Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Barbara von Cilli

Barbara von Cilii (Cillei Borbála), Königin von Ungarn und Böhmen, deutsche Königin, * 1392, † Melnik 11.07.1451, Tochter von Hermann II. Graf von Cilli und der Anna Gräfin von Schaunberg.

Leben

B. wird bereits 1406 als Gemahlin König Sigismunds und Königin von Ungarn bezeichnet, obwohl die Ehe erst 1408 geschlossen wurde. Sigismund zog B. bald zu Regierungsgeschäften heran und übertrug ihr während seiner Abwesenheit 1412 bis 1414 und 1416-1418 die Regierung in Ungarn. Am 8. November 1414 wurde B. zur deutschen Königin gekrönt und begleitete ihren Gatten auf das Konstanzer Konzil. 1419 soll es zu einem schweren Zerwürfnis mit Sigismund gekommen sein, worauf der König B. und ihre Tochter Elisabeth über ein Jahr lang verbannte. Nach der Aussöhnung führte B. seit 1420 den Titel einer Königin von Böhmen, seit 1433 den der Kaiserin und wurde 1437 zur Königin von Böhmen gekrönt. Obwohl B. zuerst eine erbitterte Gegnerin der Hussiten war, konspirierte sie als Statthalterin von Böhmen kurz vor dem Tode Sigismunds mit der Utraquistenpartei gegen die Thronfolge ihres Schwiegersohnes Albrecht, um sich selbst die Macht zu sichern. Deshalb verfügte noch Sigismund ihre Verhaftung, und Albrecht II. hielt sie dann in Preßburg gefangen. Nach ihrer Freilassung floh B. - trotz äußerlicher Aussöhnung mit Albrecht - sofort nach Polen, um den jungen Kasimir als Gegenkönig in Böhmen zu unterstützen. Auf die Nachricht von Albrechts Tod kehrte B. 1441 nach Böhmen zurück und nahm in Melnik ihren Witwensitz. Von hier übte sie einen bedeutenden Einfluß auf Hynce Ptaček von Pirkstein, den Führer der Utraquistenpartei, und nach dessen Tod auch auf Georg von Kunstatt auf Podiebrad aus.
Nach ihrem Tod wurde B. nach Prag überführt und in der Königsgruft beigesetzt. Während Enea Silvio vor allem B.s zügellosen und lasterhaften Lebenswandel anprangert, darf man gewisse positive Eigenschaften bei ihr nicht übersehen: sie war von außerordentlicher Schönheit, besaß auch politisches Geschick und einen scharfen Geist, der sie freilich immer zu Intrigen verleitete.

Literatur

Aschbach, Joseph: Geschichte Kaiser Sigismunds. 4 Bde. Hamburg 1838/45.
Krones, Franz: Die Freien von Saneck und ihre Chronik als Grafen von Cilii. Graz 1883.
Wostry, Wilhelm: König Albrecht II. (1437-1439). 2 Bde. Prag 1906/07. = Prager Studien aus dem Gebiete der Geschichtswissenschaft. 12. 13.
Chilian, Hans: Barbara von Cilii. (Diss. Leipzig) Borna, Leipzig 1908.

Verfasser

Heinz Dopsch (GND: 122952197)


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