Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Napoleon I. Bonaparte
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Napoleon I. Bonaparte

Napoleon I. Bonaparte, Kaiser der Franzosen 1804-1814/15, * Ajaccio 15.05.1769, † Longwood (St. Helena) 05.05.1821.

Leben

N., ab 1793 Brigadegeneral und 1796 Oberbefehlshaber der französischen Armee in Italien, trat 1797 in die erste - indirekte - Berührung mit Südosteuropa. Nach dem siegreichen Feldzug in Italien hörte mit dem Frieden von Campoformio (17.10.1797) die Republik Venedig auf zu existieren. Die dalmatinischen Besitzungen der Markusrepublik fielen an Österreich, die venezianischen Besitzungen in der Levante - die Ionischen Inseln, Buthrint, Prevesa, Parga und Vonitsa in Epirus sowie die Insel Kythira (Cerigo) - wurden Frankreich zugesprochen. Diese Übernahme des venezianischen Erbes bedeutete eine Belastung für die französisch-türkischen Beziehungen. „Die Ionischen Inseln sind viel interessanter für uns als ganz Italien“, soll N. gesagt haben, und in Istanbul argwöhnte man nicht ganz zu Unrecht, daß die Franzosen es nicht dabei bewenden lassen würden. Und wirklich gedachte N., der den Orient als „Geburtsland jeden großen Ruhmes“ bezeichnete, von Korfu aus die französische Mittelmeerposition auszubauen. Seine Ägyptenexpedition endete zwar nach Nelsons Seesieg bei Abukir (01.08.1798) mit einem Fehlschlag, sie hatte jedoch eine Folge, die für die weitere Entwicklung der Orientalischen Frage nicht ohne Bedeutung war: Der albanische Emporkömmling Mehmed Ali stürzte die herrschende Mamelukenklasse und legte den Grundstein für die Modernisierung Ägyptens. Die französische Gefahr führte vorübergehend zwei alte Gegner - Rußland und die Türkei - zusammen, und am 3. Januar 1799 wurde zwischen beiden Mächten ein Vertrag geschlossen, in dem Rußland die Integrität des Osmanischen Reiches garantierte. Bereits im März 1799 gelang es einer russisch-türkischen Flotte, die Ionischen Inseln den Franzosen zu entreißen. Sie wurden zur Republik unter russischem Protektorat und der Oberhoheit der Pforte deklariert; die ehemaligen venezianischen Besitzungen in Epirus wurden der Türkei zugesprochen, aber sofort von Ali Pascha von Janina besetzt. Die Ionischen Inseln waren so der erste griechische Staat der Neuzeit. Den Verlust dieser strategisch wichtigen Position konnte N. nach dem Ausscheiden Österreichs aus der 3. Koalition wieder wettmachen. Im Frieden von Preßburg (26.12.1805) kamen Istrien und Dalmatien an das französische Königreich Italien; N. beherrschte damit den Adriaraum. Die Besetzung Dalmatiens durch General Jacques Lauriston verlief problemlos mit Ausnahme der Boka, wo sich Russen und Montenegriner festgesetzt hatten. Lauriston besetzte auf seinem Vormarsch nach Süddalmatien am 26. Mai 1806 Ragusa (Dubrovnik); damit verschwand, nach Venedig und Malta, der dritte Staat von der europäischen Landkarte. Ragusa wurde am 31. Januar 1808 offizieller Bestandteil des französischen Kaiserreiches. Nach einer russischen Gegenaktion entsandte N. General August Frédéric Marmont, den späteren Herzog von Ragusa, als neuen Oberkommandierenden nach Dalmatien, und diesem gelang es im September 1806, den Russen bei Castelnuovo (Herzegnovi) eine entscheidende Niederlage beizubringen. Nach dem Frieden von Preßburg befand sich Frankreich noch im Krieg mit Rußland und Preußen. N. bemühte sich jetzt über seinen Gesandten in Istanbul, General François Sébastiani, die Pforte in den Krieg gegen Rußland hineinzuziehen. Französischerseits wurden dabei die Wiedergewinnung der Krim und eventuell sogar der Ukraine in Aussicht gestellt. Unter aktiver Mitwirkung von Sébastiani provozierte die Pforte Rußland offen, indem es gegen die vertraglichen Abmachungen am 24. August 1806 die prorussischen Hospodare der Moldau und der Walachei Alexandru