Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Ferdinand II.
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Ferdinand II.

Ferdinand II., römisch-deutscher Kaiser 1619-1637, König von Böhmen und Ungarn, * Graz 9.07.1578, † Wien 15.02.1637, Sohn Erzherzog Karls von Innerösterreich und der Maria von Bayern, Enkel von Kaiser Ferdinand I.

Leben

Von 1590 an bei den Jesuiten in Ingolstadt erzogen, erhielt F. hier die Grundlagen eines extrem kämpferischen Katholizismus. Entscheidend für diese Einstellung wurde eine Wallfahrt des zwanzigjährigen Fürsten im Frühjahr 1598, auf der er auch mit Papst Clemens VIII. zusammentraf. In den Jahren 1598 bis 1600 führte F. als Landesfürst von Innerösterreich die Gegenreformation in diesem Lande durch, unterstützt von Fürstbischof Martin Brenner und dem Lavanter Bischof Georg Stobäus. Dabei wurden Grundsätze befolgt, die bereits unter seinem Vater in der Münchener Konferenz von 1579 aufgestellt worden waren. Die 1585 gegründete und von Jesuiten geführte Grazer Universität wurde geistiger Mittelpunkt der Rekatholisierung. Nach der gescheiterten Aktion gegen die Burg Kanizsa wurde Innerösterreich durch Einfälle der Türken und Ungarn bedroht. Im habsburgischen Bruderzwist schwankte F. zwischen Rudolf und Matthias, obwohl er dem Wiener Vertrag von 1606 beigetreten war.
1617 gelang F. die Wahl zum König von Böhmen, im Jahr darauf wurde er auch König von Ungarn. In beiden Ländern wurde sofort mit der Gegenreformation begonnen. Während des böhmischen Aufstandes der Königswürde für verlustig erklärt, wurde F. im August 1619 - auch mit der Stimme des neuen Böhmenkönigs Friedrich - zum Kaiser gewählt. Noch im selben Jahr schloß der Habsburger einen Vertrag mit Maximilian von Bayern und der Liga, um den böhmischen Rebellen und der Bedrohung in Ungarn durch den Fürsten von Siebenbürgen, Gabriel Bethlen, wirksam entgegentreten zu können. Am 8. November 1620 wurde in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag der böhmisch-protestantische Unruheherd liquidiert, im Jahr darauf folgte das habsburgische Blutgericht über die Rädelsführer. Böhmen und Mähren wurden der radikalen Gegenreformation ausgeliefert; es kam zur Vertreibung der Prädikanten, zu Güterkonfiskationen und zur Abwanderung des protestantischen Adels, wodurch sich starke gesellschaftliche Veränderungen ergaben.
Durch die Gewalttaten der Gegenreformation und durch verschiedene katholische Restaurationsversuche verstärkte sich die europäische Front gegen F. und das Haus Habsburg. Der Krieg mit König Christian IV. von Dänemark führte zum ersten Generalat Wallensteins, der einen neuerlichen Einfall Gabriel Bethlens in Ungarn abwehren konnte. Auf der Höhe seiner Macht erließ F. im März 1629 das Restitutionsedikt, wohl das folgenschwerste Dokument seiner Regierung. Trotz der Spannungen mit dem Papst und dem Angriff Gustav Adolfs von Schweden wußte F. die Entlassung Wallensteins auf dem Regensburger Kurfürstentag von 1630 nicht zu verhindern. Erst durch den Vormarsch der Schweden war der Kaiser gezwungen, dem Friedländer neuerlich das Kommando zu übertragen, wobei er ihm fast diktatorische Vollmachten bestätigen mußte. Während der Erfolge des Heerführers beteiligte sich F. am Kesseltreiben gegen Wallenstein, das im Februar 1634 mit dessen Ermordung in Eger endete. Im Prager Frieden von 1635 mußte der Kaiser für Sachsen und alle dem Frieden beitretenden Reichsstände auf die Durchführung des Restitutionsediktes verzichten. Mit der Anerkennung des Vertrages durch die meisten protestantischen Fürsten war der konfessionelle Kampf beendet; der folgende Krieg gegen Schweden und Frankreich (ab 1636) war eine rein machtpolitische Auseinandersetzung. F. erlebte im Dezember 1636 noch die Wahl seines gleichnamigen Sohnes zum römischen König.
Die Beurteilung der Persönlichkeit von F. schwankt zwischen dem Idealbild eines katholischen Herrschers und dem eines engstirnigen Fanatikers. Tatsache ist, daß der Habsburger in religiösen Fragen von einer erstaunlichen Zähigkeit, ansonsten aber kein Mann rascher Entschlüsse war. Unwiderlegt bleibt weitgehend auch der Vorwurf einer Abhängigkeit von den Ratgebern und einer starken Empfänglichkeit gegenüber den Einflüssen der am Hof tätigen Beichtväter.

Literatur

Hurter, Friedrich von: Geschichte Ferdinands II. 11 Bde. Schaffhausen 1850/64.
Ders.: Friedensbestrebungen Kaiser Ferdinands II. Wien 1860.
Depner, Maja: Das Fürstentum Siebenbürgen im Kampf gegen Habsburg. Stuttgart 1938.
Eder, Karl: Die Konfessionspolitik Ferdinands II. In: Bericht über den 3. österreichischen Historikertag in Graz vom 26. bis 29. Mai 1953. Wien 1954, 12-25. = Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Geschichtsvereine. 4.
Ders.: Rahmen und Hintergrund der Gestalt Ferdinands II. (1619-1637). In: Festschrift Julius Franz Schütz. Graz, Köln 1954, 315-324.
Sturmberger, Hans: Kaiser Ferdinand II. und das Problem des Absolutismus. Wien (1957). = Österreich-Archiv.

GND: 118532510


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Empfohlene Zitierweise: Reinhard Rudolf Heinisch, Ferdinand II., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 503-505 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=811, abgerufen am: (Abrufdatum)

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