Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Pikolo, Nikola Sava

Pikolo, Nikola Sava, bulgarischer Wissenschaftler, * Veliko Tŭrnovo 15.11.1792, † Paris 16.03.1865, Sohn des begüterten Kaufmanns Sava Hadži Ilija.

Leben

P. erhielt seine Ausbildung an der von Konstantin Vardalach geleiteten berühmten griechischen Akademie (Bejskata Akademija) „Sf. Sava“, wo Atanas Bogoridi, der Bruder von Stefan Bogoridi, sein Lehrer war. Als im Juli 1810 der Metropolit Ignatios die „Griechisch-dakische literarische Gesellschaft“ gründete, gehörte P. bereits zu deren Gründungsmitgliedern. 1811 war er Französischlehrer an der fürstlichen Akademie, 1815-1818 dozierte er Geschichte an der griechischen Hochschule auf der Insel Chios. Von 1818 bis 1820 arbeitete er als Dramaturg am griechischen Theater in Odessa. Ebenfalls in Odessa war 1814 die griechische Geheimgesellschaft „Filiki Eteria“ (Bund der Freunde) gegründet worden, die einen Aufstand der Griechen gegen die Türken vorbereitete. 1820 übernahm Fürst Alexandros Ipsilantis die Leitung der „Filiki Eteria“, und 1821 ging P. für sie nach London, um unter der britischen Öffentlichkeit für die griechische Sache zu werben.
Von 1823 bis 1827 war P. Professor für Philosophie an der Universität auf der Insel Korfu, später ging er nach Pisa, wo er 1829 ein Medizinstudium beendete. Im Juni 1831 hielt P. sich in Istanbul auf und versuchte, über Stefan Bogoridi - seinen ehemaligen Mitschüler an der „Sf. Sava“, der inzwischen zum außenpolitischen Berater des Sultans aufgestiegen war - zwischen dem Sultan und den bulgarischen Emigranten in der Walachei zu vermitteln. Gleichfalls 1831 wurde P. Arzt in Bukarest und Oberinspektor der Schulen und Krankenhäuser der Stadt. 1839 siedelte er nach Paris über, von wo aus er für die nationalen Belange des bulgarischen Volkes wirkte. Wie Beron mit Kotel, so unterstützte P. die Schulen seiner Geburtsstadt Veliko Tŭrnovo mit Geldzuwendungen und Büchersendungen. Speziell nach dem Pariser Friedensvertrag zwischen Rußland und der Türkei von 1856 entwickelte P. eine rege publizistische Tätigkeit, um immer wieder die Forderung nach der bulgarischen Autonomie zu erheben. Gleichzeitig machte sich P. einen Namen durch zahlreiche französisch und griechisch verfaßte wissenschaftliche Arbeiten aus dem Gebiet der klassischen Philologie. Historisch bedeutsam ist noch seine Studie „Paul Kisseleff et les principautéss de Valachie et de Moldavie“, die 1841 in Paris erschien (Nachdruck Wien 1910).

Literatur

Beševliev, Veselin: D-r Nikola S. Pikolo kato klasik filolog. Sofija 1941. = God.Sof. Univ., istoriko-filologičeski fakultet. 37/3.
D-r Nikola S. Pikolo. Izsledvanija i novi materiali, izdadeni po slučaj sto godini ot smŭrtta mu (1865-1965). Sofija 1968.
Velichi, Constantin N.: La contribution de l’émigration bulgare de Valachie à la renaissance politique et culturelle du peuple bulgare (1762-1850). Bucarest 1970.
Beševliev, Veselin: Proizchod i pŭrvi stŭpki na d-r Nikola S. Pikolo. In: Studia balcanica 2 (1970) 187-204.

Verfasser

Wolf Oschlies (GND: 107216760)


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