Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Georgiev, Gavril

Georgiev, Gavril (eigentlich Gavril Georgiev Božilov), bulgarischer Sozialist und Publizist, * Izmail (Bessarabien) 20.11.1870, † 20.04.1917, aus einer bulgarischen Emigrantenfamilie.

Leben

Nach der Befreiung Bulgariens 1878 kehrte G. mit seinen Eltern in die Heimat zurück. Als Gymnasiast in Gabrovo schloß er sich dem sozialistischen Schülerzirkel Evtim Dŭbevs an. Während des Studiums in Sofia vertiefte er sich in die Schriften von Marx, Engels und Blagoev. Von jetzt an nannte er sich nur noch Gavril Georgiev, um der Richterkarriere seines Vaters nicht hinderlich zu sein. Nach seinem Ausschluß von der Sofioter Hochschule widmete er sich ganz der Tätigkeit als sozialistischer Revolutionär und Publizist. Zusammen mit Dimitŭr Blagoev und Nikola Christov Gabrovski redigierte er das sozialistische Blatt „Rabotnik“ (1893). Außerdem wurde er in den Allgemeinen Rat der „Bŭlgarska Socialdemokratičeska Partija“ (BSDP) gewählt. Nach der Vereinigung der „Partisti“ Blagoevs (BSDP) und der „Sŭjuzisti“ (Unionisten) Sakŭzovs (1894) bekämpfte er als Redakteur des Parteiorgans „Socialist“ (1897 in „Narod“ umbenannt) und als Mitglied des ZK der „Bŭlgarska Rabotničeska Socialdemokratičeska Partija“ (BRSDP; 1894-1896), dann als ZK-Sekretär (1896/97) die „opportunistische“ Sakŭzov-Fraktion, die eine Kooperation mit progressiven Bürgerlichen anstrebte und während der Agrardepression (1895-1899) auch die Bauern umwarb. 1898 wurde G. in die Redaktion des „Rabotničeski vestnik“ (Arbeiterzeitung) gewählt und sorgte zusammen mit Georgi Kirkov für die Umwandlung der Zeitung in ein „marxistisches Kampforgan“. Nach dem 8. Parteitag (1901) arbeitete G. die den Bolschewisten nahestehenden Organisationsprinzipien der Partei aus: „Demokratischer Zentralismus, eiserne bewußte Disziplin, Geschlossenheit, strenge Beachtung der innerparteilichen Demokratie“. In den Jahren 1900-1903 wandte sich G. in einer Reihe polemischer Artikel vor allem gegen das „Obstodelstvo“ - den von Sakŭzov propagierten gemeinsamen Kampf der Sozialisten und Agrarier (Bŭlgarski zemedelski naroden sŭjuz = BZNS) gegen staatliche Korruption und die Palastintrigen Prinz Ferdinands und für die Verwirklichung der Prinzipien der Tŭrnovo-Verfassung. Nach der Spaltung der BRSDP in die Engsozialisten Blagoevs und die Breitsozialisten Sakŭzovs (1903) beteiligte sich G. als Mitglied des ZK der Engsozialisten an der Säuberung der Partei von den „Obštodelcite“. Durchdrungen vom autoritären und exklusiven Zirkeldenken Blagoevs, bekämpfte G. jegliche Regung von Opposition in der Partei (vgl. Kampf gegen „Anarcholiberale“ u. a.). 1908 zog er sich wegen Krankheit aus der aktiven Parteiarbeit zurück, schrieb aber noch bis 1911 Artikel. Ansonsten war er als kleiner Beamter in der Bulgarischen Agrarbank und als Übersetzer tätig. Im Ersten Weltkrieg war er einfacher Soldat.
G. wird in der Literatur meist unterbewertet. In dem Standardwerk Joseph Rothschilds über die BKP (The Communist party of Bulgaria. Origins and development 1883-1936. New York 1959) wird er überhaupt nicht erwähnt, obwohl er ein enger Kampfgefährte Blagoevs war und mit diesem sowie mit Kirkov („Troika“) lange an der Spitze der bulgarischen Sozialisten stand. G. war nicht nur Blagoevs geschätztes Sprachrohr in den Gremien der Partei und den Redaktionen der verschiedenen sozialistischen Zeitungen, sondern wirkte tatkräftig an der ideologischen und organisatorischen Formung der Engsozialisten mit. Von bulgarischen Historikern wird G. als „Publizist des Sozialismus“ gewürdigt.

Literatur

Savova, Elena: Gavril Georgiev, publicist na socializma u nas. In: Ist. Pregled (1948/49) 497-508, 643-655; (1949/50) 121-127; (1950/51) 513-532.
Georgiev, G.: Izbrani proizvedenija. Sofija 1953.
Istorija Bolgarii, ukazatel’ literatury 1945-1958. Moskva 1962, 254, Nr. 4976-4988.

Verfasser

Hans-Joachim Hoppe (GND: 143931040)

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Joachim Hoppe, Georgiev, Gavril, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 33-35 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=866, abgerufen am: (Abrufdatum)

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