Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mehmed Ali Pascha, Kavalalı

Mehmed Ali Pascha, Kavalalı, osmanischer Statthalter in Ägypten und Begründer des bis 1952 regierenden ägyptischen Königshauses, * Kavala 1770, † Alexandria 02.08.1849, albanischer oder auch türkischer Herkunft, Sohn des Vorstehers der Straßenwärter Ibrahim Ağa.

Leben

 M. verlor sehr früh seinen Vater, wuchs im Hause seines Onkels Tosun Ağa auf und schloß sich dann einem französischen Tabakkaufmann namens Léon an. Mit etwa 18 Jahren wurde er Soldat und erregte bald die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten, widmete sich daneben aber weiter dem Tabakhandel. Nach der Besetzung Ägyptens durch Napoleon gelangte M. 1799 mit einem Kontingent aus Kavala nach dort, konnte seine Stellung vor allem nach dem Abzug der Franzosen (Oktober 1801) festigen und wurde im Mai 1805 zum Vali Ägyptens ernannt, mit der Auflage, den Hedschas von den Wahhabiten zu befreien. 1807 kämpfte er erfolgreich gegen die englische Besatzung in Ägypten, gegen Arabien wandte er sich indessen erst nach der Vernichtung der Mameluken-Beys (1.03.1811). Im Januar 1813 konnte Mekka zurückerobert werden, und in einem zweiten Feldzug wurden die Wahhabiten durch die Zerstörung ihrer Hauptstadt Dar‘iya und die Gefangennahme ihres Führers Abdullah b. Saud für längere Zeit ausgeschaltet (September 1818). 1820-1822 schritt M. im Süden an die Eroberung des Sudan, der von der neugegründeten Hauptstadt Khartum aus verwaltet wurde; zugleich begann er mit Hilfe des französischen Obersten Octave Joseph de Seves (Süleyman Pascha) mit der Modernisierung der Armee. Der griechische Aufstand veranlaßte Sultan Mahmud II., M. 1822 die Bekämpfung der Rebellen auf Kreta zu übertragen und seinem Sohn Ibrahim Pascha zwei Jahre später die Statthalterschaft über die Morea zu verleihen. Im Februar 1825 entsetzte Ibrahim die in Patras und Koroni belagerten Türken, eroberte im Mai Navarino und belagerte Mesolongion, das am 25. April 1826 fiel. Die Unnachgiebigkeit der Pforte gegenüber der Tripelallianz zwischen England, Frankreich und Rußland führte zur Vernichtung der türkisch-ägyptischen Flotte am 20. Oktober 1827 vor Navarino. Die Engländer bewogen M., seinen Sohn Ibrahim mit den ägyptischen Truppen im August 1828 von der Morea abzuziehen. 1830 erhielt M. die Staathalterschaft über Kreta, ließ Ibrahim Pascha im folgenden Jahr in Syrien einmarschieren und forderte von der Pforte auch die Verwaltung von Akka und Damaskus. Im April 1832 wurden M. und Ibrahim zu Rebellen erklärt, doch Ibrahim schlug den osmanischen Befehlshaber Hüseyin Pascha am Beylân- (Belen-)Paß bei Iskenderun; Mehmed Reşid Pascha wurde am 21. Dezember bei Konya besiegt und gefangengenommen. Durch französische Vermittlung kam der Friede von Kütahya (4.05.1833) zustande, der M. im Besitz von Syrien und Kilikien ließ. In den folgenden Jahren suchte M. seinen Einfluß vor allem auf der arabischen Halbinsel zu festigen, trat in Verbindung mit Persien und zwang die Engländer, zum Schutze ihrer Interessen Aden in Besitz zu nehmen (1838/39). Die Ablehnung der Pforte, ihn zum erblichen Statthalter für alle seine Provinzen zu erheben, führte zu neuen Verwicklungen. Am 7. Juni 1839 wurde M. erneut zum Rebellen erklärt, seine Armee siegte hingegen bei Nizip (24.06.), und die osmanische Flotte ging zu den Ägyptern über. Nun griffen die Großmächte ein; die Quadrupelallianz zwischen Rußland, England, Österreich und Preußen vom 15. Juli 1840 garantierte die Integrität des Osmanischen Reiches und beschränkte M. auf Ägypten. Die ägyptische Herrschaft in Syrien brach zusammen, M. mußte sich 1841 unterwerfen und bei Zusicherung der erblichen Statthalterschaft für Ägypten seine Armee auf 18 000 Mann verringern. Seine letzten Lebensjahre verbrachte M. ruhig; er besuchte 1846 Istanbul und seine Heimatstadt Kavala, die er mit Stiftungen ausstattete. Im April 1848 zog er sich von den Regierungsgeschäften zurück und übertrug die Herrschaft auf seinen Sohn Ibrahim und nach dessen frühem Tode auf seinen Enkel Abbas I.

Literatur

Sabry, M.: L’Empire égyptien sous Mohamed Ali et la Question d’Orient (1811-1849). Paris 1930.
Dodwell, Henry: The Founder of Modern Egypt. A Study of Muhammad Ali, Pasha of Egypt. Cambridge 1931 (1967(2)).
ar-Rāfı'ī, ‘Abd ar-Rahmān: ‘Aṣr Muḥammad ‘Alī. Kairo 1370/1951(2).
Hill, Richard: Egypt in the Sudan, 1820-1881. London, New York 1959.
Vatikiotis, [Panagiotes] J.: The Modern History of Egypt. London 1969.  

GND: 118782835

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Mehmed Ali Pascha, Kavalalı, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 146-147 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1325, abgerufen am: (Abrufdatum)

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