ministeriums zum Staatssekretär für Landwirtschafts- und Handelsfragen ernannt. Ebenso wie die Zentralisten versuchte auch T., die Forderungen, mit denen ein gesellschaftlicher Wandel und die Abschaffung einer politischen Willkürherrschaft erreicht werden sollten, nicht mit jenen Kämpfen zu verknüpfen, die gegen die habsburgische Macht gerichtet waren. Er emigrierte daher am 28. September 1848 zusammen mit seinem Schwager József Eötvös nach Wien, später nach München. 1850 kam er wieder nach Ungarn und lebte zurückgezogen auf seinem Gut im Komitat Békes. In diesem Komitat wurde er 1861 Vizegespan und Landtagsabgeordneter. Als Mitglied des Lagers, das sich für einen Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn aussprach (Partei Dedks), setzte er sich aktiv für die Bemühungen dieser Gruppe eine. Er beschäftigte sich mit der Gründung bzw. Ausführung wirtschaftlicher und gewerblicher Einrichtungen (dem Ausbau der Bahnlinie durch die ungarische Tiefebene bis zum Meer, der Gründung wirtschaftlicher Vereinigungen in den Komitaten usw.). 1863 wurde er Mitarbeiter des von Eötvös herausgegebenen politischen Wochenblattes „Politikai Hetilap“.
Nach dem Tode von Eötvös (1871) übernahm er am 4. September 1872 dessen freigewordenen Posten als Unterrichtsminister, den er 16 Jahre lang beibehielt. In diese Wirkenszeit fällt die Schaffung eines modernen ungarischen Unterrichtswesens. Während dieser Periode entstand auch die Technische Hochschule, hervorgegangen aus dem Polytechnikum in Pest, in Klausenburg wurde die zweite Universität des Landes errichtet, neue Lehrstühle und Fakultäten entstanden (medizinische und naturwissenschaftliche Fakultät), die Musikakademie und das Bildungsinstitut für Rabbiner wurden gegründet. Bei seinem Wirken im Ministeramt zeichnete sich T. in erster Linie durch seinen außergewöhnlichen Sinn für die Lösung und Durchführung praktischer Aufgaben aus. Mit seinem Namen verbindet sich die Schaffung des 1883 erlassenen Mittelschul-Gesetzes, mit welchem das staatliche Aufsichts- und Kontrollrecht in Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten gesichert wurde. Ein umfangreiches Programm bedeutete der Ausbau der Volksschulen.
1841 wurde T. Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, 1885 ernannte man ihn zum Präsidenten dieser Akademie.
Zu T.s wichtigeren Werken gehören seine „Emlékbeszédek és tanulmänyok“ (Gedenkreden und Studien, 1881), „Kisebb dolgozatok az irodalom, közgasdasäg és politika köreböl” (Kleinere Aufsätze aus dem Gebiet der Literatur, Volkwirtschaft und Politik, 1882), „Reden und Studien“ (1882), „Essais und Denkreden“ (1883), „Ujabb emlékbeszédek és tanulmänyok“ (Neuere Gedenkreden und Studien, 1887) und „Beszédek és levelek“ (Reden und Briefe, 1888).

Literatur

Falk, Miksa: Trefort Ágoston. Budapest 1888.
Keleti, Károly: Emlékbeszed ... In: Magyar Tudományos Akadémiai Évkönyv 17 (1889).
Szalay, Imre: Visszaemlékezés Trefort Ágostonra. In: Budapesti Szle 138 (1909) 26-38, 182-209.
Berzeviczy, Albert: Trefort Ágoston emlékezete. Budapest 1917.
Halász, Gábor: Trefort Ágoston. In: Nyugat 1 (1939) 307-311.
Mann, Miklós: Trefort Ágoston a reformkorban. In: Századok 108 (1974) 1110-1141.
Ders.: Trefort Ágoston élete és működése. (Diss. Mskr.). Budapest 1975.

Verfasser

Ferenc Glatz (GND: 170576051)

GND: 117408603


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Empfohlene Zitierweise: Ferenc Glatz, Trefort, Ágoston, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 344-346 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1800, abgerufen am: (Abrufdatum)

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