Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Lazăr, Gheorghe

Lazăr, Gheorghe, rumänischer Pädagoge und Politiker, * Avrig (Felek, Freck, Hermannstädter Stuhl) 5.06.1779, † ebd. Herbst 1823, Sohn eines leibeigenen Bauern.

Leben

 Nach dem Besuch der Gymnasien in Klausenburg und Hermannstadt studierte L. in Wien, wo er in Mathematik und Physik sowie Theologie promovierte. Nach seiner Rückkehr erhielt er in Hermannstadt die Priesterweihe und bekam einen Lehrauftrag am orthodoxen Priesterseminar. Wegen seiner „aufklärerischen Überzeugungen“ geriet er jedoch in Gegensatz zur kirchlichen Hierarchie und verlor seine Ämter. Differenzen mit dem ungarischen Adel und den staatlichen Behörden veranlaßten ihn schließlich 1816, Siebenbürgen zu verlassen und in der Walachei Zuflucht zu suchen. In Bukarest arbeitete L. zunächst als Vermessungsingenieur, fiel durch seine Fähigkeiten auf und erfreute sich nach kurzer Zeit des Schutzes und der Förderung einiger aufgeklärter Bojaren. Am 6. März 1818 erhielt er durch die Vermittlung seiner Gönner die Möglichkeit, das erste Gymnasium mit rumänischer Unterrichtssprache zu gründen. Sein an die „verdienstvolle Jugend“ der Walachei gerichteter Aufruf erfreute sich regen Zuspruchs, so daß die ihm zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten des Klosters Sf. Sava bald zu klein wurden. Als profilierter Vertreter der „Siebenbürgischen Schule“ (Şcoala ardeleană) und der rumänischen Aufklärung hatte er Gelegenheit, seinen Schülern nicht nur die üblichen schulischen Disziplinen, sondern auch eine nationale und freiheitliche Gesinnung zu vermitteln. Zahlreiche Schüler griechischer Lehranstalten wechselten in seine Schule über. L.s Weltanschauung war vornehmlich von Immanuel Kant und Christian Wolff geprägt. 1820-1821 stand er den Kreisen um den Revolutionsführer Tudor Vladimirescu nahe. Er nahm wiederholt an Verhandlungen teil, die dieser mit seinen Gegnern, den walachischen Bojaren, führte und betätigte sich als militärischer Berater der Revolutionsverbände, u. a. bei der Belagerung Bukarests. In seiner Schule maß L. dem Studium der Geschichte eine besondere Bedeutung bei. Er betrachtete es als ein Mittel, die Schüler zur Vaterlandsliebe und zum Sinn für soziale Gerechtigkeit zu erziehen. Auch außerhalb der Schule kämpfte er als Redner und Schriftsteller gegen die sozialen Mißstände und die Vorrechte der privilegierten Schichten. Nach der Niederwerfung der Revolution entzog man L. die für die Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit und die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs erforderlichen Mittel. Er wurde gezwungen, die Schule zu schließen und sich vor den Behörden für seine revolutionsfreundliche Haltung zu rechtfertigen. Enttäuscht und gesundheitlich geschwächt, erkrankte L. an Lungentuberkulose. Da er in Bukarest unerwünscht war, kehrte er in seinen Geburtsort zurück, wo er alsbald starb. L. gilt als Begründer des auf modernen wissenschaftlichen und pädagogischen Erkenntnissen errichteten höheren Schulwesens in rumänischer Sprache und als erster bedeutender Vertreter der „Siebenbürgischen Schule“, der jenseits der Karpaten wirkte und dort die nationale und soziale Gesinnung im Sinne der Aufklärung förderte. Er trug durch seine Lehr- und politische Tätigkeit wesentlich zur Bildung eines nationalen Bewußtseins in den Donaufürstentümern bei. Sein Werk wurde durch viele seiner Schüler fortgesetzt. Der berühmteste von ihnen war Ion Heliade Rădulescu. Auf L. sind unter anderem auch die Grundlagen der wissenschaftlichen und technischen Terminologie in der rumänischen Sprache zurückzuführen.

Literatur

Heliade-Rădulescu, Ion: Gheorghe Lazăr. Bucureşti 1923.
Popa-Lisseanu, Gheorghe u. Gheorghe Bogdan-Duică: Vieaţa şi opera lui Gheorghe Lazăr. Bucureşti 1924.
Stancu, Gheorghe M.: Gheorghe Lazăr, pedagog naţional. Viaţa, activitatea şi ideile sale. Braşov 1936.
Macovescu, George: Gheorghe Lazăr, 1779-1823. Bucureşti 1954.

Verfasser

Dionisie Ghermani (GND: 118893238)

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Empfohlene Zitierweise: Dionisie Ghermani, Lazăr, Gheorghe, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 13-14 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1236, abgerufen am: (Abrufdatum)

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