Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Lobkowitz, Wenzel Eusebius

Lobkowitz, Wenzel Eusebius Reichsfürst von, Herzog in Schlesien zu Sagan, kaiserlicher Staatsmann, * 30.01.1609, † Raudnitz (Roudnice nad Labí, Böhmen) 22.04.1677, Sohn des böhmischen Kanzlers Zdenko Adalbert Popel Reichsfreiherr (ab 1624 Reichsfürst) von L. und der Polyxena von Fernstem.

Leben

Bereits 1632 als höherer Offizier im kaiserlichen Heer, unter Kaiser Ferdinand III. in mehreren politisch-militärischen Missionen tätig, erhielt L. 1649 das Amt des Hofkriegsratspräsidenten (bis 1665), als der er den gesandtschaftlichen Verkehr mit der Pforte leitete und mit Ungarn in Berührung kam. Sein Einfluß am Hofe Kaiser Leopolds I. hat sich mit seiner Ernennung zum Obersthofmeister im Jahre 1665 bedeutend gesteigert. 1669 wirkte L. am Sturz des Fürsten Johann Weikhart Auersperg mit und erhielt dessen Amt des ersten Geheimen Rates des Kaisers. Damit war L. der wichtigste, politisch richtungweisende Ratgeber Kaiser Leopolds I. geworden, der ihm bis zu seinem Sturz Ende des Jahres 1674 vollstes Vertrauen schenkte. L. setzte außenpolitisch die Linie seines Vorgängers fort, indem er bestrebt war, für die Unabhängigkeit Österreichs von Spanien zu sorgen, die natürliche Verbindung mit Deutschland zu fördern und den Frieden mit Frankreich weiterhin aufrecht zu erhalten. Er trat für die Einheit der Monarchie auf der Grundlage eines starken absoluten Landesfürstentums nach französischem Vorbild ein. In der Magnatenverschwörung 1669/70 sorgte L. für eine rasche Niederschlagung des Aufstandes, betrachtete die Privilegien des ungarischen Adels für verwirkt und setzte sich für die Aufhebung der ungarischen Verfassung ein. 1672/73 betrieb L. die Errichtung einer ungarischen Regierungsbehörde und legte dieser als Verfassungsmuster jenes Patent zugrunde, das Kaiser Ferdinand II. 1627 als „Vernewerte Landesordnung“ für Böhmen unter maßgeblicher Beteiligung seines Vaters Zdenko von L. erlassen hatte. Als Gubernator des „Königreiches Ungarn und seiner Nebenländer“ setzte die von L. geleitete Konferenz den Hochmeister des Deutschen Ritterordens, Johann Caspar von Ampringen, ein; ihm zur Seite gab diese auf die wichtigsten Posten dynastietreue Deutsche, die Ungarn gleich Böhmen nunmehr als Gubernium regieren sollten. Dieser Plan von L. scheiterte jedoch am erbitterten Widerstand des ungarischen Adels und der ungarischen Geistlichkeit; auch die Wiener Hofämter und -behörden mißachteten die neue Regelung. Mit dem Umschwung in der äußeren Politik des Kaiserhofes im Jahre 1673, der zur offenen Auseinandersetzung mit Frankreich hinführte, büßte L. in immer stärkerem Maße seinen Einfluß auf Kaiser, Hof und Regierung ein. Mit seinem Sturz und seiner Verbannung vom Hofe Ende 1674 verlor L., der eifrigste Verfechter der absolutistischen Gesamtstaatsidee im Habsburgerreiche, endgültig seine insbesondere für Ungarn so bedeutsam gewordene politische Machtstellung.

Literatur

Wolf, Adam: Fürst Wenzel Lobkowitz. Wien 1869.
Dvořák, Max (Hrsg.): Briefe Kaiser Leopold I. an Wenzel Euseb Herzog in Schlesien zu Sagan, Fürsten von Lobkowitz 1657-1674. In: Arch. österr. Gesch. 80 (1894) 459-514.
Schwarz, Henry Frederick: The imperial privy council in the seventeenth Century. Cambridge, Mass. 1943.
Redlich, Oswald: Weltmacht des Barock. Österreich in der Zeit Kaiser Leopolds I. Wien 1961(4).

Verfasser

Gerhard Seewann (GND: 1069961280)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Seewann, Lobkowitz, Wenzel Eusebius, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 41-42 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1258, abgerufen am: (Abrufdatum)

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