Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Károlyi, Gáspár
Bild: Wikimedia Commons
Wikidata: Q304346

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Károlyi, Gáspár

 Károlyi (Károli, ursprünglich Radies), Gáspár, ungarischer Schriftsteller, Bibelübersetzer und reformierter Pfarrer, * Nagykároly um 1529, † Vizsoly (Komitat Abaúj) 1591, wahrscheinlich aus einer Leibeigenenfamilie.

Leben

 K. besuchte 1555 in Wittenberg die Vorlesungen von Philipp Melanchthon. Bereits zu dieser Zeit begann er mit der Materialsammlung zu der von ihm geplanten Bibelübersetzung. Seine Studien beendete K. in der Schweiz. Im Winter 1556/57 kehrte er nach Ungarn zurück und wurde drei Jahre später Pfarrer in Gönc (Komitat Abaúj). Ab 1564 leitete er als Probst das ganze nordöstliche Gebiet von Ungarn, wo zu jener Zeit der überwiegende Teil der Bevölkerung aus Lutheranern und Kalvinisten bestand. K., ein ausgezeichneter Organisator des kirchlichen Gemeindelebens, war innerhalb des Protestantismus ein Anhänger der orthodoxen Richtung und führte bei der Verteidigung der Trinitätslehre zusammen mit dem ähnlich denkenden Péter Melius Juhász ab 1566 einen entscheidenden Kampf gegen die Unitarier. In seinem 1563 in Debreczin erschienenen Werk „Két könyv“ (Zwei Bücher) vertrat K. die Ansicht, daß die schlechte Moral und der römische Glaube für den Niedergang Ungarns verantwortlich seien. Lebhaft schilderte er dabei das Schicksal der Armen und die Grausamkeit der Reichen. 1586 begann K., unterstützt von anonymen Mitarbeitern, mit der ersten vollständigen ungarischen Bibelübersetzung. Bei der Übersetzung lagen der hebräische und griechische Urtext sowie die Vulgata zugrunde, daneben ist auch der Einfluß der Lutherschen Bibelübersetzung zu merken. K. rechtfertigte die Notwendigkeit einer Übersetzung in die Sprache des Volkes in einer ausführlichen Widmung an „die Magnaten und Kämpfer, das gemeine Volk und die Prediger“. Die materielle Unterstützung kam hauptsächlich vom Landesrichter István Báthory, einem der reichsten Magnaten des damaligen Ungarn. Báthory war es auch, der in Deutschland Papier und Buchstaben für K.s Druckerei in Vizsoly einkaufen ließ. Die vollständige Übersetzung erschien in einschließlich der Apokryphen 700-800 Exemplaren im Juli 1590. Die folgenden Auflagen wurden von Albert Szenczi Molnár und Miklós Tótfalusi Kiss herausgegeben. Wenn auch die späteren textkritischen Forschungen an zahlreichen Stellen eine Verbesserung und Modifizierung der ursprünglichen Übersetzung erforderten, blieb die K.-Bibel bis heute die von allen protestantischen Kirchen und Freikirchen benutzte Übersetzung und wurde bis 1970 in 110 neuen Auflagen herausgegeben. Jahrhunderte hindurch übte die K.-Bibel einen großen Einfluß auf die Herausbildung der ungarischen Dichtung und Prosa aus. Im Rahmen der bei den Predigern und bei dem alten protestantischen Adel üblichen Bibellesungen prägten sich K.s Stilwendungen auch in den breiten Schichten des Volkes ein.

Literatur

Károli-Emlékkönyv. Hrsg. Béla Kenessey. Budapest 1890.
Asztalos, Miklós: A wittenbergi egyetem és a magyarországi kálvinizmus. In: A Bécsi Magyar Történeti Intézet évkönyve 2 (1932) 81-94.
Révész, Imre: Magyar református egyháztörténet. Bd 1. Budapest 1938.
Károlyi emlékkönyv. A vizsolyi biblia megjelenésének háromszázötvenedik évfordulójára. Hrsg. Béla Vasady. Budapest 1940.
Horváth, János: A reformáció jegyében. Budapest 1953.

Verfasser

László Possonyi (GND: 126857636)


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