Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mehmed Ali Pascha, Müşir Macarlı

Mehmed Ali Pascha, Müşir Macarlı (der Ungar; Carl Détroit), osmanischer Feldherr, * Magdeburg 18.11.1827, † (ermordet) Djakova 07.09.1878, Sohn des nach Preußen emigrierten hugenottischen Musikprofessors Carl Friedrich D. und der Henriette Jeanette Severin, Großvater des türkischen Generals und Botschafters in Moskau Ali Fuad Cebesoy (1882-1968).

Leben

1843 ging M. als Schiffsjunge an Bord einer mecklenburgischen Brigg und entfloh im Hafen von Istanbul. Er wurde im Haus des türkischen Staatsmannes Mehmed Emin Ali Efendi (Pascha) aufgenommen, trat 1845 zum Islam über und wurde auf der Kriegsschule in Istanbul (mekteb-i harbiye) ausgebildet, die er 1853 als Generalstabsoffizier verließ. Während des Krimkrieges erlangte er die Gunst von Ömer Lȗtfî Pascha, der ihn zu seinem Ordonnanzoffizier machte. M. diente auch im Krieg gegen Montenegro 1861-1862 in Ömer Lȗtfî Paschas Stab. 1868 wurde M. im Rang eines Generalmajors (ferik) Kommandant von Janina (Yanya), später von Novipazar (Yenipazar) und 1876 zum Müschir (müşir; Feldmarschall) befördert. Im Juli 1877 löste er während des Krieges gegen Rußland nach dem Vorstoß von General Josif Vladimirovič Gurko über den Balkan Abdülkerim Nadir Pascha als Oberbefehlshaber der osmanischen Donauarmee ab, kam aber selbst zu keinen Erfolgen und wurde bereits Ende September durch Süleyman Pascha ersetzt. 1878 Kommandeur eines der zur Verteidigung von Istanbul aufgestellten Korps, nahm er im Juni/Juli des gleichen Jahres als zweites Mitglied der osmanischen Delegation (neben Alexander Karatheodori [Karatodori] Pascha) am Berliner Kongreß teil; hier trat er, als Gegner Rußlands bekannt, für die Teilung Bulgariens ein und kämpfte um jeden Quadratkilometer osmanischen Bodens. Den Widerstand der Albaner gegen die Abtretung von Grenzgebieten an Montenegro glaubte er durch seine persönlichen Beziehungen zu albanischen Notabeln überwinden zu können und wurde deshalb als Kommissar der Pforte mit der Auflösung der Albanischen Liga und der Übergabe der abzutretenden Gebiete beauftragt. Am 1. September 1878 traf er in Djakova (Yakova) ein, wurde jedoch in der Kula des Abdullah Pascha Dreni von den Aufständischen belagert und nach wenigen Tagen zusammen mit seinem Gastgeber ermordet.

Literatur

Mehemed-Ali-Pascha. In: Unsere Zeit, N. F. 13, 2 (1877) 626-629.
Bamberg, Felix: Geschichte der orientalischen Angelegenheit im Zeitraume des Pariser und des Berliner Friedens. Berlin 1892.
Tollin, Henri: Geschichte der französischen Colonie von Magdeburg. Bd 3, Abt. 1B. Magdeburg 1893.
Risse, Joseph: Mehemed Ali Pascha. In: Mitteldeutsche Lebensbilder 3 (1928) 469-480.
Fortunatow, P. K.: Der Krieg 1877/78 und die Befreiung Bulgariens. Berlin 1953.

GND: 136192335


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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Mehmed Ali Pascha, Müşir Macarlı, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 147-148 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1326, abgerufen am: (Abrufdatum)

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