Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vramec, Antun

Vramec, Antun, kroatischer kajkavischer Schriftsteller, katholischer Pfarrer und Kanonikus, * bei Friedau (Ormož, Untersteiermark) 1538, † Waraschdin erste Hälfte 1587.

Leben

V. ist der erste kroatische Historiograph, der sich der Volkssprache bediente. Wo er seine Kindheit verbrachte bzw. wo er die Schule besuchte, konnte bisher nicht festgestellt werden; auch über seine Eltern ist nichts bekannt. Er studierte Philosophie und Theologie in Wien und Rom und war in den Jahren 1565-1567 Kaplan am Institut des Hl. Hieronymus. 1567 erwarb er das Doktorat der Theologie, kehrte anschließend nach Hause zurück und wurde 1568 Kanoniker in Zagreb. Ab 1575/76 fungierte er zugleich als Pfarrer in der Pfarre des Hl. Markus und um 1578 in Brezice. Als studierter Theologe und rechtskundiger Mann übte V. auch andere Funktionen aus; so war er Vertreter des Domkapitels beim Banus Juraj Drašković, Gesandter des Banus, königlicher Kommissar und Vorsitzender des Banalgerichtes. Unter anderem kam er im Rahmen der ihm übertragenen Aufgaben auch mit Herzog Christoph von Württemberg und Hans Ungnad in Verbindung, die damals an der Verbreitung protestantischer Schriften unter den Südslawen arbeiteten. Am Beginn der Reformation in Kroatien hatte V. geheiratet, was damals nicht ungewöhnlich war, doch geriet er später in den Verdacht, sich der Reformation anschließen zu wollen, und verlor seine Vorzugsstellung (1582). 1583-1584 war er Pfarrer in Stenjevec und 1584-1587 in Waraschdin.
Im Jahre 1578 veröffentlichte V. in Laibach seine „Kronika vezda znovich zpravliena kratka szlouenzkim iezikom“ (Kurze nunmehr neu angefertigte Chronik in slowenischer Sprache) im kajkavischen Dialekt. In Kroatien und Slawonien existierte in dieser Zeit noch keine Druckerei; zwar gab es ab 1574 in Nedelišće bei Marburg eine Druckerei, die dem Grafen Juraj Zrinski (György Zrinyi) gehörte und zu deren Führung Rudolf Hofhalter aus Ungarn berufen worden war. Da jedoch in dieser Druckerei 1574 ein Büchlein von Mihaj Bučić erschienen war, das von einer Zagreber Synode für kalvinisch erklärt wurde, verschloß sich V. vorerst diese Möglichkeit. Die Chronik beinhaltet in sechs Abschnitten die Geschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Jahre 1578, wobei die allgemeine Geschichte mit der Landesgeschichte verbunden ist. Als Grundlage für dieses Werk dienten V. unter anderem die Chroniken von Giacomo Filippo Foresti, Hartmann Schedel, Bar tolomeo Sacchi ( Platina ) und Abraham Baksay (Bakschay)· Neben seiner Chronik hat V. ebenfalls in Kajkavisch 1586 in Waraschdin sein Werk „Postilla“ veröffentlicht, das zwei Postillen enthält und als eine Art Handbuch für den Predigtdienst gedacht war.

Literatur

Radić, P. v.: Über des Anton Vramecz „Chronika vezda“. In: Mittheilungen des historischen Vereines für Krain 16 (1861) 84-89.
Klaić, Vjekoslav: Antun Vramec i njegova djela (1538-1587). In: Monumenta spectantia Slavorum Meridionalium 31 (1908) I-LII. [Dieser Band der Monumenta enthält auch die von Klaić besorgte Edition der Chronik von Vramec.].
Barlé, Janko: Još nekoliko podatka za životopis Antuna Vramca. In: Vjesnik kr. hrvatsko-slavonsko-dalmatinskoga zemaljskoga arhiva 15 (1913) 81-91.
Radojčić, Nikola: O izvorima Vramčeve kronike. In: Rad JA 235 (1928) 26-49.
Jembrih, Alojz: Antun Vramec in seiner Zeit. Beiträge zur älteren serbokroatischen Literaturgeschichte und historischen Dialektologie. (Diss.) Wien 1976.
Ders·: Auf den Spuren von Antonius Vramec in Wien. In: Österr. Osth. 20 (1978) 459-471.

Verfasser

Manfred Stoy (GND: 1125126671)


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