Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mustafa IV.

Mustafa IV., osmanischer Sultan 1807-1808, * Istanbul 08.09.1779, † ebd. (erwürgt) 17.11.1808, Sohn Sultan Abdülhamids I., Neffe Sultan Selims III.

Leben

Gegner der Reformen seines Onkels, stand M. 1807 in Kontakt mit den Reaktionären, die einen Umsturz vorbereiteten, und erlitt fast einen Nervenzusammenbruch, als Selim III. am 29. Mai des gleichen Jahres vor ihm erschien, um seinen Rücktritt bekanntzugeben und ihm zu huldigen. Die Rebellen unter dem Janitscharenoffizier Kabakçi Mustafa Ağa, dem Stellvertreter des Großwesirs Köse Musa Pascha und dem Schejch ül-Islam Ataullah Efendi hielten den neuen Sultan in völliger Abhängigkeit, hoben die „neue Ordnung“ (nizam-ı cedid) Selims III. am 3. Juni auf und verfolgten die Anhänger der Reform; sie gerieten indes sehr bald in Machtkämpfe untereinander. Ihre Gegner begannen sich in Ruse (Rusçuk) um den Armeebefehlshaber Bayrakdar Mustafa Pascha zu scharen, während sich die russische Armee an der Donau zurückhielt und der Vertrag von Tilsit (07.07.1807) die Pforte ihres unsicheren französischen Verbündeten beraubte. Eine Einigung mit England konnte trotz der Räumung Ägyptens durch die britischen Truppen im September 1807 noch nicht erreicht werden In Ruse bildete sich unter Mustafa Pascha ein geheimes Komitee (Rusşuk Yârâni) für die Wiedereinsetzung Selims III. und die Fortführung der Reformen; der Sultan hoffte seinerseits aufgrund von mancherlei Hinweisen, diese Kreise zur Stärkung seiner eigenen Autorität verwenden zu können. Führende Mitglieder des Komitees erhielten Positionen in Istanbul, doch als M. sich weiterhin weigerte, den Bayrakdar in die Hauptstadt zu lassen, marschierte dieser mit einem Teil seiner Armee über Edirne vor Istanbul. Am 19. Juli 1808 wurde er von M. außerhalb der Stadt empfangen und zog am 21. Juli mit einem kleinen Truppenverband in Istanbul ein. Spannungen mit dem Großwesir (Çelebi  Mustafa Pascha veranlaßten Bayrakdar Mustafa Pascha am 28. Juli, in Aktion zu treten, doch der Sultan verschanzte sich rechtzeitig im Palast und ließ den dort inhaftierten Selim III. umbringen; Prinz Mahmud konnte sich retten und wurde von den Reformern sofort als Mahmud II. auf den Thron erhoben. M. wurde nun seinerseits im Palast in Haft gehalten und einige Monate später aus Anlaß eines neuen zu seinen Gunsten veranstalteten Aufstandes der Janitscharen getötet.

Literatur

Asım, Ahmed: Asım tarihi. 2 Bde. Istanbul o. J.
Ahmed Cevdet: Tarih-i Cevdet. 12 Bde. Istanbul 1271-1302/1854-1884 (1309/1891(2)).
Uzunçarşılı, Ismail Hakkı: Meşhur Rumeli âyanlarından Tirsinikli Ismail, Yılık Oğlu Süleyman Ağalar ve Alemdar Mustafa Paşa. Istanbul 1942.
Karal, Enver Ziya: Osmanlı tarihi. Bd 5. Ankara 1947 (1961(2)).
Shaw, Stanford J.: Between Old and New. The Ottoman Empire under Sultan Selim III, 1789- 1807. Cambridge, Mass. 1971.

GND: 1056032464


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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Mustafa IV., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 270 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1418, abgerufen am: (Abrufdatum)

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