Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Konstantin IX. Monomachos

Konstantin(os) IX. Monomachos, byzantinischer Kaiser 1042-1055, † 11.1.1055.

Leben

 K., vordem Senator in Konstantinopel, gelangte am 12. Juni 1042 dank seiner Heirat mit der 64jährigen Kaiserin Zoe auf den Thron, teilte diesen ober offiziell mit Zoe und deren Schwester Theodora. K. wurde zu einem willensschwachen Herrscher, dem das Luxusleben am Hofe von Konstantinopel wichtiger schien als die Staatsgeschäfte. Er unterhielt ein Verhältnis mit Sklerina, einer Nichte seiner zweiten Frau, die den neugeschaffenen Titel „Sebaste“ erhielt und am höfischen Leben ohne Einschränkung teilnahm. Nach ihrem Tode übernahm eine Alanenprinzessin ihre zweifelhafte Rolle. Hand in Hand mit der Verschwendung am Hofe lief erstmalig in der byzantinischen Geschichte eine Münzverschlechterung großen Umfanges, die in der Folgezeit den byzantinischen Solidus als Weltwährung im Mittelmeerraum mehr und mehr verdrängen sollte. Unter der Regierung K.s erlebte die Hauptstadt einen neuen geistigen und kulturellen Aufschwung. Der Philosoph und Staatsmann Michael Psellos war die herausragende Persönlichkeit dieser Epoche. Die byzantinische Politik hingegen nahm unter K. eine unheilvolle Entwicklung: den erfolgreichen Feldherrn Georgios Maniakes, der den Arabern den Ostteil Siziliens samt Messina und Syrakus entrissen hatte, enthob der mißtrauische Kaiser seines Amtes. Maniakes ließ sich daraufhin von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen, landete in Dyrrhachion und marschierte gegen Thessaloniki. Der Usurpator, dessen Sieg als sicher galt, kam indes während eines Gefechtes, das er schon gewonnen glaubte, ums Leben (1043). Der Erhebung des Leon Tornikes wenige Jahre danach schienen noch größere Aussichten auf Erfolg beschieden: als Führer der „makedonisdien Partei“ drang Tornikes bis nach Konstantinopel vor und belagerte die Stadt (1047). Nur weil der Gegenkaiser den geeigneten Augenblick zum Sturm auf die Mauern Konstantinopels durch seine Unentschlossenheit versäumte, wurde die Regierung K.s gerettet. Im Innern schien seither die Lage des Reiches soweit gesichert, daß die Truppen verringert wurden. Außenpolitisch vermochte K. die Ostpolitik Basileios’ II. erfolgreich in Armenien fortzusetzen und mit der Einverleibung des Reiches von Ani abzuschließen. Die relative Ruhe an den Grenzen endete freilich um diese Zeit. Statt der früheren Erbfeinde, der Araber, Bulgaren und Russen (letzter Angriff 1043), bedrohten jetzt neue Völker Byzanz: im Osten die Seldschuken, im Westen die Normannen und im Norden die Uzen, Rumänen und Petschenegen. Das Bündnis mit den Petschenegen, die das Reich im Norden vor seinen Feinden schützten, war ein zentrales Anliegen der byzantinischen Politik des 10./11. Jh.s. Als das Steppenvolk dann 1048 die Donau überschritt und an Stelle Bulgariens zum direkten Nachbarn von Byzanz wurde, bedrohte es nun das Reich selbst. Der Friede mit ihnen mußte, nachdem sie nicht zurückgeschlagen werden konnten und auch ihre Eingliederung in das byzantinische Reich nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, teuer erkauft werden. Die seit Jahrhunderten bestehende Spannung und die sich vertiefenden Gegensätze zwischen Rom und Konstantinopel führten auf religiösem Gebiet 1054 zum Schisma zwischen der römischen und griechischen Kirche, ein Ereignis, dessen Tragweite erst später in seinem vollen Ausmaß erkannt wurde. Dem schwachen Kaiser, der den Bruch mit Rom nicht wollte, gelang es nicht, die beiden erbitterten, nach Macht strebenden Gegner, Kardinal Humbert von Silva Candida, der als Führer der starren antibyzantinischen Richtung dem Papst zur Seite stand, und Patriarch Michael Kerullarios, von der gegenseitigen Verdammung zurückzuhalten. Nach dem Tode K.s übernahm Kaiserin Theodora die Regierung. Mit ihrem Tod Anfang September 1056 erlosch die mächtige makedonische Dynastie, in die K. durch seine Ehe mit Kaiserin Zoe Aufnahme gefunden hatte.

Literatur

Ostrogorsky: 270-271, 275-279.
Polemis, Demetrios I.: The Doukai. A Contribution to Byzantine Prosopography. London 1968, 29.

Verfasser

Peter Wirth (GND: 132882191)


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