Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Bánffy, Dezső Baron
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Bánffy, Dezső Baron

Bánffy, Dezső (Desider) Baron, ungarischer Staatsmann, * Klausenburg 28.10. 1843, † Budapest 23.05. 1911.

Leben

B. begann als exponiertes Mitglied der Liberalen Partei und begeisterter Anhänger des Ministerpräsidenten Kálmán Tisza als Obergespan in Siebenbürgen (Komitat Inner-Szolnok bzw. nach der Umorganisation der Komitate 1878 Szolnok-Doboka) seine politische Karriere. Er unterdrückte hier schonungslos die Nationalitätenbewegung der Rumänen und die politische Opposition. 1892 wurde B. Präsident des Abgeordnetenhauses, vom 14. Januar 1895 bis 26. Februar 1899 amtierte er als Ministerpräsident. Sein Programm war, den ungarischen Nationalstaat mit Unterstützung der Dynastie und im Rahmen des Dualismus auszubauen und zu festigen. Seine Regierungszeit war gekennzeichnet durch die gewaltsame Magyarisierung der Nationalitäten, Unterdrückung der agrarsozialistischen Bewegung und die in Mitteln nicht wählerische Wahlkampagne von 1896. Durch das berüchtigte „Sklavengesetz“ (Gesetzartikel 2 vom Jahre 1898) ließ er die Arbeiter - hauptsächlich Landarbeiter - durch Gewalt zur Arbeit zwingen und jegliche Streikbewegung für strafbar erklären. Seine Regierung geriet infolge parlamentarischer Obstruktion der auf ihn wütenden Opposition in das „ex-lex“-Stadium, weshalb B. abdanken mußte. Nachher wurde er zum Oberhofmeister ernannt. Bis 1904 schrieb er zahlreiche Artikel und Studien über die nationale Frage und er verlangte die Stärkung der einheitlichen und unteilbaren ungarischen Nation. 1904 dankte er als Oberhofmeister ab, gründete die oppositionelle „Neue Partei“ (Új Párt) und kämpfte als Abgeordneter der Stadt Szegedin gegen die Politik von Graf Stefan Tisza. Am 21. Juni 1905 rief er als Mitglied des „Leitenden Ausschusses“ (Vezérlő bizottság) der vereinigten Opposition die Komitate zum Widerstand gegen die Fejérváry-Regierung auf. 1906 verließ er die Koalition und setzte sich für die wirtschaftliche Unabhängigkeit Ungarns und eine Wahlreform ein. Er leitete die Liga für das allgemeine Wahlrecht. B. war langjähriger Oberkurator des kalvinistischen Kirchendistriktes Siebenbürgen. Er gilt als der typischste Vertreter des praktischen ungarischen politischen Chauvinismus.

Literatur

Bánffy Dezső nemzetiségi politikája. Budapest 1899.
Bíró, Lajos: Bánffy. In: Huszadik Század 23 (1912) 722-723.

Verfasser

László Révész (GND: 137536054)

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Empfohlene Zitierweise: László Révész, Bánffy, Dezső Baron, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 132-133 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=509, abgerufen am: (Abrufdatum)

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