Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mihailo, Metropolit von Serbien

Mihailo (eigentlich Miloje Jovanović), Metropolit von Serbien 1859-1881, 1889- 1898, * Soko Banja 19.08.1826, † Belgrad 05.02.1898, Sohn eines Handwerkers.

Leben

M. besuchte die Volksschule in Soko Banja, das Gymnasium in Zaječar und Negotin und das Priesterseminar in Belgrad. Auf Veranlassung des Metropoliten Petar (Jovanović) fuhr er im Juli 1846 mit sechs Freunden unter Führung von Sima Milutinović Sarajlija nach Kiev, wo er die Geistliche Akademie mit dem Magistergrad beendete. Bereits am 29. Mai 1853 wurde er in der Kievo-Pečerskaja Lavra zum Mönch geweiht und erhielt den Namen Mihailo. Nach dem Studium blieb M. fast noch ein Jahr in Rußland, wo er Moskau, St. Petersburg und die Mönchskolonie Optina Pustyn bei Koselsk (Gebiet Kaluga) besuchte und das Leben der russischen Mönche studierte. Im Juni 1854 kehrte M. nach Serbien zurück und wurde Lehrer am Priesterseminar, blieb dort aber nur bis zum 14. Oktober 1854, als er zum Bischof von Šabac geweiht wurde. Am 25. Juli 1859 bestieg er als Nachfolger des Metropoliten Petar den Metropolitenthron. In den Abschnitt seiner Amtsausübung fällt der Erlaß eines neuen Kirchengesetzes (30.09.1862), das den kirchlichen Verwaltungsapparat modernisierte. Am 27. September 1863 wurde ein Gesetz erlassen, das die Modernisierung des Unterrichts des Priesterseminars zum Ziel hatte. 1873 wurde dann auch am Belgrader Priesterseminar eine besondere Abteilung eröffnet für die Ausbildung von Priestern jener serbischen Gebiete, die sich noch unter türkischer Herrschaft befanden. Nach dem Gesetz vom 11. Januar 1896 dauerte die Ausbildung im Priesterseminar neun Jahre. M. modernisierte nicht nur die Priesterschule, sondern legte auch die Grundlagen der theologischen Wissenschaft in Serbien. Er interessierte sich vor allem für dogmatische Probleme und praktische Theologie. Von Interesse sind auch seine Werke zur serbischen Kirchengeschichte, „Pravoslavna crkva u kneževini Srbiji“ (Die orthodoxe Kirche im Fürstentum Serbien, 1874) und „Pravoslavna crkva u Kraljevini Srbiji“ (Die orthodoxe Kirche im Königreich Serbien, 1895). Innerhalb der Kirche trennte er die Administration vom Justizwesen, sorgte für die Verbesserung der Ausbildung der Geistlichen und förderte die Klöster. Nachdem nach dem Berliner Kongreß 1878 Serbien unabhängig geworden war, gelang es M., am 20. Oktober 1879 vom ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel die Autokephalie der serbischen Kirche zu erhalten. M. war auch der erste unter den serbischen kirchlichen Würdenträgern, der mit den Anglikanern Beziehungen aufnahm. M. war sein ganzes Leben lang politisch sehr aktiv. Er sympathisierte mit der Liberalen Partei (Jovan Ristić), was ihn bei den „Fortschrittlern“ (naprednjaci) unbeliebt machte. Als überzeugter Russophile war M. zu seiner Zeit der Hauptträger der panslawistischen Ideen auf dem westlichen Balkan. Seine Beziehungen zu den panslawistischen Kreisen nicht nur Rußlands waren sehr zahlreich. Um ihn scharten sich damals alle jene, die sich für die südslawische Vereinigung interessierten. Nicht nur mit Josip Juraj Strossmayer, sondern auch mit vielen bosnischen Franziskanern, unterhielt M. gute Beziehungen, wodurch er in Wien noch unbeliebter wurde. Während des Aufstandes in Bosnien und der Herzegowina 1875 half M. den Aufständischen materiell und politisch. Über ihn sandten die panslawistischen Komitees ihre Hilfe für die Aufständischen. Da M. die Okkupation von Bosnien und der Herzegowina 1878 durch Österreich-Ungarn scharf verurteilte und auch die austrophile Politik des Königs Milan Obrenović entschieden bekämpfte, fiel er bei der Regierung der Fortschrittler (Milutin Garašanin) in Ungnade und wurde am 18. Oktober 1881 abgesetzt. Das neue Gesetz über die Taxen, das der damalige Bildungsminister Stojan Novaković erlassen hatte und das auch die Kirche betraf, war nur ein Vorwand, um M. seines Postens zu entheben. 1883 ging M. über Palästina, den Athos und Bulgarien nach Rußland ins Exil, wo er zuerst in Kiev, später in Moskau lebte und zum Sammelpunkt der vor Milan Obrenović nach Rußland emigrierten Radikalen wurde. In den Augen sowohl der russischen Regierung als auch der kirchlichen und panslawistischen Kreise wurde M. zum Märtyrer für die slawische und orthodoxe Sache. Erst als König Milan 1889 abdankte, konnte M. nach Serbien zurückkehren und wurde am 28. Mai 1889 wieder in sein Amt eingesetzt, das er dann bis zu seinem Tode ausübte. M. war Mitglied verschiedener ausländischer Gesellschaften und Träger ausländischer Auszeichnungen und Orden; 1869 wurde er Ehrenmitglied der Universität von St. Petersburg, 1871 Ehrenmitglied der Universität von Moskau. Neben Stefan Stratimirović, dem Metropoliten von Karlowitz, war M. die wichtigste kirchlichpolitische Persönlichkeit der Serben im 19. Jh.

Literatur

Dimitrijević, Steva M.: Mihailo, Arhiepiskop beogradski i Mitropolit Srbije. Beograd 1933.
Popović, Mihailo I.: Istorijska uloga Srpske crkve u čuvanju narodnosti i stvaranju države. Beograd 1933.
Popović, Vasilj: Djački putopis mitropolita Mihaila. In: Pril. Knjiž., Jezik, Ist. i Folklor 18 (1938) 445-449.
Slijepčević, Djoko: Istorija srpske pravoslavne crkve. Bd 2. Minhen 1966, 390-469.
Jovan, episkop Šabačko-Valjevski: Srpska crkva u Srbiji od 1804. do 1918. godine. In: Srpska pravoslavna crkva 1219-1969. Spomenica o 750-godišnjici autokefalnosti. Beograd 1969, 291-318.

GND: 142537918


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Empfohlene Zitierweise: Đoko Slijepčević , Mihailo, Metropolit von Serbien, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 194-196 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1358, abgerufen am: (Abrufdatum)

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