Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Roth, Hans Otto

 Roth, Hans Otto, siebenbürgisch-sächsischer Politiker, * Schäßburg (Sighişoara) 09.04.1893, † Ghencea (bei Bukarest) 01.04.1953, aus einer Schäßburger Patrizierfamilie.

Leben

 R. war Jurist. 1920 begann er seine politische Karriere als Hauptanwalt des „Deutschsächsischen Volksrates für Siebenbürgen“, wurde bald Vorsitzender der deutschen Parlamentsfraktion in Bukarest und Leiter des neugegründeten „Verbands der Deutschen in Rumänien“. Als Sprecher der Siebenbürger Sachsen im rumänischen Parlament überflügelte er seinen um zehn Jahre älteren Gegenspieler Rudolf Brandsch, mit dem ihn andererseits ein liberal-konservatives Konzept verband. Beide versuchten, durch loyales Verhalten gegenüber dem sich konsolidierenden rumänischen Nationalstaat und geschicktes Verhandeln im Rahmen der parlamentarischen Möglichkeiten die den Deutschen in den Karlsburger Beschlüssen und den Minderheitenschutzverträgen zugesagten Rechte zu sichern (deutsche Schulen, Gebrauch der Muttersprache, Gleichberechtigung der Nationalitäten in der Wirtschaft, Erhaltung des Vermögens der sächsischen Nationsuniversität, Wahrung des Bodenbesitzes). Gefestigt wurde R.s Position im Parlament und als Vertreter einer eigenständigen, vom Deutschen Reich unabhängigen Politik der Deutschen in Rumänien durch seine Wahl zum Landeskirchenkurator und sein gutes Verhältnis zu Bischof Viktor Glondys. Auf die Volksdeutsche Wirtschaftspolitik konnte er als Vorstandsmitglied und zeitweiliger Vorsitzender der „Hermannstädter Allgemeinen Sparkasse“ im Sinne einer modernen Kreditpolitik Einfluß nehmen. Als Vorsitzender im leitenden Gremium des „Siebenbürgisch-Deutschen Tageblatts“ hielt er die Schlüsselposition in der deutschen Publizistik des Landes. Seine zeitweilig erfolgversprechenden Stabilisierungsversuche scheiterten an der politischen Entwicklung der 30er Jahre. Die „Erneuerungsbewegung“ mit  ihrer Politisierung der Massen sowie ihrer Absage an die konservative Politik der Parlamentarier und der Kirche führte zu einem erbitterten innersächsischen Streit, aus dem die Anlehnung an das Dritte Reich als Ausweg empfunden wurde. Unter der Diktatur Karls II. (ab 1938) und der militärfaschistischen Regierung Ion Antonescu (ab 1940), als die Annäherung Rumäniens an Deutschland immer enger wurde, spielte R. als Politiker keine Rolle mehr. Als König Michael am 23. August 1944 die russischen Truppen einrücken ließ und die deutsche Volksgruppenführung außer Kraft gesetzt wurde, griff R. noch einmal entscheidend ein: In einem Aufruf an die Deutschen Rumäniens mahnte er zu Besonnenheit und Staatstreue. Nach der kommunistischen Machtergreifung in Rumänien (1945) wurde R. von der Regierung Petru Groza als „bürgerlicher Reaktionär“ eingestuft, 1948 verhaftet und im Rahmen eines gegen die Verwaltungsmitglieder der Hermannstädter Sparkasse angestrengten Devisenprozesses zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung erreichte R. in einem Wiederaufnahmeverfahren seinen Freispruch und lebte anschließend zurückgezogen. Im Gefolge des verschärften Parteikurses Anfang 1952 wurde R. erneut festgenommen und starb im Gefangenenlager Ghencea bei Bukarest.

Literatur

Hönig, Alfred: Dr. Hans Otto Roth †. In: Südostdt. Heimatbl. 2 (1953) 3, 43-46.
Beyer, Hans: Rudolf Brandsch und Hans Otto Roth. In: Südostdt. Vjbl. 14 (1965) 223-228.
Politische Parole oder Gewissen. Ein Brief von Dr. Hans Otto Roth. In: ebd. 16 (1967) 148-150.
Zur Tragödie der Südostdeutschen. Dr. Hans Otto Roths Aufruf vom 1. September 1944. In: ebd. 18 (1969) 228-229.
Für Volk und Völkerverständigung. Zwei Ansprachen von Dr. Hans Otto Roth. In: ebd. 19 (1970) 70-74.
Miege, Wolfgang: Das Dritte Reich und die Deutsche Volksgruppe in Rumänien 1933-1938. Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Volkstumspolitik. Bern, Frankfurt/M. 1972.
Schuller, Rudolf: Letzte Begegnung mit Dr. Hans Otto Roth. In: Südostdt. Vjbl. 24 (1975) 308-310.

Verfasser

Anton Schwob (GND: 119531100)


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