Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Tomislav [Kroatien]

Tomislav, letzter Fürst (dux) und erster König der Kroaten (rex Chroatorum) 910 - um 928, Nachfolger und Sohn (?) des Fürsten Mutimir, aus der Dynastie der Trpimirovići.

Leben

Sofort nach seinem Regierungsantritt wandte sich T. erfolgreich gegen die erst 895 nach Pannonisch-Kroatien vorgedrungenen Ungarn und erweiterte seinen Machtbereich bis zur Drau. Danach mußte sich T. mit der Expansion der Bulgaren unter ihrem Zaren Simeon auseinandersetzen. Als sich der byzantinische Kaiser Romanos 1. Lakapenos an Papst Johannes X. um Hilfe gegen die Bulgaren wandte, vermittelte der Papst auch ein Bündnis zwischen Byzanz und T. gegen Zar Simeon. Byzanz überließ daraufhin T. die Verwaltung der byzantinisch-dalmatinischen Städte und Inseln und zeichnete ihn mit dem Titel „Patri- zius“ aus, während der Patriarch von Konstantinopel Nikolaos I. Mystikos gleichzeitig auf die von ihm ausgeübte Jurisdiktion über die dalmatinischen Städte und Inseln verzichtete und diese auf den Papst übertrug (923). Im weiteren Verlauf des Siegeszuges der Bulgaren auf dem Balkan besetzte Simeon 924 Serbien, dessen Fürst Zaharija Pribislav nach Kroatien floh.
T. entwickelte damals eine ungewöhnlich starke Streitmacht, von der auch der byzantinische Kaiser Konstantinos VII. Porphyrogennetos in seinem Werk „De administrando imperio“ berichtet. Vermutlich zu jener Zeit, um 925, erklärte sich T. zum „Rex Chroatorum“, was auch der Papst nachträglich anerkannte. Von wem jedoch und wo (Feld von Duvno ?) er gekrönt wurde, ist nicht bekannt. 925 und 928 fand in Split eine Kirchensynode statt, die beschloß, das Erzbistum Split zur Metropolie ganz Kroatiens (als Erbe von Salona) zu erklären und ihr die dalmatinischen Bistümer zu unterstellen, somit also auch das erst 864 gegründete kroatische Bistum Nin (mit altslawischer Sprache beim Gottesdienst) aufzulösen. Diesen Beschlüssen widersetzte sich energisch der Bischof von Nin, Grgur, womit der spätere Kirchenstreit im Königreich Kroatien bis zum Ende der Nationaldynastie (1102) eingeleitet wurde. 926 gelang es T. noch einmal, die Bulgaren unter Simeons Feldherrn Alogobotur zu schlagen. Unter ihm hatte das mittelalterliche Kroatien den Höhepunkt seiner Macht erreicht.

Literatur

Zbornik kralja Tomislava u spomen tisućugodišnjice hrvatskoga kraljevstva. Zagreb 1925.

Verfasser

Ernest Bauer (GND: 130584428)

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Empfohlene Zitierweise: Ernest Bauer, Tomislav [Kroatien], in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 339 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1795, abgerufen am: (Abrufdatum)

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