Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ştefan III. cel Mare

Stefan III. der Große (Ştefan cel Mare), moldauischer Fürst 1457-1504, † Suceava 02.07.1504, Sohn Bogdans II.

Leben

St. bestieg den moldauischen Fürstenthron am 12. April 1457 nach dem Sieg über seinen Vorgänger und Bruder Petru III. Aron bei Doljeşti. Dieser hatte am 15. Oktober 1451 Bogdan II. bei Reuseni ermordet, um den Thron zu usurpieren. St. gelang es nicht, Petrus Flucht nach Polen auf die Festung Hotin am oberen Dnjestr zu verhindern. Bis 1469, dem Zeitpunkt, als er Petru faßte und enthaupten ließ, war seine Politik gegenüber Polen - später Ungarn - wesentlich von dem Wunsch geprägt, den Mord an seinem Vater zu rächen. Zugleich wollte er die Unabhängigkeit der Moldau gegenüber den Nachbarstaaten im Norden und Westen, die Petru Schutz und Unterstützung gewährten, festigen. Die südöstliche Grenze der Moldau sicherte er durch den raschen Ausbau der Festung Akkerman (Cetatea Albă) an der Dnjestrmündung.
Zwischen 1457 und 1458 fiel St. wiederholt in die südlichen Teile Polens ein. Erst der am 4. April 1459 bei Overhelăuţi geschlossene Vertrag, in dem St. Kasimir IV. Jagiello als Lehnsherr anerkannte, schaffte die Voraussetzung für die Versöhnung mit Polen. Petru mußte 1460 Polen verlassen, und St. wandte sich gegen Ungarn, die neue Zufluchtsstätte Petrus.
Am 5. Juni 1461 unternahm St. den ersten Straffeldzug in Siebenbürgen. Am 22. Juni 1462 ließ er die von seinem Vorgänger Petru II. an Johann Hunyadi übergebene Festung Chilia an der unteren Donau belagern. Anfang 1465 eroberte er sie. Matthias I. Corvinus fiel 1467 in die Moldau ein, um den Schikanen St.s ein Ende zu bereiten. Der ungarische König wurde jedoch am 15. Dezember bei Baia vernichtend geschlagen und schwer verwundet.
1470 wandte sich St. der Walachei zu, die sich unter Radu III. dem Schönen (cel Frumos) der Türkei unterworfen hatte und zu einer ständigen Gefahr für die Moldau wurde. Nach wiederholten Einfällen gelang es ihm 1474, Radu zu vertreiben und seinen Schützling Basarab II. Laiotă auf den Thron zu heben. Es dauerte allerdings weniger als ein halbes Jahr, bis sich auch dieser den Türken unterwarf.
Ebenfalls 1474 begann der langjährige, meist erfolgreiche Widerstand gegen die osmanische Expansion in diesem Teil Europas. Anfang 1474 drang ein 120 000 Mann starkes türkisches Heer in die Moldau ein, das aber am 10. Januar von der kleinen und beweglichen Heerschar St.s südlich von Vaslui völlig aufgerieben wurde. Dem moldauischen Fürsten war jedoch bewußt, daß dieser Sieg, der ganz Europa aufhorchen ließ, noch keine Entscheidung bedeutete. Am 12. Juli 1475 schloß er daher einen Lehnsvertrag mit dem von den Türken gleichfalls bedrohten Matthias I. Corvinus. Weniger als ein Jahr später ließ Mehmed II. im Mai 1476 eine Armee von 150 000 Mann in die Moldau eindringen und die südlichen und mittleren Teile verwüsten. Ihm zur Seite stand ein walachischer Heeresverband unter Basarab II. Eine Tataren-Horde, die sich ebenfalls mit den Türken vereinen wollte, wurde von der moldauischen Reiterei noch rechtzeitig abgefangen und zum Rückzug gezwungen. St. erlitt am 26. Juli 1476 eine schmerzliche Niederlage bei Valea Albă-Războieni. Die Türken konnten aber die großen moldauischen Festungen nicht einnehmen. Überraschende, aus dem Hinterhalt geführte Angriffe der Moldauer zwang letztens die von der Pest und vom Hunger geplagten Osmanen zum Rückzug. St. war es erneut gelungen, die türkische Bedrohung für eine Zeitlang abzuwenden.
