Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Süleyman II. (III.)
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Süleyman II. (III.)

Süleyman II. (III.), osmanischer Sultan 1687-1691, * Istanbul 15.04.1642, † Edirne 22.06.1691, Sohn Sultan Ibrahims und der Sâliha Dilâşûb.

Leben

Nachdem ein Versuch seiner einflußreichen Großmutter Kösem Sultan im September 1651 gescheitert war, S. statt seines Halbbruders Mehmed IV. auf den Thron zu heben, mußte S. von 1653 bis zu seiner Thronbesteigung am Hofe das Leben eines Gefangenen führen. Nach der türkischen Niederlage am Berge Harsan bei Mohács (12.08.1687) erzwangen die meuternden Truppen im Bunde mit der Ulema die Absetzung des mehr an der Jagd als an den Reichsgeschäften interessierten Mehmed IV.
Sultan S. sah sich zunächst großen innenpolitischen Schwierigkeiten gegenüber, denn Istanbul war bis Anfang März 1688 in der Hand aufrührerischer Truppen, die auch den Großwesir Siyavuş Pascha ermordeten. Erst als die drangsalierte Istanbuler Stadtbevölkerung zur Selbsthilfe griff, konnten die Meuterer geschlagen werden. Die militärische Lage auf dem Balkan stellte sich für die Türken immer ungünstiger dar, zumal die Kriegskasse leer war. Die Venezianer hatten bereits im August 1687 unter Morosini die gesamte Morea sowie Teile Dalmatiens erobert, und Erlau (Eger) ging im Dezember an General Caraffa verloren. Die osmanische Abwehrkraft wurde zudem durch unbotmäßige Heerführer wie Yegen Osman Pascha in Rumelien und Gedik Ahmed Pascha in Anatolien sowie durch eine Meuterei auf Kreta geschwächt. Am 6. September 1688 fiel Stuhlweißenburg, und zwei Tage später nahm Kurfürst Maximilian Emanuel von Bayern Belgrad im Sturm. Inzwischen hatte man Zülfikar Aga und Alexandros Mavrokordatos zu Verhandlungen nach Wien geschickt. Obwohl Kaiser Leopold I. durch den Angriff Ludwigs XIV. am Rhein in einen Zweifrontenkrieg geraten und von einigen Forderungen abgerückt war, blieben die Friedensverhandlungen, die bis zum Frühjahr 1689 dauerten, ohne Erfolg. Im Juni 1689 brach Sultan S. selbst mit dem Heer zu einem Feldzug zur Rückeroberung von Belgrad auf, blieb dann aber in Sofia und übertrug den Oberbefehl Receb Pascha.
Dieser wurde jedoch am 24. September 1689 bei Niš vernichtend geschlagen, und die Truppen des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden näherten sich bereits Üsküb (Skopje), drangen in die Walachei ein und bedrohten Sofia. Angesichts dieser bedrohlichen Lage ernannte S. auf Drängen der Ulema Fazil Mustafa Pascha aus dem Geschlecht der Köprülü, der S. 1687 mit zum Thron verholfen hatte, zum Großwesir. Diesem gelang es, durch energische Maßnahmen und Reformen wieder Ordnung in Armee und Staatsfinanzen zu bringen. Im Jahre 1690 warf er den Feind, unterstützt durch tatarische Truppen, wieder zurück und eroberte Belgrad (08.10.). Sein Versuch, im folgenden Jahr Ungarn zurückzuerobern, endete jedoch mit einer Niederlage.
Durch seine lange Gefangenschaft ohne jede politische Erfahrung, gehörte S. zu den weniger kraftvollen der osmanischen Sultane. Zeitweise erlag er ganz dem Einfluß seiner Umgebung und besonders des Harems.

Literatur

Brunner, O.: Österreich und die Walachei während des Türkenkrieges von 1683-1699. In: Mitt. österr. Inst. Gesch.-Forsch. 44 (1930) 265-323.
Bartl, Peter: Der venezianische Türkenkrieg im Jahre 1690 nach den Briefen des päpstlichen Offiziers Guido Bonaventura. In: Südost-Forsch. 26 (1967) 88-101.
Kütükoglu, Bekir: „Süleyman II.“ In: Islam Ansiklopedisi. Bd 11. Istanbul 1970(2), 155-170.

Verfasser

Klaus Schwarz (GND: 131706578)


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