Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Palamidis, Rigas

Palamidis, Rigas, griechischer Freiheitskämpfer und Politiker, * Tripolis 1794, † Athen 1872; sein Vater war Taufpate des Theodoros Kolokotronis.

Leben

P., Sohn eines von den Türken hingerichteten angesehenen peloponnesischen Grundbesitzers, diente nach dem Schulbesuch in Dimitsana und Istanbul als Sekretär der osmanischen Verwaltung von Tripolis und in der peloponnesischen Selbstverwaltung. Er beteiligte sich am griechischen Unabhängigkeitskrieg (1821-1830) von Anfang an: Er war Mitglied und Sekretär der Archontenversammlung von Kaltezai und Abgeordneter der während des Kampfes einberufenen Nationalversammlungen; die 3. Nationalversammlung von Troizen (Trizin) wählte ihn 1827 in den Verfassungsausschuß, in dem P. an der Ausarbeitung der neuen Konstitution maßgeblich mitwirkte. Während des Unabhängigkeitskrieges heiratete er die zum Christentum bekehrte Tochter des Paschas von Yeni$ehir (Larisa). 1829 berief ihn Ioannis Kapodistrias in die 2. Abteilung des Senats. Als Repräsentant der Französischen Partei wurde er bald ihr hervorragender Kopf auf der Peloponnes und nach der Ernennung des Parteichefs Ioannis Kolettis zum Gesandten in Paris (1835) Rivale des Dimitrios Christidis um ihre Führung. In der Parteipolitik gehörte er zu den schärfsten Gegnern des Alexandros Mavrokordatos. Unter König Otto stand er im Lager der sich ständig verbreiternden Opposition gegen die absolute Monarchie und wandte sich deshalb 1842/43 gegen eine Beteiligung seiner Partei an der Regierung. Nach der unblutigen Militärrevolte vom 15. (3.) September 1843 trat er als Innenminister in das Kabinett Andreas Metaxas ein und wurde als Abgeordneter von Tripolis in die verfassunggebende Nationalversammlung gewählt. P. versuchte jetzt, in einer vom Kabinett weitgehend unabhängigen Politik, die Unterschichten für seine konservativen Ziele zu mobilisieren: Da er in der Nationalversammlung den Verdacht nicht ausräumen konnte, als Exponent der extremen „Autochthonisten“ (d. h. der den Ausschluß der nicht in den Grenzen des Königreichs geborenen Griechen von öffentlichen Ämtern fordernden Abgeordneten) bewaffnete Gruppen organisiert und zur Demonstration für sein Programm nach Athen geholt zu haben, mußte er am 28. Dezember 1843 als Minister zurücktreten. In den Beratungen der Nationalversammlung über die Verfassung plädierte er für die mittelbare Wahl der Abgeordneten, aber gegen die Einrichtung eines Oberhauses. 1844 und 1847 war er Abgeordneter von Mantineia im Parlament. Während des Krimkrieges gehörte er als Innenminister dem Kabinett des Alexandros Mavrokordatos an; dasselbe Ressort hatte er vom 10. Juni (29.05.) 1859 bis zum 12. Januar 1860 in der Regierung des Athanasios Miaulis, eines Sohnes des Andreas Miaulis, inne. P. zeichnete sich durch Sachverstand in Verwaltungsangelegenheiten und hervorragende Kenntnisse der lokalen Probleme des Peloponnes und vor allem seiner engeren Heimat aus.

Literatur

Giannaropulu, Ioanna: Schediasma istorias tis Epanastaseos ipo Riga Palamidi. In: Mnimosini 2 (1968/69) 375-426.

Verfasser

Gunnar Hering (GND: 1078119694)

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Empfohlene Zitierweise: Gunnar Hering, Palamidis, Rigas, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 385-386 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1386, abgerufen am: (Abrufdatum)

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