Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Heister, Siegbert Graf

Heister, Siegbert Graf (vor 1692 Freiherr), kaiserlicher Generalfeldmarschall, * 1646, † Kirchberg (Steiermark) 22.02.1718, aus einem ursprünglich hessischen Adelsgeschlecht, Sohn des Generals und Vizekriegsratspräsidenten Gottfried von H. (1664 in den Freiherrnstand erhoben, † 1679).

Leben

H. begann bereits mit 18 Jahren eine sehr erfolgreiche militärische Laufbahn, als seine Soldaten mit der Nordarmee des Generals Ludwig Ratwich Graf von Souches im ersten Türkenkrieg Kaiser Leopolds I. am 7. Juni 1664 Léva eroberten. Sechs Jahre später, 1670, setzten die Truppen H.s und des Generals Johann Graf von Sporck in Oberungarn den militärischen Schlußstrich unter die von Péter Zrínyi, Ferenc Frangepán und Ferenc Nádasdy angeführte Magnatenverschwörung. 1672 wurde H. auf den westlichen Kriegsschauplatz abkommandiert, wo er mit Raimund Graf von Montecuccoli entscheidende Siege über die französischen Truppen erringen konnte. 1678 wurde H. in einem Gefecht an der Brücke bei Rheinfelden schwer verwundet. Noch im selben Jahr wurde er Major.
1683 nahm H. an der Verteidigung Wiens teil. Zum General ernannt, kämpfte er dann unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden gegen die Türken. Er befehligte das gesamte Fußvolk und trug viel zu den Siegen bei Batočina und Nisch im Herbst 1689 bei. In der Schlacht bei Zenta am 11. September 1697 führte er die rechte Flanke des kaiserlichen Heeres.
1703 wurde H. zum Vizepräsidenten des Hofkriegsrates und 1704 zum Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres in Ungarn ernannt. Er hatte die Aufgabe, Transdanubien von den Aufständischen des Fürsten Ferenc II. Rákoczy zurückzuerobern, was ihm in wechselvollen Kämpfen zwischen März und Juli 1704 auch gelang. Am 26. Dezember 1704 besiegte er schließlich bei Tyrnau die Truppen des Fürsten selbst, wurde jedoch kurz darauf wegen Differenzen mit den anderen Heerführern aus Ungarn zurückberufen und nach Tirol versetzt.
1708 wurde H. nochmals Oberbefehlshaber in Ungarn. Er befestigte die von Fürst Rákoczy belagerte Burg Trentschin und schlug diesen am 3. August 1708 entscheidend. Das Kuruzzenheer fiel auseinander, das Schicksal des Aufstandes war besiegelt. Zum großen Teil war es H.s Verdienst, wenn die Loslösung Ungarns vom Haus Österreich, beschlossen auf Vorschlag des Fürsten vom Reichstag von Önod am 13. Juni 1707, nicht wirksam werden konnte.
Der Sommerfeldzug des Jahres 1717 gegen die Türken - insbesondere die Aktion bei Zenta gemeinsam mit Prinz Eugen von Savoyen und Guido Graf von Starhemberg - war der letzte, an dem H. teilnahm. Er wartete nicht mehr auf den Friedensschluß, sondern zog sich auf sein Gut Kirchberg in der Steiermark zurück, wo er bereits im folgenden Jahr starb.
Allgemein wird H. als erfolgreicher, aber doch sehr rücksichtslos vorgehender Truppenführer bezeichnet. Er war viermal verheiratet; aus seiner ersten Ehe mit einer Gräfin Zinzendorf stammen seine beiden Söhne. Der ältere, Rudolf, fiel 1717 in der Schlacht bei Belgrad als kaiserlicher Oberst, der jüngere, Albert, war 1738 Generalfeldmarschall.

Literatur

Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren. Bd 1. Wien 1808, 375-378.
Redlich, Oswald: Weltmacht des Barock. Wien 1961.  

Verfasser

Karl Friedrich Rudolf (GND: 140358781)


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