Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Horea

Horea (eigentlich Vasile Ursu Nicola), rumänischer Bauernführer in Siebenbürgen, * um 1730, † (hingerichtet) Karlsburg (Alba Iulia) 28.02.1785.

Leben

H. war Leibeigener auf der königlichen Domäne in Albac bzw. Arada (damals zu Albac gehörig) bei Zlatna. Als Wortführer der rumänischen Bauern war er 1779-1784 bereits viermal Mitglied von Delegationen gewesen, die am Hof die Beschwerden der Bauern vortrugen; er wurde dabei selbst vom Kaiser empfangen. Die Bauern baten um Abschaffung der Übergriffe und Verminderung ihrer Abgaben. Da eine Abhilfe ausblieb, kam es am 2. November 1784 zum Aufstand der Bauern, an dessen Spitze sich H. stellte. Ion Cloşca und Gheorghe Crişan, beide Bauern aus Cărpiniş (Komitat Temesch), standen ihm zur Seite. Die Empörung breitete sich schnell über mehrere Komitate aus und drohte die gesamte Leibeigenschaft Siebenbürgens zu ergreifen. Einige Hundert adelige Höfe und Häuser wurden zerstört oder gingen in Flammen auf, beim Adel wurden etwa 150, bei den Bauern etwa 400 Opfer verzeichnet. Endziel des Aufstandes war die Befreiung von der Leibeigenschaft. In ihrem letzten Aufruf an den Adel am 11. November forderten die Aufständischen die Abschaffung der Adelsprivilegien und die Aufteilung der Güter unter dem gemeinen Volk. Der Aufstand wurde mit Hilfe der kaiserlichen Armee unterdrückt und H. und Cloşca am 27. Dezember 1784, Crişan am 30. Januar 1785 gefangen genommen. Sie wurden in Karlsburg eingekerkert; Leiter der kaiserlichen Untersuchungskommission war Graf Antal Jankovich. Crişan beging im Gefängnis Selbstmord, das Urteil wurde an seinem leblosen Körper vollzogen. H. und Cloşca wurden am 28. Februar 1785 vor der Karlsburger Burg in Anwesenheit einiger Tausend Bauern gerädert.
Die Folgen des Aufstandes zeigen sich in den nachfolgenden kaiserlichen Reformen, vor allem im kaiserlichen Patent vom 22. August 1785, das die Leibeigenschaft für Siebenbürgen aufhob. Der Name Horea blieb Fanal nicht nur in den späteren Kämpfen des Bauerntums, sondern auch für die Befreiung des rumänischen Volkes im allgemeinen.
Der Aufstand fand in Zeiten großer europäischer Umwälzungen statt und hatte auch in der Presse Westeuropas ein großes Echo gefunden. Jacques-Pierre Brissot, der spätere Führer der Girondisten, verteidigte H. und das Recht des Volkes in einem an Joseph II. gerichteten offenen Brief (Dublin 1785).

Literatur

Densuşianu, Nicolae: Revoluţiunea lui Horea în Transilvania şi Ungaria 1784-1785. Bucureşti 1884.
Prodan, David: Răscoala lui Horea în comitatele Cluj şi Turda. Bucureşti 1938.
Beu, Octavian: L’empereur Joseph II et la révolte de Horia. Sibiu 1944.
Daicoviciu: Bd 3, S. 744-791.

Verfasser

David Prodan (GND: 119343444)


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