Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Süleyman Pascha

Süleyman Pascha, osmanischer Tradition zufolge zweiter Großwesir, * 1316 (?), † bei Bolayir 1357, ältester Sohn Sultan Orhans und dessen erster Frau Nilüfer, der Tochter des byzantinischen Herrn von Yar Hisar, Vollbruder Sultan Murads I.

Leben

S.s Geburtsjahr ist nicht gesichert, und das Geburtsjahr 716/1316 in Tā’ib ‘Otmānzādes Hadîqat al-wuzarā’ ist nicht bestätigt. Schon bei den kriegerischen Unternehmungen der Osmanen in Kleinasien soll S. seine militärischen Fähigkeiten bewiesen haben, so u.a. bei der Eroberung von Iznik (1331) und Izmit (1337). Auch bei der Besetzung des Fürstentums Karasi im westlichen Kleinasien tat sich S. hervor und bekam von seinem Vater die Statthalterschaft über dieses Gebiet (1338). In den nächsten zwanzig Jahren gestalteten sich die Verhältnisse zwischen Byzanz und den Osmanen friedlich. Erst der Bürgerkrieg in Byzanz und die Rivalität zwischen den Palaiologen und Kantakuzenen, die die Macht von Byzanz ausgehöhlt hatte, ermöglichte es Orhan, seine Eroberungspläne als Verbündeter von Johannes VI. Kantakuzenos wieder aufzunehmen. S. wurde seinen Fähigkeiten entsprechend als militärischer Führer der Unternehmungen eingesetzt. Als Befehlshaber der osmanischen Hilfstruppen zog S. 1349 zum erstenmal nach Thrakien, um mit Johannes VI. gegen die Zeloten in Saloniki bzw. gegen die Serben zu kämpfen. Nach der Befreiung Salonikis 1350 zogen die osmanischen Truppen wieder nach Kleinasien ab. 1352 kam S. wieder an der Spitze eines osmanischen Hilfsheeres nach Thrakien und befreite den in der Festung von Adrianopel von Serben und Bulgaren eingeschlossenen Matthäos Kantakuzenos, indem er die gegnerischen Truppen in die Flucht schlug. In anschließenden Streifzügen soll er bis in das Innere Bulgariens vorgedrungen sein. Für diese Hilfeleistung versprach der byzantinische Kaiser, die Festung Çimpe (Tzympe) auf der europäischen Seite der Dardanellen an die Osmanen abzutreten. Dieser Abmachung gemäß beließ S. auf seinem Rückzug eine Besatzung in der Festung und hatte damit zum erstenmal in Europa festen Fuß gefaßt. Wie sehr die Osmanen und S. nur darauf warteten, ihren Brückenkopf in Europa zu erweitern, bewiesen die Aktionen 1354: ein Erdbeben hatte Thrakien heimgesucht, und die in der Folge aufgetretene Verwirrung und teilweise Beschädigung der Befestigungsanlagen der Siedlungen nutzte S., indem er in kurzer Zeit und handstreichartig die europäischen Küstenstreifen an den Dardanellen und am Marmarameer von Gelibolu (Gallipoli) bis nach Tekirdağ (Rodosto) besetzte. S. ließ die Plätze neu befestigen, und zu deren Absicherung begann er, Türken aus Kleinasien in den eroberten Gebieten anzusiedeln. Trotz dieser auf die Erhaltung der Gebiete zielenden Maßnahmen gelang es Byzanz durch Verhandlungen und Geldablösen, die Osmanen zur Räumung der thrakischen Eroberungen zu bewegen. Bevor sich S. wieder Europa zuwandte, machte er einen Kriegszug in das Innere Kleinasiens und eroberte Ankara (1354).
Im Jahre 1356 setzte S. wieder nach Thrakien über und besetzte - nun endgültig - Çimpe. Unter der Führung der berühmtesten Heerführer der osmanischen Frühzeit wie Evrenoz Bey, Haci Ilbeği, Ece Bey und Gazi Fazıl Bey eroberte das Heer S.s in kurzer Zeit die südlichen Gebiete Thrakiens mit den Städten Keşan, Malgara, Dimetoka, Ipsala und Bolayır. In Bolayır ließ S. eine Moschee und angeblich auch einen Palast erbauen, um dort zu residieren. Zur Absicherung der Eroberungen wurden von S. Türken in größerer Zahl von Kleinasien nach Thrakien umgesiedelt. Die strategischen Voraussetzungen zur Eroberung der restlichen Gebiete Thrakiens und zum Angriff auf die Balkanstaaten hatte S. geschaffen, seine weiteren Pläne und Absichten zu verwirklichen verhinderte sein frühzeitiger Tod. 1357 kam S. bei einem Jagdritt in der Umgebung Bolayırs zum Sturz und starb. Sein Leichnam wurde in Bolayır in der Nähe der von ihm gestifteten Moschee bestattet. S. hatte drei Söhne und zwei Töchter hinterlassen, die politisch nicht hervorgetreten sind. Auf S. zurückzuführende fromme Stiftungen gibt es außer in Bolayır noch in Bursa, Iznik und Gelibolu.

Literatur

Hammer: Bd 1.
Jorga: Bd 1.
Giese, Friedrich: Die altosmanischen anonymen Chroniken. T. 2: Übersetzung. Leipzig 1925.
Wittek, Paul: The Rise of the Ottoman Empire. London 1958.
Kreutel, Richard F.: Vom Hirtenzelt zur Hohen Pforte. Graz, Wien, Köln 1959. = Osmanische Geschichtsschreiber. 3.
Halil Inalcık: The Ottoman Empire. The Classical Age 1300-1600. London 1973.

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Empfohlene Zitierweise: Anton Cornelius Schaendlinger, Süleyman Pascha, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 233-234 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1721, abgerufen am: (Abrufdatum)

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