Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Emmerich

Emmerich (Imre, Heinrich), König von Ungarn 1196-1204, * um 1174, † 30.11.1204, ältester Sohn König Bélas III. und seiner Gattin Agnes Châtillon, verheiratet mit Konstanze von Aragon, Tochter König Alfons’ II. (später Gemahlin Kaiser Friedrichs II.).

Leben

Bereits 1182 zum König gekrönt und seit 1194 Herzog von Dalmatien und Kroatien, vertrat E., wie sein Vater, eine westliche, vornehmlich französisch-spanische Orientierung. Seine kurze Regierungszeit war durch Zwist mit dem jüngeren Bruder Andreas belastet, dem der Vater einen beträchtlichen Schatz und die Bürde, sein Kreuzzugsgelübde zu erfüllen, hinterlassen hatte. Andreas gewann einen Teil des ungarischen Klerus und durfte auch mit der Unterstützung der mächtigen Grafen von Meran (aus dessen Familie seine Gattin stammte) rechnen. 1197 wurde E. besiegt, im nächsten Jahr blieb er jedoch siegreich und konnte 1200 den rebellischen Bruder zum Ausgleich zwingen. Aus diesen Kämpfen wurde durch den Bericht des Archidiakons Thomas die eindrucksvolle Szene festgehalten, in der E. unbewaffnet, mit einem Stab in der Hand durch die Reihen des aufständischen Heeres schritt, um seinen Bruder gefangenzunehmen. Von manchen Historikern wird dies - obwohl ihre Authentizität umstritten ist - als die letzte große Stunde des „patrimonialen“ oder „charismatischen“ Königtums angesehen. Für die Unterstützung im Bruderkampf schenkte E. seinen Getreuen ausgedehnte Burgbesitze aus dem Königsgut, was zur allmählichen Erstarkung einer weltlichen Herrenschicht führte.
E. war erfolgreich auf dem Balkan: 1201-1202 konnte er die ungarische Hoheit über Serbien sichern und besiegte 1202 auch die Bulgaren. Diese Kriegszüge standen sowohl mit der ungarischen Ausdehnungspolitik als auch mit der von Rom geforderten Bekämpfung der Ketzerei der Bogomilen im Zusammenhang. Doch die Eintracht mit dem Papsttum wurde durch die Bemühungen Innozenz’ III., Bulgarien in römische Abhängigkeit zu bringen, gefährdet. E. ließ den päpstlichen Legaten, Kardinal Leo, unterwegs nach Bulgarien gefangennehmen und erst nach scharfem Protest des Papstes weiterfahren. Die Eroberung von Zara durch die Kreuzritter (1202) verschärfte nur die Gegensätze. In diesen Konflikten dürfte auch die Politik E.s hinsichtlich der Thronstreitigkeiten im Reich eine Rolle gespielt haben.
In seinen letzten Jahren war E. mit der Sicherung der Nachfolge seines einzigen Sohnes, des nachmaligen Ladislaus III., beschäftigt: am 26. August 1204 ließ er ihn zum König krönen, und er schwor dem Primas von Ungarn in dessen Namen, der Kirche stets gehorsam zu sein. Auch plante er, das Kreuz zu nehmen und auf diese Weise seinen Sohn unter kirchlichen Schutz zu stellen. Schließlich ernannte er den einige Zeit vorher eingekerkerten Bruder Andreas zum Vormund des Minderjährigen.
E. wurde in Erlau bestattet; seine Grabkammer blieb erhalten.

Literatur

Huber, Alfons: Studien über die Geschichte Ungarns im Zeitalter der Arpaden. I. Die Kämpfe des Königs Emerich mit seinem Bruder Andreas. In: Arch. österr. Gesch. 65 (1884) 156-163.
Mályusz, Elemér: Herrschaftsformen im mittelalterlichen Ungarn. In: Résumés des communications présentées au congrès. Bd 1. Varsovie 1933, 316-321. = Vll-e Congrès International des Sciences Historiques.
Hóman: Bd 1.
Sweeney, J. R.: Papal-Hungarian Relations During the Pontificate of Innocent III. 1196-1216. (Diss.) Cornell 1971.

Verfasser

János M. Bak (GND: 12185485X)


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