Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kemény, János

Kemény, János (Johann), Fürst von Siebenbürgen Januar 1661 bis Januar 1662, * Magyarbükkös (Komitat Unter-Alba; heute Bichiș) 14.12.1607, † Groß-Alisch bei Schäßburg (Nagyszőllős, heute Seleuşu Mare) 23.1.1662, aus einer siebenbürgisch- ungarischen Adelsfamilie, Sohn von Boldizsár K. und der Zsófia Tornyi.

Leben

K. studierte an der Akademie zu Gyulafehérvár und kam mit 16 Jahren als Page an den Hof des Fürsten Gabriel Bethlen. Nach Bethlens Tod (1629) schloß er sich zuerst dessen Bruder István, dann aber Georg I. Rákóczy an, der ihn 1630, nach seiner Wahl zum Fürsten von Siebenbürgen, zum Obergespan des Komitates Fejér und zum Oberkapitän der Fogarascher Burg machte. In den 1630er Jahren wurde er erster Kammerdiener, dann Rat des Fürsten, 1640 Generalissimus der siebenbürgischen Armee, vier Jahre später Oberbefehlshaber des Feldzuges gegen Kaiser Ferdinand III. Unter Georg II. Rákóczy wurde K. 1648 erster fürstlicher Rat und 1653 Oberbefehlshaber der Truppen im Feldzug gegen den Woiwoden der Moldau, Vasile Lupu. Als Rákóczy 1657 nach der polnischen Krone griff, führte K. die Siebenbürger nach Polen. Er besetzte am 16. Juni 1657 zusammen mit den verbündeten Schweden Warschau. Das Unternehmen scheiterte jedoch, und seine nach dem Friedensschluß vom 22. Juli in Richtung Siebenbürgen ziehende Armee wurde neun Tage später von den im türkischen Auftrag eingreifenden Tataren gefangen genommen. K. wurde nach Bachčisaraj an der Krim verschleppt, von wo er im August 1659 von Verwandten ausgelöst wurde. Nach dem Tode Georgs II. Rákóczy im Juni 1660 trat K. dem von den Türken bereits im September 1658 eingesetzten Fürsten Ákos Barcsay entgegen, da er die Selbständigkeit des Fürstentums nur mit habsburgischer Unterstützung gesichert sah. Nach Barcsays Abdankung (K. ließ ihn trotzdem verhaften und töten) wurde K. am 1. Januar 1661 auf dem Sächsisch Reener Landtag zum Fürsten gewählt. Die Pforte erkannte ihn aber nicht an, und Ende Juni brach eine große türkisch-tatarische Armee in Siebenbürgen ein. K., der um die Hilfe Kaiser Leopolds I. gebeten hatte, mußte bis nach dem königlichen Ungarn zurückweichen, kehrte jedoch Anfang September mit' den Truppen des kaiserlichen Generals Montecuccoli zurück. Er nahm das nördliche Siebenbürgen ein und besetzte Klausenburg. Da aber Ali Pascha von Temeschwar inzwischen Michael Apafi als Fürsten eingesetzt hatte, und so die Gefahr, Siebenbürgen könnte zu einem Paschalik gemacht werden, gebannt war, verließ Montecuccoli mit seinen Truppen das Land. K. wurde daraufhin von dem Jenöer Bey Mehmed Kuguk angegriffen, und die Schlacht bei Nagyszőllős am 23. Januar 1662 endete mit dem Sieg der Türken. K. stürzte vom Pferd und wurde im Kampf zu Tode getreten. K. verfaßte im Gefängnis der Tataren eine Autobiographie, die bis 1655 reicht. Das Werk, das eine wichtige zeitgenössische Quelle darstellt und auch als literarische Leistung wertvoll ist, wurde zusammen mit K.s Flugschriften und einer Auswahl aus seinen Briefen zuletzt in Budapest 1959 herausgegeben. Eine rhetorische Vortragsweise sowie Merkmale des Barocks kennzeichnen K.s Stil.

Literatur

Márki, Sándor: Kemény János. In: Századok 17 (1883) 401-413.
Magyari, Károly: Adatok Kemény János életéhez. In: Tört. Tár. N. F. 6 (1905) 469-497.
V. Windiscb, Éva: [Vorwort zu] Kemény János önéletírása és válogatott levelei. Budapest 1959, 2-66.

Verfasser

Kálmán Benda (GND: 119265907)


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