Moruzi und Constantin Ipsilanti absetzte und die Meerengen für Kriegsschiffe aller fremden Nationen, einschließlich der Russen, schloß. Rußland antwortete auf diese Provokationen Ende November 1806 mit der Besetzung der Donaufürstentümer. Die Pforte ihrerseits erklärte daraufhin am 16. Dezember 1806 Rußland den Krieg. Der Krieg, der für die Türken durchaus erfolgreich verlief, wurde beendet, bevor er eigentlich begonnen hatte. Ursache hierfür waren zwei Ereignisse: Der Sturz Selims III. (1807) und das Treffen zwischen N. und Zar Alexander I. in Tilsit. In Tilsit wurde u. a. über eine eventuelle Teilung des Osmanischen Reiches gesprochen, ohne daß es zu einer Einigung kam. Im Tilsiter Frieden (07.07.1807) mußten sich die Russen verpflichten, die Donaufürstentümer zu räumen und Kotor sowie die Ionischen Inseln an Frankreich zurückzugeben. Den Frieden mit der Türkei wollte Frankreich für die Russen vermitteln. Sollte sich die Pforte nicht binnen dreier Monate zum Friedensschluß bereiterklären, dann würden Rußland und Frankreich gemeinsam vorgehen und alle europäischen Provinzen der Türkei, mit Ausnahme von Istanbul und Rumelien, vom „türkischen Joch“ befreien. Der russisch-französischen Allianz von Tilsit war nur eine kurze Dauer beschieden. Grund dafür waren die verschiedenen Auffassungen, die N. und der Zar über den Zweck des Bündnisses hatten. N. war hauptsächlich an russischer Unterstützung gegen England gelegen, und er war bereit, dafür geringfügige Geländegewinne der Russen auf dem Balkan zuzulassen. Alexander I. wünschte französische Hilfe bei der Aufteilung der Türkei und wollte dafür für N. in England den Vermittler spielen. An der Frage der Aufteilung der Türkei scheiterte letztlich die Zusammenarbeit. Die Russen wollten Istanbul und die Meerengen, was N. niemals bereit war zuzubilligen. Auf dem Fürstentag zu Erfurt (Oktober 1808) bot er als Kompromiß lediglich die Donaufürstentümer an. Das konnte Rußland nicht zufriedenstellen, rief aber die Österreicher auf den Plan, die ihre Balkaninteressen bedroht sahen. 1809 brach der Krieg zwischen Frankreich und Österreich erneut aus, österreichische Truppen besetzten zusammen mit dalmatinischen Freiwilligen ganz Nord- und Mitteldalmatien, erlitten aber am 6. Juli 1809 bei Wagram eine entscheidende Niederlage gegen die Hauptarmee N.s. Trotz des am 12. Juli in Znaim geschlossenen Waffenstillstands setzten die dalmatinischen Freiwilligen ihre Angriffe gegen französische Stellungen fort: noch am 14. Juni wurde Omiš, am 17. Juni Makarska erobert. Diese Erfolge waren jedoch vergeblich, denn im Frieden von Schönbrunn (14.10.1809) wurde Dalmatien wieder den Franzosen zugesprochen. Französisch wurden noch Istrien, das westliche Kärnten, Krain und ganz Kroatien rechts der Save. Noch am Tage des Friedensschlusses proklamierte N. die „Illyrischen Provinzen“, die aus Dalmatien einschließlich Ragusa und den neugewonnenen Gebieten bestanden. Generalgouverneur wurde Marschall Marmont, Hauptstadt Laibach. Nach dem mißglückten Feldzug N.s in Rußland schlossen Preußen und Rußland ein Bündnis gegen N., dem sich am 12. August 1813 auch Österreich anschloß. In der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.10. 1813) wurden N.s Truppen vernichtend geschlagen. Im Winter 1813/14 besetzten österreichische Truppen unter den Generälen Franjo Tomašić und Toša Milutinović schrittweise die „Illyrischen Provinzen“, die auf dem Wiener Kongreß 1815 auch völkerrechtlich Österreich zugesprochen wurden.

Literatur

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Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Napoleon I. Bonaparte, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 290-292 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1435, abgerufen am: (Abrufdatum)

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