Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Glaise von Horstenau, Edmund

Glaise von Horstenau, Edmund, österreichischer bzw. deutscher Offizier, Historiker und Politiker, * Braunau/Inn 27.02.1882, † Nürnberg 20.07.1946.

Leben

G. stammte aus einer Offiziersfamilie und ergriff nach Absolvierung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt die Offizierslaufbahn. 1910 wurde er Offizier im Generalstab, ab 1915 war er als Referent für Presse und Politik beim Armeeoberkommando tätig. 1918 dem Kriegsarchiv zugeteilt, studierte er 1919-1921 in Wien Geschichte und leitete ab 1925 als Direktor das Kriegsarchiv. Aus dieser Zeit stammen mehrere Werke zur jüngeren und jüngsten österreichischen Geschichte. Den katholischen Deutschnationalen nahestehend, schien er Bundeskanzler Schuschnigg 1934 ein geeigneter Verbindungsmann zur nationalen Opposition zu sein. Er wurde Staatsrat und bereitete 1936 maßgeblich das deutsch-österreichische Juli-Abkommen vor. Zuerst als Minister ohne Portefeuille, ab 3. November 1936 als Innenminister sollte er die „Befriedung“ zwischen Kurt Schuschnigg und den Deutschnationalen sowie den illegalen Nationalsozialisten herstellen. Als Vertreter einer legalen und evolutionären Anschlußpolitik wurde er nach dem Berchtesgadener Abkommen von Arthur Seyßinquart in den Hintergrund gedrängt, wenngleich er auch in der Regierung Seyßinquart den Posten eines Vizekanzlers und in der ersten Zeit nach der nationalsozialistischen Okkupation Österreichs den eines Staatsministers innehatte. Erst nach der Gründung des „Unabhängigen Staates Kroatien“ erhielt er durch seine Ernennung zum "Bevollmächtigten General in Agram“ wieder eine bedeutsame Aufgabe zugewiesen. G. sollte vor allem für die Aufstellung kroatischer Truppen Sorge tragen und die Beziehungen zwischen Zagreb und Berlin ausbauen. Überzeugt, daß das Regime Pavelić eine breitere Basis und Zustimmung in der Bevölkerung brauche, geriet er in scharfen Gegensatz zum Terror der Ustascha gegenüber der serbischen Bevölkerung, da er hierin eine wesentliche Mitursache des Erstarkens der nationalserbischen wie auch der kommunistischen Partisanenbewegung sah. Erst 1943 wandte er sich von einer aktiven Unterstützung Ante Pavelićs ab, blieb aber auch gegenüber der nun einsetzenden Machtübernahme durch die deutsche Wehrmacht und SS, vor allem gegenüber dem verstärkten Terror und der rücksichtslosen Ausbeutung des Landes durch die Deutschen, kritisch distanziert, da seiner Meinung nach auf diese Weise nur der Widerstand immer breiterer Bevölkerungskreise hervorgerufen wurde. Im Herbst 1944 wurde er aus Zagreb abberufen. 1945 in amerikanische Gefangenschaft geraten, wurde er vor den internationalen Gerichtshof in Nürnberg als Zeuge geladen. Aus Sorge vor einer Auslieferung an Österreich beging er im Sommer 1946 im Lager Langwasser (Nürnberg) Selbstmord.

Literatur

Gulick, Charles: Austria from Habsburg to Hitler. 2 Bde. Berkeley, Los Angeles 1948.
Eichstätt, Ulrich: Von Dollfuß zu Hitler. Geschichte des Anschlusses Österreichs 1933-1938. Wiesbaden 1955.
Kiszling, Rudolf: Die Kroaten. Wien 1956.
Gehl, Jürgen: Austria, Germany and the Anschluß. New York, Toronto 1963.
Hory, Ladislaus und Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-45. Stuttgart 1964.
Rosar, Wolfgang: Deutsche Gemeinschaft. Seyßinquart und der Anschluß. Wien, Frankfurt, Zürich 1971.
Fricke, Gert: Kroatien 1941-1944. Der „Unabhängige Staat“ in der Sicht des Deutschen Bevollmächtigten Generals in Agram, Glaise von Horstenau. Freiburg/Br. 1972. = Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. 8.

Verfasser

Rudolf Gustav Ardelt (GND: 1018257101)

GND: 118539647


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Empfohlene Zitierweise: Rudolf Gustav Ardelt, Glaise von Horstenau, Edmund, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 55-56 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=882, abgerufen am: (Abrufdatum)

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