Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Khuen-Héderváry von Hédervár, Károly Graf

Khuen-Héderváry von Hédervár, Károly (Karl) Graf (vor 1874 Karl Graf Khuen von Belas, Graf zu Lichtenberg, Freiherr von Neu-Lembach und Gandegg), ungarischer Staatsmann, Banus von Kroatien 1883-1903, * Gräfenberg (Österreichisch-Schlesien) 23.05.1849, † Budapest 16.02.1918, Sohn des Grafen Antal Khuen und der Baronin Angelika Izdenczy.

Leben

 K.s Vater war in Slawonien begütert. Hier besuchte K. die Schule in Nuštar und machte das Abitur in Fünfkirchen. Er studierte in Preßburg und Zagreb Jura, war danach Referendar am Gericht von Zagreb und begann seine Laufbahn bei der Komitatsverwaltung von Syrmien. 1874 nahm er auf letztwilligen Wunsch des Grafen Héder Viczay von Vicza und Hédervár, der keine männlichen Erben hatte, den Doppelnamen an. Im selben Jahr ließ sich K. im Komitat Raab nieder, wo er die großen Ländereien von Viczay erbte. 1875 wählte man ihn zum ersten Mal in den ungarischen Reichstag, und 1882 wurde er Obergespan des Raaber Komitats. Als sich 1883 zwischen Kroatien und Ungarn eine Krise anbahnte, wurde er zum Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien ernannt. Der unmittelbare Anlaß zu seiner Ernennung war die sog. Affäre der zweisprachigen Wappen. Der ungarische Finanzminister Gyula Szapáry hatte angeordnet, daß an den Finanzämtern in Kroatien statt der bisherigen Wappen mit kroatischer Aufschrift Wappen mit kroatischer und ungarischer Aufschrift angebracht werden müssen. Es entstanden Unruhen im Volk und Banus Ladislav Pejačević, der sich in dieser Angelegenheit bei der ungarischen Regierung nicht durchsetzen konnte, trat zurück. Nachdem General Hermann Ramberg vorübergehend als königlicher Kommissar bestellt war, kam im Dezember 1883 K. nach Zagreb. Obwohl er Grundbesitzer in Slawonien war, hatte er vorher keine Beziehung zum politischen Leben von Kroatien gehabt und war der erste Banus, der als Nichtkroate zu diesem Amt kam. Als er sein Amt übernahm, stellte er der regierenden Volkspartei (Narodna stranka) ein Ultimatum: entweder sie besorge ihm die Mehrheit im Sabor oder er werde ohne den Sabor regieren, d. h. als königlicher Kommissar; die Partei ging auf seine Forderung ein. Seine Amtszeit fiel in eine entscheidende Phase der kroatisch-ungarisehen Beziehungen, und er beeinflußte die politische Entwicklung Kroatiens maßgeblich. Man dachte K. die Rolle des starken Mannes zu, und diese erfüllte er zwanzig Jahre lang. Er verkörperte die ungarische Staatsidee und sprach als erster Banus im Sabor vom einheitlichen Staat. Die von ihm geführte kroatische Volkspartei bekannte sich zur Politik des Ausgleichs von 1868, und K. regierte mit ihrer Hilfe trotz starker nationaler Opposition, die speziell von dem ideologischen Führer der Rechtspartei (Stranka prava), Ante Starčević, ausging, der den Serben und Magyaren gleichermaßen abgeneigt war. K. nutzte diesen Gegensatz aus, indem er sich besonders auf die Serben stützte. Obwohl er im Sabor die Mehrheit hatte, war seine Regierung nicht stabil, denn die Nichtwähler, und das war die Mehrheit des Volkes, standen der Opposition näher. Formell unterstützte er zwar die verfassungsmäßige Ordnung, in Wirklichkeit regierte er aber absolutistisch. Er bekämpfte entschieden die nationale Opposition und die autonomen Bestrebungen, nutzte geschickt die Gegensätze zwischen Serben und Kroaten für seine politischen Zwecke aus und unterstützte die Bemühungen der ungarischen Regierung bei der Magyarisierung Kroatiens. Während seiner Regierungszeit wurden in der Wirtschaft und im Schulwesen Reformen durchgeführt, die aber sehr umstritten sind. Im Frühjahr 1903, nach den gegen die Ungarn ausgebrochenen Unruhen, wurde K. in seinem Amt als Banus von Kroatien von Teodor Pejačević, dem Sohn des Ladislav Pejačević, abgelöst, und, nachdem das Kabinett Széll gescheitert war, zum ungarischen Ministerpräsidenten ernannt (27. VI. - 3.11.1903). 1904 war er Minister im Kabinett von István Tisza. Zwischen 1905 und 1909 blieb er der Politik fern, war aber vom 17. Januar 1910 bis 22. April 1912 wieder Ministerpräsident. Im Februar 1910 war K. Mitbegründer der „Partei der nationalen Arbeit“ (Nemzeti munkapárt), deren Vorsitz er von 1913 bis zu seinem Tode innehatte. Seine Bedeutung als ungarischer Staatsmann war aber bei weitem nicht so groß wie die als Banus von Kroatien. Auch nach seiner Rückkehr nach Ungarn beeinflußte er weiterhin die Politik in Kroatien. In Wien galt er als bester Kenner der kroatischen und südslawischen Verhältnisse überhaupt.

Literatur

Polić, Martin: Ban Dragutin grof Khuen-Héderváry i njegovo doba. Zagreb 1901.
Seton-Watson, Robert William: Corruption and Reform in Hungary. London 1911.
Kristóffy, József: Magyarország kálváriája. Budapest 1927.
Horvat, Josip: Politička povijest Hrvatske. Zagreb 1936.
I. Tóth, Zoltán: A nemzetiségi kérdés a dualizmus korában (1867-1900). In: Századok 90 (1956) 368-393.
Šidak, Jaroslav, Mirjana Gross, Igor Karaman und Dragovan Šepić: Povijest hrvatskog naroda g. 1860-1914. Zagreb 1968.

Verfasser

Béla Grolshammer (GND: 107765659)

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Empfohlene Zitierweise: Béla Grolshammer, Khuen-Héderváry von Hédervár, Károly Graf, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 401-402 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1125, abgerufen am: (Abrufdatum)

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