Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Nikephoros III. Botaneiates
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Nikephoros III. Botaneiates

Nikephoros III. Botaneiates, byzantinischer Kaiser 1078-1081, † Konstantinopel als Mönch um 1081, aus einer kleinasiatischen (Anatolien) „sehr vornehmen“ Militärfamilie mit anscheinend geringer Hausmacht.

Leben

1051/52 trat N. zum ersten Mal in einem Petschenegenfeldzug auf, stand 1057 an der Seite Isaaks I. Komnenos in dessen Kampf um die Krone (Titel: Magistros) und wurde 1062 Gouverneur (Dux) von Thessalonike (Titel: Proedros). Nach 1062 war er Dux des Themas Boleron und Strymon (Titel: Protoproedros) und vor oder nachher Dux des Themas Hellas-Peloponnes. 1065 kämpfte N. gegen die Uzen auf dem Balkan (militärische Funktion umstritten), 1067/68 war er Dux von Antiochien (Syrien). Um 1068 wurde er als Verdächtiger aus dem Heer des Kaisers Romanos Diogenes entfernt. 1073 kommandierte er Truppen gegen den aufständischen Normannen Ursel von Bailleul (Titel: Kuropalates). 1078 leitete er als Dux das Thema Anatolikon. Den Thron verdankte N. der Unbeliebtheit der regierenden Familie Dukas bei allen Schichten, der Lethargie des Kaisers Michael VII. Dukas und dem Ungeschick des ebenfalls revoltierenden Generals Nikephoros Bryennios bei der Belagerung der Hauptstadt. Volk, Beamtenschaft und Klerus riefen N., der mit nur 300 Mann abenteuerlich nach Konstantinopel marschierte, am 7. Januar 1078 zum Kaiser aus. Die versprochenen Gunsterweise leerten den Staatsschatz weiter. Steuerdruck, die offiziell verkündete Münzverschlechterung, die dritte Ehe mit Maria, der Gattin des noch lebenden Vorgängers, der starke Einfluß seiner Höflinge machten ihn unbeliebt, doch verschaffte nicht das Volk, sondern Verrat dem General und späteren Kaiser Alexios I. Komnenos Eingang in die Hauptstadt. Wohl nicht nur wegen seines Alters, sondern die Schwäche der eigenen Gefolgschaft erkennend, überließ der früher tatkräftige und tapfere, als Kaiser allzu milde und nachgiebige N. dem Komnenen alle militärischen Operationen und zog sich am 1. April 1081 von der Herrschaft zurück. Erwähnenswerte Regierungsmaßnahmen ohne weitreichende Wirkung waren Verhandlungen mit den in sich zerstrittenen Petschenegen und Rumänen, Einsetzung neuer Stadtkommandanten auf dem Balkan wohl nach der Revolte des Lekas, Friede mit dem Antiochien haltenden Armenier Philaretos Brachamios, ein durch eine Revolte abgebrochener Feldzug gegen die Seldschuken, die N. vorher selbst als Hilfstruppen eingesetzt hatte. Wie andere Kaiser hat N. so notgedrungen die Eroberung Kleinasiens durch die Seldschuken gefördert.

Literatur

Chalandon, Ferdinand: Essai sur le règne d’Alexis Ier Comnène (1081-1118). Paris 1900.
Begleres, Georgios P.: O awtokrator tu Byzantiu Nikephoros, protoproedros ke dux Hellados ke Peloponnesu. Athen 1916.
Dölger, Franz: Regesten der Kaiserurkunden des oströmischen Reiches von 565-1453. T. 2. München, Berlin 1925.
Amantos, K[onstantinos] : I Botaniate. In: Hellenika 8 (1935) 48.
Cahen, Claude: La première pénétration turque en Asie Mineure. In: Byzantion 18 (1948) 5-67.
Laurent, Venance: La collection C. Orghidan. Paris 1952, Nr. 235, S. 126-127. = Bibliothèque Byzantine. Documents. 1.
Litavrin, Gennadij G.: Bolgarija i Vizantija v XI - XII vv. Moskva 1960, 274-275.
Ostrogorsky: S. 287-289 (mit Bibliographie).

Verfasser

Günter Weiß (GND: 130576549)

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Empfohlene Zitierweise: Günter Weiß, Nikephoros III. Botaneiates, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 317-318 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1452, abgerufen am: (Abrufdatum)

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