Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Liman von Sanders, Otto Karl Victor

Liman von Sanders, Otto Karl Victor (eigentlich Liman, 1906 geadelt unter dem Mädchennamen seiner ersten Frau von Sanders), preußischer General der Kavallerie, osmanischer Generalfeldmarschall, * Stolp (Pommern) 17.02.1855, † München 22.08.1929, Sohn eines Gutsbesitzers.

Leben

 L. war ab 1874 aktiver deutscher Offizier. Ab Dezember 1913 war er als Chef der deutschen Militärmission in der Türkei mit der Reorganisation der türkischen Armee betraut und ist bis heute in der Türkei als Liman Pascha sehr volkstümlich geblieben. Als Kommandeur des I. osmanischen Armeekorps leistete er bedeutende organisatorische Erneuerungsarbeit, wurde aber auf Grund scharfer russisch-englisch-französischer Einsprüche von diesem Posten zurückgezogen und zum Generalinspekteur der osmanischen Armee ernannt, als der er sich ebenfalls außerordentlich bewährte. Nach dem Eintritt der Türkei in den Ersten Weltkrieg (Oktober 1914) diente L. in der osmanischen Armee, wo er es bis zum Generalfeldmarschall brachte. Er übernahm wieder das Oberkommando der I. osmanischen Armee mit dem Auftrag des Schutzes der europäischen Türkei, insbesondere der Küsten. Im Frühjahr 1915 wurde ihm zusätzlich die Verteidigung der Dardanellen und damit Istanbuls übertragen. An der Spitze der V. osmanischen Armee (in der der spätere Gründer der türkischen Republik Kemal Atatürk als Major diente), schlug er in fast neunmonatigen Kämpfen die materiell und zahlenmäßig weit überlegenen englisch-französischen Landungstruppen zurück und erzwang so den endgültigen Rückzug der Entente aus Gallipoli. 1916 bis 1918 organisierte L. den Schutz der gesamten anatolischen Küste. Im März 1918 versuchte er mit Erfolg, aus dem Zusammenbruch der Palästinafront zu retten, was zu retten war, und übergab am 31. Okober 1918 seinem Nachfolger Kemal Pascha (Atatürk) die Reste der Palästinaarmee. In Malta völkerrechtswidrig von den Engländern gefangengesetzt, konnte er erst im August 1919 nach Deutschland zurückkehren. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin nahm L. 1923 seinen Wohnsitz in München, wo er 1929 verstarb. Er ist in Darmstadt neben seiner 1906 verstorbenen ersten Gattin begraben. Der hochdekorierte Heerführer wurde selbst von den ehemaligen Feinden bewundert und geachtet. Auch als Kriegstheoretiker hat sich L. einen Namen gemacht. Seine Weltkriegserinnerungen (Fünf Jahre Türkei. Berlin 1920) wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Literatur

Schlachten des Weltkrieges. Hrsg. im Auftrag des Reichsarchivs. Bd4: „Jildirim“. Deutsche Streiter auf heiligem Boden. Bd 16: Der Kampf um die Dardanellen 1915. Berlin 1925, 1927.
Pomiankowski, Joseph: Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches. Zürich, Leipzig, Wien 1928.
Marschall Liman von Sanders Pascha und sein Werk. Von H. e. R. Berlin 1932.
Kurat, Akdes Nimet: Die Berichte der deutschen Generale Liman von Sanders, Bronsart und Hans von Seeckt über die militärische Lage der Türkei während des ersten Weltkrieges. In: Cultura Turcica 2 (1965) 69-103.
Wallach, Jehuda L.: Anatomie einer Militärhilfe. Die preußisch-deutschen Militärmissionen in der Türkei 1835-1919. Düsseldorf 1976. (Die ausführlichste Zusammenfassung über Laufbahn und Tätigkeit L.’s ist ein anonymes Schreibmaschinenmanuskript im Stadtarchiv München).

Verfasser

Buğra Atsız (GND: 103703985)

GND: 11878000X


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   

Empfohlene Zitierweise: Buğra Atsız, Liman von Sanders, Otto Karl Victor, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 35 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1252, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526