Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Perczel, Mór

Perczel, Mór, ungarischer Honvédgeneral und Politiker, * Bonyhád (Komitat Tolna) 11.11.1811, † ebd. 23.05.1899, aus einer katholischen Gutsbesitzerfamilie.

Leben

P.s Privatlehrer war von 1817 bis 1824 Mihály Vörösmarty, der später als Dichter berühmt werden sollte. Im April 1827, nachdem P. seine Rechtsstudien beendet hatte, trat er dem Artillerieregiment Nr. 5 als Kadett bei. 1830, zur Zeit der polnischen Revolution, agitierte er für eine Unterstützung der Polen, wurde deswegen verurteilt, jedoch durch die Intervention der Komitate Pest und Tolna freigesprochen. Bis 1843 war er als Ablegat im Komitat Tolna tätig. Auf dem Landtag von 1843/44 war er Deputierter und einer der Leiter des für die bürgerliche Entwicklung kämpfenden radikalen Adeltums, dann schloß er sich dem linken Flügel der die fortschrittlichen Kräfte des Landes in sich sammelnden liberalen Oppositionspartei an. Im bürgerlichen Parlament von 1848 war er Deputierter der Stadt Buda. Vom 20. April 1848 an, in der Regierung Batthyány, war P. Ministerialrat und Abteilungsleiter im Innenministerium, vom 20. Juni bis 20. Juli war er Polizeichef.
Im Parlament erhob sich P. als einer der Fürsprecher der Radikalen heftig gegen die Unfähigkeit der Regierung und verlangte größere Handlungsfreiheit für die Ablegaten. Im September rekrutierte er mit Erlaubnis der Regierung eine Freiwilligentruppe, die „Zrinyischar“, die eine große Rolle beim Sieg über die kaiserlichen Truppen bei Ozora (07.10.) und bei der Gefangennahme der kroatischen Generäle Karl von Roth und Philippovich spielte. P., damals noch Oberst, wurde am 1. November 1848 General. Vom Oktober bis zum Dezember war er Befehlshaber der ungarischen Truppen in Muraköz. Am 30. Dezember 1848 brachte ihm Jelačić bei dem Dorfe Mór eine große Niederlage bei; danach verteidigte er eine Weile die Theißlinie. Ende März 1849 begann er seinen berühmt gewordenen Feldzug in der Batschka und im Banat. Er befreite mehrere Orte, wurde jedoch am 7. Juni von Jelačić bei dem Dorf Káty (Kać) besiegt und deswegen von Görgey, dem damaligen Kriegsminister, seines Postens enthoben. Vom 8. bis 29. Juli 1849 kämpfte er unter der Führung von Dembińsky als Kommandant des 10. Armeekorps gegen die zaristischen Truppen. Am 20. Juli erlitt er bei dem Dorfe Tura 40 km östlich von Pest eine Niederlage und wurde degradiert. In den Schlachten bei Szőreg und Temeschwar im August 1849 kämpfte er als Gemeiner.
Nachdem Görgey am 13. August die Waffen gestreckt hatte, emigrierte P. in die Türkei; 1851 übersiedelte er nach London. Am 21. September 1851 wurde er in Abwesenheit „in effigie“ in Pest gehängt. Ab 1853 lebte P. dann auf der Insel Jersey, von 1862 bis 1867 in Brüssel. Am 21. Juli 1867, nach der Verkündung der allgemeinen Amnestie, kam er nach Ungarn zurück und wurde zum Präsidenten des „Zentralen Honvéd-Vereins“ berufen, der sich der Veteranen der ehemaligen Honvéd-Vereine annehmen sollte, doch entglitt der Führung die Leitung der Organisation immer mehr, und sie löste diese schließlich selbst auf. Im neuen Parlament war P. Vertreter der mittleren Linken, doch erregte er durch seine Kossuth-Gegnerschaft, die ihn schon während seiner Emigration isoliert hatte, großes Mißfallen. 1870 trat er als Abgeordneter zurück und lebte bis zu seinem Tode zurückgezogen in Bonyhád.

Literatur

Kuppis, Gustav: Biographie des Honved-Generals Moritz Perczel von Bonyhád. Pest 1868.
Áldor, Imre: Kossuth és Perczel. Pest 1868.
Kosáry, Domokos: Perczel Mór feljegyzései. In: Századok 71 (1937) 304-322.
Borus, József: A Perczel-hadtest januári ellentámadása. In: Hadtört. Közl. 8 (1961) 2, 670-696.
Kolta, László: Perczel Mór élete és munkássága. Bonyhád 1963.
Adamovics, Ilona: Perczel Mór naplója. In: Borsodi Szemle 10 (1966) 1, 58-69.

Verfasser

László Pál


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