Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Bayar, Mahmud Celal
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Bayar, Mahmud Celal

Bayar, Mahmud Celai, türkischer Politiker und Wirtschaftsfachmann, * Umurbey bei Bursa 1884 (15.05. 1883 ?), Sohn des aus Plevna (Bulgarien) rückgewanderten Schulrektors Fehmi und seiner Gattin Emine.

Leben

Nach seiner Schulzeit in Gemlik trat B. als Zwanzigjähriger eine Stelle bei der türkischen Landwirtschaftsbank zu Bursa an und erhielt später die Prokura bei der Bursa-Zweigstelle der Deutschen Orientbank. Er schloß sich der jungtürkischen Bewegung an, in der er seit 1908 führende Stellungen bekleidete. 1919 kämpfte er im Raum von Izmir gegen die Griechen, wurde im Januar 1920 Abgeordneter von Manisa im Istanbuler Parlament und schlug sich dann zu den Kemalisten nach Ankara durch. Dort wurde er als Abgeordneter von Saruhan Wirtschaftsminister und im April 1922 interimistischer Außenminister, im März 1924 als Abgeordneter von Izmir Minister für Bevölkerungsaustausch, d. h. Austausch der anatolischen Griechen gegen die Türken in Griechenland.
Am 20. August 1924 gründete B. im Auftrag Mustafa Kemals die Türkiye-Iş-Ban-kasi (Türkische Arbeitsbank), der juristischen Form nach privates Wirtschaftsunternehmen, die neben der Landwirtschaftsbank das wichtigste Finanzierungsinstitut des türkischen Wirtschaftsaufbaus im ersten Jahrzehnt der Republik wurde. Seit 1932 Wirtschaftsminister, hatte er maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufbau des Landes (Aufstellung des ersten türkischen Fünfjahresplanes von 1933).
1937 wurde B. anstelle von Ismet Inönü durch Atatürk zum Ministerpräsidenten ernannt und anscheinend auch als Nachfolger ins Auge gefaßt, doch unterlag er in den internen Auseinandersetzungen um die Nachfolge Atatürks bei dessen Tode (1938).
Am 17. September 1945 trat B. aus der „Republikanischen Volkspartei“ aus und begründete 1946 die „Demokratische Partei“, deren Präsident er wurde. Nach dem Wahlsieg der „Demokratischen Partei“ am 14. Mai 1950 wurde B. als Nachfolger Inönüs Staatspräsident. Beim Militärputsch am 27. Mai 1960 (Sturz Menderes’) wurde er verhaftet und im September 1961 beim Prozeß auf der Insel Yassiada zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Frage seiner 1964 erfolgten Haftentlassung wurde zum Gegenstand lebhafter innenpolitischer Auseinandersetzungen. 1966 wurde er begnadigt.

Literatur

Rummel, Friedrich von: Die Türkei auf dem Weg nach Europa. München 1952.
Herzlich willkommen in Bonn! In: Mitt. dt.-türk. Ges. 5 (1958) 21, 1-3.
Kienitz, Friedrich Karl: Türkei. Anschluß an die moderne Wirtschaft unter Kemal Atatürk. Hamburg 1959.

GND: 118849697

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd118849697.html


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Empfohlene Zitierweise: Friedrich Karl Kienitz, Bayar, Mahmud Celal, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 163 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=540, abgerufen am: (Abrufdatum)

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