Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Combefis, François

Combefis, François, französischer Byzantinist, * Marmande November 1605, † Paris 23.05.1679.

Leben

C. studierte am Jesuitenkolleg in Bordeaux und trat im Juli 1624 in den Dominikanerkonvent der Stadt ein. Nach der Ablegung des Ordensgelübdes am 24. Juli 1625 lehrte C. Philosophie und Theologie, anfangs in Südfrankreich, ab 1640 in Paris im Kloster Saint-Honoré. Er benutzte seinen Pariser Aufenthalt zum Besuch der Bibliotheken und zum Studium alter Manuskripte für seine hellenistischen Forschungen. Seine dokumentarischen Leistungen fanden Anerkennung: 1656 beauftragte ihn die „Assemblée du clergé de France“ mit der Herausgabe der griechischen Kirchenväter und gewährte ihm 500, später 1000 Tourische Franken im Jahr. Finanziell derart gesichert, konnte C. zahlreiche Manuskripte erwerben oder solche kopieren lassen, um sie zu vergleichen und seiner Kritik zu unterziehen. Er zählte bedeutende Persönlichkeiten zu seinen Gönnern, wie die beiden Kardinale Barberini (Francesco und Antonio), die Familie Gondi und den Kardinal Jules Mazarin. Außerdem unterhielt er eine rege Korrespondenz mit Leon Allatius, Jean Bolland, Gerasimos Vlachos und Daniel Papebroek.
C. hinterließ ein beachtliches hellenistisches Werk, das Studien, kritische Texteditionen und Übersetzungen umfaßte. Sein leidenschaftlicher Glaube und seine scharfe Kritik ließen ihn Verfolgungen von der Obrigkeit nicht fürchten. So wandte er seine Aufmerksamkeit den christologischen Problemen des 5. und 6. Jh.s zu und veröffentlichte 1648 eine „Histoire de l’hérésie monothélite“, die wegen des neutralen Standpunktes, den er darin vertrat, und wegen seiner Bestrebung, den Gegenstand im Rahmen der Geschichte des byzantinischen Ostens und seiner Beziehung zur kaiserlichen Politik zu behandeln, bei den Zensoren von Anfang an nur wenig Anerkennung fand. 1662 wurde dieses brillante Werk auf den Index gesetzt, jedoch ohne weitere Folgen für den Autor. C.s bedeutendstes Werk blieb die Edition der Kirchenväter: die gesamten Werke des Amphilochios, Methodios und Andreas von Kreta (1644) und vor allem die „Bibliothèque des Extraits de Pères“, eine kritische Ausgabe in 8 Foliobänden (1662), der 1672 zwei weitere folgten. Schließlich wandte C. sein Interesse der „Chronographie“ des Theophanes zu und veröffentlichte 1655 die Leon Grammatikos zugeschriebenen „Kaiserbiographien“. Sein letztes größeres Werk war die Herausgabe der Werke des hl. Basilius in zwei mit kritischen Anmerkungen reich versehenen Bänden (1679).

Literatur

Halkin, François: Le Synaxaire grec de Chifflet retrouvé à Troyes. Appendice: Témoignages des premiers bollandistes sur leur passage en Bourgogne et à Paris. In: Analecta Bollandiana 65 (1947) 71-106.
Haussig, Hans-Wilhelm: Kulturgeschichte von Byzanz. Stuttgart 1966(2). = Kröners Taschenausgabe. 211. (Franz. Übers. J. Decarreaux. Paris 1971.)
Lemerle, Paul: Le premier humanisme byzantin. Paris 1971.
Thamizey de Larroque, Philippe: Notice sur la ville de Marmande. Paris 1972.

Verfasser

Freddy Thiriet (GND: 1055767819)

GND: 128927453

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd128927453.html


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   

Empfohlene Zitierweise: Freddy Thiriet, Combefis, François, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 322-323 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=674, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos