Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Karl I. von Anjou

Karl I. von Anjou, König von Neapel und Sizilien, * 1226, † Foggia 7.1. 1285, Sohn König Ludwigs VIII. von Frankreich und der Bianca von Kastilien. 1246 heiratete er Beatrice von der Provence und wurde so Graf der Provence und von Forqualquier.

Leben

 1248 nahm K. an der Seite seines Bruders Ludwig IX. (des Heiligen) von Frankreich am 6. Kreuzzug gegen Ägypten teil, geriet in Gefangenschaft und kam nach Entrichtung eines hohen Lösegeldes wieder frei. 1263 wurde er von Papst Urban IV. mit dem Königreich Neapel-Sizilien belehnt. Am 6. Januar 1266 in Rom feierlich gekrönt, schlug er am 26. Februar seinen Widersacher Manfred bei Benevent. 1268 bereitete er bei Tagliacozzo dem letzten Stauferfürsten, Konradin, eine Niederlage, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Kaum in seinem neuen Königreich etabliert, nahm K. auch schon die antibyzantinische Ostpolitik der Stauferkönige wieder auf. Für das soeben wiederhergestellte byzantinische Reich wurde er ein gefährlicher Gegner: Bereits am 27. Mai 1267 hatte er in Viterbo in Gegenwart des Papstes mit dem aus Konstantinopel vertriebenen lateinischen Kaiser Balduin II. ein Bündnis und einen Vertrag über die Aufteilung des noch zu erobernden oströmischen Kaiserreiches geschlossen. K. sollte danach auf ewige Zeiten die Lehensoberhoheit über Achaia, das Despotat Epirus und die Ionischen Inseln bekommen. Bekräftigt wurde dieses Bündnis durch die Heirat von Balduins Sohn Philipp mit Beatrice, der Tochter K.s (15.10. 1273). Der Fürst von Achaia, Wilhelm von Villehardouin, beeilte sich auch sofort, dem neuen Oberlehensherrn zu huldigen. Mit 400 Rittern erschien er in Apulien, beteiligte sich am Kampf gegen Konradin und hatte am Sieg von Tagliacozzo entscheidenden Anteil. Auf dem Balkan selbst fand K. bald noch weitere Bundesgenossen für seine gegen Byzanz gerichteten Pläne - sowohl der Bulgarenzar Konstantin Tich als auch der Serbenkönig Uros I., der mit einer französischen Prinzessin (Helena) verheiratet war, nahmen Verbindung zu ihm auf. Michael VIII. Palaiologos wußte um die Gefahr, die Byzanz von einer balkanischen Koalition im Bunde mit K. drohte. Er versuchte auf diplomatischem Wege den Papst (Klemens IV.) zu gewinnen, indem er ihm Unionsverhandlungen vorschlug. Als Klemens IV. dann 1268 starb, fand er Unterstützung bei K.s Bruder Ludwig IX. von Frankreich. Auch Ludwig dem Heiligen war nämlich mehr an einer Kirchenunion und an der Befreiung des Heiligen Landes gelegen als an der Eroberung des oströmischen Reiches, wie sie K. zweifellos anstrebte. Ludwig verstand es, seinen Bruder vom Kampf gegen Byzanz abzuhalten, 1270 mußte ihm K. in den 7. Kreuzzug nach Tunis folgen. Als Ludwig IX. dort kurz nach der Ankunft starb, hatte K. die Hände auf dem Balkan wieder frei. 1271/72 schickte er Truppen nach Morea, um die Byzantiner, die dort in der Zwischenzeit militärische Fortschritte ge- madit hatten, zurückzuwerfen, was ihm auch gelang. Zur gleichen Zeit festigte er seine Position auf dem Balkan durch eine Heiratsverbindung: Am 28. März 1271 heiratete K.s zweiter Sohn Philipp in Trani Isahella von Villehurdouin. Isahella war erbberechtigt, nach dem Tode ihres Vaters würde Achaia in den unmittelbaren Besitz der Anjou übergehen. Das geschah dann auch, als Wilhelm von Villehardouin 1278 starb. Da sein Schwiegersohn Philipp von Anjou bereits 1277 verstorben war, nahm K. den Fürstentitel von Achaia an und ließ das Land durch Bailos, die in zweijährigen Abständen wechselten, verwalten. Zugleich mit