Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Sphrantzes, Georgios

Sphrantzes, Georgios, byzantinischer Geschichtsschreiber und Diplomat, * Konstantinopel 30.08.1401, † Korfu nach 1477.

Leben

 Über das Leben von S. sind wir ausschließlich durch seine „Memoiren“ unterrichtet (auch „Chronicon minus“ genannt). Sie reihen aufgrund eines überarbeiteten Tagebuches kunstlos und ohne literarischen Anspruch mit stark umgangssprachlichem Kolorit streng chronologisch fortschreitend von 1402 bis 1477 vor allem die Ereignisse aneinander, die mit der in Konstantinopel und Mistras regierenden Palaiologenfamilie und dadurch mit dem eigenen Schicksal des S. in Verbindung stehen. Denn S. stand - wie schon sein Vater - vom 16. Lebensjahr an im Dienst dieser Familie als Höfling (Hofämter: 1432 = Protovestiarites; 1451 = Großlogothet), als Gouverneur wichtiger Städte (1430 Patras; 1443 Selybria; 1447 Mistras) und vor allem als Diplomat (1449 Georgien und Trapezunt; 1454 Serbien; 1455 Venedig). Seit 1424 wurden ihm mehrmals die Verhandlungen mit den Türken anvertraut, die er glühend haßte. Die trockenen Berichte über diese Aufgaben und die Nähe zum Herrscherhaus machen die Memoiren des S. zu einer der wichtigsten Quellen über die inneren Spannungen in der Palaiologendynastie und über den Todeskampf des sterbenden byzantinischen Reiches. Unter dem Namen des S. ist ein in vier Büchern gegliedertes, von 1258 bis 1481 reichendes Geschichtswerk überliefert (sog. „Chronicon maius“), das u.a. das ,,Chronicon minus“, die Geschichtswerke des Nikephoros Gregoras und des Chalkokandyles, eine bis 1571 reichende Chronik des Dorotheos von Monemvasia, eine türkische Geschichte bis zum Tode Mehmeds II. und ein Bericht des Leonardas von Chios über den Fall Konstantinopels verarbeitet. Die letzte Form hat dem „Maius“ der literarische und diplomatische Fälscher Makarios Melissenos, Metropolit von Monemvasia, um 1575 verliehen. Dadurch, daß Makarios teilweise uns heute verlorene erweiterte Fassungen seiner Vorlagen und sonst unbekannte Berichte und Dokumente benutzt hat (z.B. über die Schlacht bei Nikopolis 1369), hat auch das „Maius“ bedingten historischen Wert. Die Benutzung des Werkes wird für den Historiker erschwert durch die bis heute immer noch unvollständig durchgeführte Quellenanalyse. Eine Edition des „Chronicon minus“ und „maius“ mit rumänischer Übersetzung besorgte Vasile Grecu in den Scriptores Byzantini, Band 5 (Georgios Sphrantzes. Memorii 1401-1477.ÎIn anexŭ Pseudo-Phrantzes: Macarie Melissenos. Chronica 1258-1481. Bukarest 1966).

Literatur

Loenertz, Raymond-Joseph: Autour du Chronicon maius attribué a Georgios Phrantzès. In: Miscellanea Mercati. Bd 3. (Studi e testi Vaticani. 123.) Città del Vaticano 1946, 272-311 (jetzt im Sammelband: Byzantina et Franco-Graeca. Roma 1970, 3-44).
Laurent, Venance: Sphrantzes et non Phrantzes. In: Byzant. Z. 44 (1951) 373-378.
Colonna, Maria Elisabetta: Gli Storici Bizantini dal IV al XV secolo. Bd 1. Storici profani. Napoli 1956 (mit Bibliographie).
Moravcsik: Bd 1,282-288 (mit Bibliographie).
Ivánka, Endre von: Die letzten Tage von Konstantinopel. Graz, Wien, Köln 1961(2). = Byzantinische Geschichtsschreiber. 1. (Teilübersetzung des „Chronicon maius“).
Grecu, Vasile: Georgios Sphrantzes. In: Byzantinoslavica 26 (1965) 62-73.
Chasiotis, K.: Makarios, Theodoros kai Nikephoros hoi Melissenoi (Melissourgoi). Thessalonike 1966.
Hunger, Herbert: Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. Bd 1. München 1977, 494-499. = Byzantinisches Handbuch. 5.

Verfasser

Günter Weiß (GND: 130576549)

GND: 174087063

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