Der moldauische Fürst nützte die momentane Schwäche der Türken aus, um den Festungsgürtel auszubauen und die dem Lande zugefügten Wunden zu heilen. Er unternahm allerdings wiederholt Feldzüge gegen die Walachei, mit der Absicht, einen Fürsten auf deren Thron zu setzen, der ihm im Kampf gegen das Osmanenreich beistehen würde. Aber auch der von ihm 1481 zum walachischen Fürsten gekürte Vlad IV. der Mönch (Călugărul) ließ ihn bereits nach wenigen Jahren im Stich. Als 1484 Bayezid II. in die Moldau einfiel, kämpfte Vlad an dessen Seite. St. begab sich nach Polen, um bei Kasimir IV. Jagilllo Hilfe zu ersuchen. Mit Unterstützung einer 3000 Mann starken polnischen Reiterschar fügte er dem türkischen Heer bei Cătlăbuga eine schwere Niederlage bei. Auch noch 1486 schlug er eine andere in die Moldau eingedrungene türkische Armee bei Şcheia. 1489 mußte St. allerdings den Frieden mit den Türken schließen und sich zur Zahlung eines Tributs verpflichten, als Polen den mit der Moldau abgeschlossenen Lehnsvertrag brach und in einen Waffenstillstand mit dem Osmanenreich einwilligte. St. lehnte sich stärker an Ungarn an und wandte sich erneut gegen Polen. 1490 ließ er einen Landstreifen in Südpolen durch seine Armee besetzen. Die wiederholten Angriffe des moldauischen Fürsten veranlaßten 1497 Johann I. Albrecht mit einer 100 000 Mann starken Armee in die Moldau einzufallen. Der siebenbürgische Fürst Bartholomäus Drágffy eilte mit einer 12 000 Mann starken Armee zu Hilfe, zog es dann aber vor, zwischen den beiden Gegnern zu vermitteln. Die Polen zeigten sich zwar bereit, sich in ihre Heimat zurückzuziehen, sie hielten sich jedoch nicht an die mit St. getroffene Vereinbarung hinsichtlich des Rückzugswegs und wurden von der moldauischen Armee im Cosminul-Forst schwer geschlagen. Der alte Konflikt zwischen der Moldau und Polen flammte wieder auf. Erst durch Vermittlung des ungarischen Königs Wladislaw II. Jagiello konnte am 12. Juli 1499 der Friede von Hîrlău besiegelt werden. Der alternde moldauische Fürst war sich jedoch bewußt, daß er nicht mehr mit einer wirksamen Unterstützung seitens Polens und Ungarns gegen das osmanische Vordringen rechnen konnte. Drei Jahre vor seinem Tod beugte er sich endgültig dem Osmanenreich. St. hatte einige Jahrzehnte lang der türkischen Expansion, im wesentlichen auf sich selbst gestellt, Widerstand geleistet.
St. hatte unter anderem versucht, durch die Einheirat seiner Kinder in die Dynastien christlicher Mächte Rückhalt in seinem Kampf gegen das Osmanenreich zu gewinnen. Die Verehelichung seiner Tochter Olena mit einem Sohn des Moskauer Großfürsten Ivan III. brachte ihm aber keinerlei Vorteile; und die durch die Verehelichung seines Sohnes Alexandru mit einer Tochter Bartholomäus Drágffys zustande gekommene Verbindung zum siebenbürgischen Fürstenhaus wirkte sich hauptsächlich auf seine Beziehungen zu den christlichen Nachbarn aus. Zwar zollte ihm die christliche Welt vor allem nach seinem Sieg über die Türken bei Vaslui höchste Anerkennung, wobei ihn Sixtus IV. „Athleta Christi“ nannte, den Kampf gegen die immer wieder von neuem einfallenden Osmanen mußte er jedoch fast immer allein durchstehen. Ungeachtet der vielen Schlachten, die größtenteils auf moldauischem Boden ausgetragen wurden, war es ihm gelungen, dem Volke einen bescheidenen Wohlstand zu sichern. Die zahlreichen zumeist nach gewonnenen Kriegen von ihm errichteten Klöster und Kirchen bilden zum Teil Denkmäler von erlesenem architektonischem Geschmack (Putna, Voroneţ, Neamţu usw.). Als St. am 2. Juli 1504 verstarb, trauerte - so versichern die Chronisten - „das gesamte moldauische Volk“, und viele Zehntausende aus allen Teilen des Landes gaben ihm das letzte Geleit.

Literatur

Bogdan, Ioan: Documentele lui Ştefan cel Mare. 2 Bde. Bucureşti 1913.
Ursu, Ion: Ştefan cel Mare. Bucureşti 1925.
Studii cu privire la Ştefan cel Mare. Bucureşti 1956.
Cupşa, Ion: Arta militară a moldovenilor în a doua jumătate a secolului al XV-lea (Ştefan cel Mare). Bucureşti 1959.
Cultura moldovenească în timpul lui Ştefan cel Mare. Culegere de studii îngrijită de Mihai Berza. Bucureşti 1964.
Neagoe, Manole: Ştefan cel Mare. Bucureşti 1970.

Verfasser

Dionisie Ghermani (GND: 118893238)


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