Achaia hatte K. auch versucht, auf Korfu und in Albanien Fuß zu fassen und auch hier das Erbe Manfreds anzutreten. Korfu wurde ihm bereits am 20. März 1267 von Garnier Aleman, dem Nachfolger von Manfreds dortigem Statthalter Filippo Chinardo, übergeben. Aleman wurde zum neapolitanischen Generalkapitän ernannt und begann, auch das epirotisch-albanische Küstengebiet zu erobern. Valona, Kanina, Berat und schließlich auch Durazzo wurden anjouvinisch. Am 21. Februar 1272 proklamierte K. von Neapel aus das „Regnum Albaniae“, zu dessen König er sich erklärte. Dieses „Regnum Albaniae“ umfaßte ein Gebiet, das etwa im Dreieck zwischen Durazzo - Berat - Valona lag. Es wurde von Generalkapitänen regiert, die ihren Sitz in Durazzo hatten. Die Verwaltungsbeamten waren ausschließlich Franzosen und Italiener, die anjouvinischen Truppen in Albanien zumeist sarazenische Söldner. K. versuchte aber auch, die albanischen Stammes- und Clanführer zu gewinnen, indem er ihnen Lehen und byzantinisch klingende Ehrentitel gab, wie „sevasto“ oder „savasto“; viele später bekannte albanische Adelsgeschlechter (wie Gropa, Muzaki, Skura, Jonima, Arianiti u. a.) tauchen in dieser Zeit das erste Mal in den Quellen auf. Einen Rückschlag für die Balkanpolitik K.s bedeutete es, als Michael VIII. gegen den Widerstand eines großen Teils der byzantinischen Geistlichkeit die Kirchenunion durchsetzte. Auf dem Konzil von Lyon wurde am 6. Juli 1274 dieser Schritt feierlich vollzogen. Auf Druck Papst Gregors X. hin mußte K. mit Byzanz Waffenstillstand schließen. Das für ihn so hinderliche Bündnis Papst-Byzanz dauerte an, bis 1281 mit dem Franzosen Martin IV. ein Mann auf den Stuhl Petri kam, der sich ganz in den Dienst der anjouvinischen Eroberungspolitik stellte. Mit seiner Zustimmung schlossen K., der lateinische Titularkaiser Philipp und Venedig am 3. Juli 1281 in Orvieto einen Vertrag, der den Sturz der Palaiologen und die Wiederherstellung des lateinischen Kaiserreiches beinhaltete. Martin IV. erklärte gleichzeitig Michael VIII. zum Schismatiker und für abgesetzt. Die antibyzantinische Front auf dem Balkan wurde wiederbelebt: Zwischen Johannes I. Angelos von Thessalien, dem Serbenkönig Milutin, dem bulgarischen Zaren Georgi I. Terter und K. kam es zum Bündnis. Schon war Skopje von den Serben genommen, als eine Wende in den Ereignissen eintrat, die K. wohl nicht vorausgeahnt hatte. Byzanz konnte wieder einmal einen diplomatischen Triumph feiern: Geschürt von Aragon und von Byzanz finanziell unterstützt, brach in Sizilien ein Aufstand aus, der die anjouvinische Herrschaft in kurzer Zeit hinwegfegte, die „Sizilianische Vesper“ vom 31. März 1282. Peter von Aragon wurde Herr von Sizilien, K. mußte sich auf das süditalienische Festland beschränken und seine Balkanpläne aufgeben, zumal auch Venedig sich jetzt wieder Byzanz anzunähern versuchte.

Literatur

Geanakoplos, Deno John: Emperor Michael Palaeologus and the West 1258-1282. A Study in Byzantine-Latin Relations. Cambridge, Mass. 1959 (mit Bibliographie).
Runciman, Steven: Die Sizilianische Vesper. Eine Geschichte der Mittelmeerwelt im Ausgang des dreizehnten Jahrhunderts. München 1959 (mit Bibliographie).

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

GND: 118640100


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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Karl I. von Anjou, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 360-362 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1098, abgerufen am: (Abrufdatum)

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