Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Konstantin Mihailović aus Ostrovica

Konstantin Mihailović aus Ostrovica, serbischer Janitschare und Chronist, * Ostrovica (Serbien) um 1435, † nach 1501.

Leben

 In Ostrovica bei Rudnik oder Preševo geboren - eine eindeutige Lokalisierung war bisher nicht möglich - nahm K. schon als junger Mann in einem serbischen Truppenkontingent, das der Despot Djuradj Branković auf Geheiß Sultan Mehmeds II. zu stellen hatte, an der Belagerung und Eroberung Konstantinopels teil (1453). Danach begab er sich nach Novo Brdo, wo er in der durch ihre Silberminen bekannten Stadt als Mineur tätig gewesen sein soll. Bei ihrer Eroberung durch die Türken im Juni des Jahres 1455 fiel K. zusammen mit seinen beiden Brüdern in türkische Gefangenschaft, wurde nach Kleinasien gebracht und schließlich den Janitscharen zugeteilt. Im Heer Mehmeds II. nahm er an dessen Feldzügen in Europa und Asien teil; er kämpfte 1456 bei Belgrad, anschließend auf dem Peloponnes sowie in Syrien und war auch beim türkischen Zug in die Walachei gegen Vlad III. Ţepeş dabei (1462). Die letzte Aktion führte ihn 1463 nach Bosnien, wo er von den Türken mit einer kleinen Schar Janitscharen zum Befehlshaber der Stadt Zvečaj ernannt wurde. Bei ihrer Einnahme durch den ungarischen König Matthias Corvinus fiel K. in ungarische Gefangenschaft. Vermutlich konnte er aber bald entkommen, denn um 1468/69 lebte er bereits nicht mehr in Ungarn, sondern schon in Böhmen oder Polen. In Polen, wo K. dann etwa 30 Jahre lebte, verfaßte er unter dem Titel „Pamiętniki Janczara czyli kronika turecka Konstantego z Ostrowicy napisana między r. 1496 a 1501“ (Die Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik verfaßt von Konstantin aus Ostrovica in den Jahren 1496 bis 1501) seine Memoiren, die in 48 Kapitel unterteilt sind und wichtige Nachrichten zur türkischen Kriegsgeschichte, zur inneren Struktur des Osmanischen Reiches und zur serbischen Geschichte im 14. und 15. Jh. enthalten. In Anbetracht der Bedeutung der osmanischen Großmacht für das damalige Europa war es ein in dieser Zeit vielgelesenes Werk. Das Original ist verloren gegangen. Auf Grund früherer Forschungen hat man angenommen, daß es in serbischer bzw. kirchenslawischer Sprache / serbische Redaktion abgefaßt war und die polnische und tschechische Ausgabe nur Übersetzungen darstellen. K. soll demnach auch in Ungarn geblieben und unter den dort ansässigen Serben gelebt haben. Der letzte Herausgeber Djordje Živanović ist aber der Ansicht, daß das Original in polnischer Sprache geschrieben und König Johann I. Albrecht von Polen gewidmet war, den es zu einem Kampfe gegen die Türken ermuntern sollte.

Literatur

Šafarik, Janko: Mijajla Konstantinovića, Srbina iz Ostrvice, istorija ili ljetopisi turski, spisani oko godine 1490. In: Glasn. Srpsk. uč. Društ. 18 (1865) 1, 25-188.
Łoś, Jan: Pamiętniki Janczara czyli kronika turecka Konstantego z Ostrowicy napisana międzu r. 1496 a 1501. Kraków 1912.
Konstantin Mihailović iz Ostrovice. Janičarove uspomene ili turska hronika. Hrsg. Djordje Živanović. Beograd 1959. = Spomenik SA. 107. Odeljenje društvenih nauka. N.S.9.
Die Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik. Übers. u. eingel. v. Renate Lachmann. Kommentiert von Claus-Peter Haase, Renate Lachmann, Günter Prinzing. Graz 1974.

Verfasser

Manfred Stoy (GND: 1125126671)


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