Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Heydendorff

Heydendorff, siebenbürgisches Adelsgeschlecht, dessen ältester nachweisbarer Ahn, Dionisius Conrad aus Nürnberg, nach der Schlacht bei Mohács (1526) zur Zeit der Thronstreitigkeiten zwischen König Ferdinand I. und Johann Szapolyai als kaiserlicher Soldat nach Siebenbürgen kam und im Lande blieb. Ein Nachkomme von ihm, Andreas Conrad, zeichnete sich als Bürgermeister und Stadthauptmann von Bistritz bei der Erstürmung der Festung Tokaj 1613 aus und wurde noch während der Schlacht vom Fürsten Gabriel Báthory geadelt.

Leben

Samuel Conrad von H., siebenbürgischer Verwaltungsbeamter und Gubernialrat, * Bistritz 9.03.1647, † Mediasch 23.07.1727, Enkel Andreas Conrads.
Samuel Conrad trat in Mediasch in den Verwaltungsdienst ein, zuerst als Notar, stieg dann später zum Senator, Bürgermeister und Königsrichter von Stadt und Stuhl Mediasch, schließlich auch zum siebenbürgischen Gubernialrat auf. Er hatte sich in einer Epoche zu behaupten, in der die Entscheidungen um den Besitz Siebenbürgens zwischen Habsburg und der Pforte fielen, wobei die Türken es wiederholt verstanden, siebenbürgisch-ungarische Hilfstruppen - z. B. unter Imre Thököly - für sich zu gewinnen. Diese belagerten einmal sogar Mediasch. Die Standhaftigkeit des Bürgermeisters wurde nach dem Entsatz der Stadt durch ein Reiterheer des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden belohnt: Kaiser Leopold I. erhob Samuel Conrad am 26. März 1696 in den deutschen Reichsritterstand mit dem Prädikat „Edler von Heydendorff“ und verlieh dem Geschlecht ein neues, erweitertes Adelswappen.
Es spricht für das große Ansehen dieses ersten „Heydendorff“, daß, als außer ihm alle Mitglieder des siebenbürgischen Guberniums durch die Pest dahingerafft wurden, Kaiser Joseph I. ihn - als ersten Siebenbürger Sachsen - mit den Machtvollkommenheiten eines Gubernators ausstattete. Die Nobilitierung einer seiner Schwiegersöhne, des Leschkircher Königsrichters Michael Breckner, unter Verleihung des Prädikats „von Brukenthal“ (1724), dürfte aus ähnlichen Gründen erfolgt sein. Das war wiederum für den politischen Aufstieg seines Sohnes Samuel von Brukenthal, des späteren sieben- bürgischen Gubernators unter Maria Theresia, nicht ohne Bedeutung.
Michael Conrad von H. d. Ä., siebenbürgischer Verwaltungsbeamter und Politiker, * Mediasch 26.11.1730, † ebd. 10.11.1821, Enkel Samuel Conrads von H.
Michael Conrad von H. d. Ä. war Notar, Senator, Königsrichter und Bürgermeister von Mediasch sowie Mitglied der sächsischen Nationsuniversität und des siebenbürgischen Landtages. Er verfaßte eine Autobiographie von 900 Druckseiten (mitgeteilt von Rudolf Theil 1876-1883 im „Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde“), die als wichtige Quelle für die Geschichte Siebenbürgens in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s geschätzt wird. Zu den interessantesten Teilen dieser Aufzeichnungen gehört die Beschreibung der Reise Kaiser Josephs II. im Mai 1773 durch Siebenbürgen, bei welcher Gelegenheit Michael Conrad von H. den Mitregenten Maria Theresias durch den Mediascher Stuhl begleitete. Auch die über seinen Vetter Brukenthal und viele andere bedeutende Persönlichkeiten der Zeit von ihm gezeichneten Porträts und erzählten Episoden besitzen Quellenwert.
Michael Conrad von H. d. Ä., siebenbürgischer Verwaltungsbeamter, * Mediasch 9.04.1769, † ebd. 29.08.1857, Sohn von Michael Conrad von H. d. Ä.
Michael Conrad von H. d. J. folgte dem Beispiele seines Vaters nicht nur in beruflicher Hinsicht, indem auch er sich dem öffentlichen Dienst als Verwaltungsbeamter seiner Vaterstadt bis hinauf zur höchsten Stufe eines Bürgermeisters verschrieb, sondern auch darin, daß er ein ähnlich umfangreiches, „Tagebuch“ genanntes, Nachlaßwerk wie sein Vater hinterließ, das allerdings niemals gedruckt worden ist. Er begann es bereits mit 17 Jahren (1786) und setzte es bis in sein hohes Alter (1857) fort. Die Gründung des Vereins für siebenbürgische Landeskunde 1840 im Rathaus von Mediasch unter seinem Vorsitz findet sich darin ebenso verzeichnet wie zahlreiche Verhandlungen der sächsischen Nationsuniversität in Hermannstadt oder des siebenbürgischen Landtages in Klausenburg, an denen er teilnahm. Einen weiten Raum nimmt die Darstellung der Ereignisse um das Jahr 1848 in Siebenbürgen ein. Die Auswertung des Tagebuches für die Historiographie steht noch bevor.
Die H. hielten an der Tradition der sächsischen evangelischen Kirche trotz der Verlockungen der Gegenreformation fest. Sie bejahten das Zusammenleben mit den nichtdeutschen Völkern Siebenbürgens, deren Sprache sie beherrschten, und trachteten mit vielerlei Mitteln, ein siebenbürgisches Selbstverständnis herbeizuführen. Der ausgeprägte Familiensinn und das Fehlen jeglichen Adelsstolzes der H. verdienen noch Beachtung.

Literatur

Gross, Julius: Zur Geschichte der Heydendorffschen Familie. In: Arch. Ver. siebenbürg. Landeskde. N. F. 24 (1892) 233-246.
Seraphin, Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Aus den Briefen der Familie von Heydendorff (1737-1853). In: Arch. Ver. siebenbürg. Landeskde. N. F. 25 (1894), 750 Seiten. [Briefe nur bis 1800!]
Folberth, Otto: Ein unveröffentlichtes Tagebuch des Michael Conrad von Heydendorff d. J. In: Südostdt. Arch. 3 (1960) 129-131.

Verfasser

Otto Folberth (GND: 116646683)

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Empfohlene Zitierweise: Otto Folberth, Heydendorff, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 158-159 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=959, abgerufen am: (Abrufdatum)

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