Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kirkov, Georgi Jordanov

Kirkov, Georgi Jordanov (Pseudonym Majstora), bulgarischer Politiker, Journalist und Schriftsteller, * Pleven 15.08.1867, † Sofia 25.08.1919.

Leben

K. stammte aus einer Lehrerfamilie. Seine erste Ausbildung erhielt er in Pleven. 1879-1886 war er in Nikolaev (Rußland), wo er das Gymnasium besuchte. In Bulgarien absolvierte er 1890 die Schule für Reserveoffiziere und studierte anschließend von 1892 bis 1895 Kartographie in Wien. Hier entschied sich seine künftige politische Laufbahn. Während seines Aufenthalts in Österreich schloß sich K. der sozialistischen Arbeiterbewegung an. Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien trat er in die „Bulgarische Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ (Bŭlgarska Rabotničeska Socialdemokratičeska Partija) ein, in der er sich zusammen mit Dimitŭr Blagoev an die Spitze des linken revolutionären Flügels stellte. Er entfaltete eine aktive journalistische Tätigkeit, zunächst in dem Organ der Partei „Socialist“ und in der sozialistischen Zeitschrift „Den“ (Der Tag). 1897 wurde er zusammen mit Evtim Dabev, später mit Gavril Georgiev, Redakteur der Zeitung „Rabotničeski vestnik“ (Arbeiternachrichten), die auf seine Initiative hin mit der Aufgabe, den Marxismus unter der Arbeiterschaft zu propagieren, gegründet wurde, und die in den darauffolgenden Jahren in der innerparteilichen Polemik die Linie der Gruppe Blagoev - Kirkov vertrat. 1898 wurde K. zum Mitglied des Zentralkomitees der Partei, 1901 zum Deputierten für das Parlament gewählt. 1903 konstituierten sich die Anhänger Blagoevs und K.s als selbständige Partei mit dem Namen „Bŭlgarska Rabotničeska Socialdemokratičeska Partija - tesni socialisti“ (Engsozialisten), die 1919 den Namen „Bŭlgarska Kommunističeska Partija - tesni socialisti“ (Bulgarische Kommunistische Partei - Engsozialisten) annahm. Im neuen ZK war K. bis zu seinem Lebensende Sekretär. 1911 wurde er zum Gemeinderat der Stadt Sofia, 1913 von neuem zum Parlamentsdeputierten gewählt. Die Tätigkeit K.s erstreckte sich auch auf die syndikale Bewegung und die internationalen Kontakte der Partei. Er bereitete die Gründung der kommunistisch geführten Gewerkschaft „Obšt rabotničeski sindikalen sŭjuz“ (Allgemeiner Arbeiter-Syndikalverband) vor, dessen Sekretär er 1904-1909 war. K. nahm am Stuttgarter (1907) und am Kopenhagener (1910) Kongreß der II. sozialistischen Internationale, sowie 1917 an der III. Zimmer- walder-Konferenz in Stockholm teil, wo er zusammen mit den Bolschewiken die Proklamation der Zimmerwalder Linken Unterzeichnete. Nach der Oktoberrevolution 1917 richtete K. einen Aufruf an die bulgarischen Arbeiter und Soldaten, dem russischen Beispiel zu folgen. K. ist zusammen mit Blagoev einer der Begründer der bulgarischen kommunistischen Partei und einer eigenen kommunistischen Parteipresse. Als Schriftsteller ist er vor allem durch seine humoristischen Skizzen bekannt geworden, die er im Feuilleton von „Rabotničeski vestnik“ veröffentlichte und mit dem Pseudonym „Majstor Gočo Zuljama“ Unterzeichnete (von hier seine populäre Bezeichnung als „Majstora" - der Meister). 1900 gab er eine Auswahl seiner Satiren unter dem Titel „Dremigradski smešila“ (etwa: Lächerlichkeiten aus Dremigrad [d. h. „verschlafene Stadt“]) heraus. Einige seiner Gedichte wie „Rabotničeski marš“ (Arbeitermarsch) und „Pesen na truda“ (Lied von der Arbeit) sind populäre Lieder der Arbeiterbewegung geworden. Eine Auswahl seiner Werke erschien 1950/51 in zwei Bänden in Sofia.

Literatur

Georgi Kirkov. Vŭzspomenatelen zbornik. Sofija 1924.
Boršukov, Georgi: Georgi Kirkov. Sofija 1949.
Canev, Petŭr: Georgi Kirkov-Majstora. Biografični beležki za perioda 1887-1902. In: Izvestija na Instituta po istorija na BKP 1/2 (1957) 322-364.
Simeonova, Lena Dimitrova: Iz parlamentarnata dejnost na Georgi Kirkov (1901-1903). In: ebd. 7 (1960) 176-201.

Verfasser

Dimiter Statkov (GND: 1051480892)


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